Staßfurt l Neugierige Blicke gehen zum glänzenden Dach, vorsichtig setzt man einen Fuß auf die Bretter zum Eingang. Der Werkstattrat, eine Art Betriebsrat der behinderten Mitarbeiter der Lebenshilfe Bördeland, darf sich „exklusiv“ auf der Baustelle umschauen. Hier am Luisenplatz entsteht eine neue Arbeitsstelle für die Kollegen in der Montage. Und die ist sogar fast fertig.

Montagehalle mit Werkbänken

„In der Montagehalle werden auf jeder Seite Werkbänke für je 16 Mitarbeiter aufgestellt“, sagt Andreas Patzelt. Der Werkstatt-Leiter führt seine Mitarbeiter vom Haupteingang Luisenplatz in die Halle. Der große Raum im Inneren hat hohe Fenster, wirkt sehr licht und hell. Andreas Patzelt freut sich auf den neuen Standort. Denn die beeinträchtigten Menschen, die über einfache Arbeiten zu einer Beschäftigung kommen, brauchen Platz. „Wenn die 42 Mitarbeiter hier ihren neuen Arbeitsplatz bekommen, haben wir in der Strandbadstraße dann noch 140 Mitarbeiter und endlich keine Überbelegung mehr“, verrät er.

Die staunenden Blicke gehen zum Fußboden – die Mitarbeiter freuen sich auf das Hellblau, das hier den Teppich zieren soll. „Wir haben mehr Arbeitsplätze als bisher zur Verfügung“, freut sich Brigitta Eckel. Sie arbeitet bei der Lebenshilfe in der Montage.

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Ein Jahr ist nun vorbei. Im November 2018 wurde die Baustelle eröffnet. Bis Ende dieses Monats sollen Heizungs- und Trockenbauer, Maler und Co. draußen sein. „Die Inbetriebnahme ist für Januar vorgesehen“, sagt Patzelt. Die einst hohen Räume der ehemaligen Kaufhalle wurden durch Zwischendecken verkleinert. Ein dunkles Weiß mit Details in Anthrazit wird das dezente Design der Wände, innen und außen.

Kantine mit Außensitzplätzen

Im Zentrum der großen Montagehalle wird je eine Umkleidekabine für Männer und Frauen eingerichtet. Rundherum dann zu beiden Seiten die Werkbänke. Zum Kreisverkehr hin kommt ein weiterer Eingang – der zur Kantine, die auch Außensitzplätze haben wird. Drinnen werden 28 Plätze zum Essen entstehen. In der Küche arbeiten dann vier weitere Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstätten, dazu kommen noch Pfleger der Außenanlagen und Reinigungskräfte.

Das sanierte Gebäude am Luisenplatz ist auch Endpunkt der Steinstraße und war von der Wirtschaftsförderung zum Ankerpunkt der Staßfurter Einkaufsmeile erklärt worden. Das neu konzipierte Außengelände der Werkstatt wird ab Januar in Angriff genommen. Es soll so hergerichtet werden, dass Passanten den Luisenplatz zwischen Werkstatt und der Ladenzeile im Nebengebäude queren können.

„Diese Ladenzeile bauen wir nächstes Jahr aus, die Baugenehmigung ist da“, so Patzelt. „Eine Physiotherapie mietet sich dort ein, der Rest wird Standort für den Berufsausbildungsbereich der Lebenshilfe.“ In Unterrichtsräumen und Werkstatt sollen dort Theorie und Praxis der Berufsbilder Tischler, Hauswirtschaft oder Schlosser gelehrt werden.

Zaun für die Sauberkeit

Um das Gebäude und den zukünftigen Hof mit Parkplätzen für die Mitarbeiter herum soll noch in diesem Jahr ein anthrazitfarbener 1,20 Meter-Zaun kommen, dessen Tore tagsüber geöffnet werden. Der müsse sein, so Patzelt, damit das Grundstück nicht vermüllt oder mit Hundekot verschmutzt werde. Das fertige Gelände kann sich Jana Tugendheim vom Werkstattrat schon vorstellen: „Es wird wunderschön, wenn die Außenanlagen fertig sind. Wenn man bei einem Kaffee mit Stühlen draußen sitzen kann, wird das richtig einladend“, sagt die Mitarbeiterin von der Lebenshilfe-Herberge Tarthuner Wöhl.

Dazu kommen sanitäre Anlagen. Die männlichen Mitarbeiter des Tiergartens bekommen hier eigene Dusch- und Sanitärräume. Dazu ein Lager mit Anlieferung für Lkw, ein Raum für die Gruppenleiter, eine Kühlzelle. Eigens für die beeinträchtigten Mitarbeiter wird ein Ruheraum eingerichtet, falls sie sich erholen müssen, und ein Raum für ihre Physiotherapie. Alles ist ebenerdig und barrierefrei.

Tierpflegerhelfer Andreas Bürger freut sich auf die neuen Sanitäranlagen für ihn und seine Kollegen. „Hier haben wir drei neue große Duschen, das ist top“, sagt er.