Löbnitz l Als sich Bruno Funke für den Erhalt des ausgedienten Trafohäuschens einsetzte, dachte er bei weitem nicht daran, dass dieses Bauwerk auch noch einen Zweck als Artenschutzturm erfüllen würde. Dem Nachbarn ist es aber recht. Vor allem zeigt sich Ronald Tischbier erfreut, mit diesem Objekt wieder einen Standort zu bekommen, der dem Erhalt der Artenvielfalt dienen wird. Nicht zuletzt Uwe Lerch aus Cochstedt ist es zu verdanken, dass der Kontakt zu dem Naturfreund aus Bielefeld entstand. Es ist das 28. Gebäude, das der Vorstandsvorsitzende für die Stiftung Pro Artenvielfalt übernimmt. Besonders in Mecklenburg und Ostthüringen sind die Naturschützer aktiv, aber auch auf Zypern und Sizilien.

Die Stadtwerke Staßfurt zögerten nicht lange und übergeben die gut acht Meter hohe Immobilie für einen symbolischen Euro. Eine Spende des Versorgers über 3000 Euro hilft zudem beim Umbau. „Der geplante Abriss hätte mehr als doppelt soviel gekostet“, erklärt Netzmeister Michael Amme.

„Hier machen wir nun insbesondere etwas für Felsenbrüter. Deren Dilemma ist doch, dass sie mit den Häusermodernisierungen immer mehr an Lebensraum verlieren“, so Roland Tischbier. Mit den Dämmungen verschwinden zum Beispiel Einfluglöcher.

„Schwalben galten einst als Glücksbringer. Da pfeifen die Menschen heute drauf.“

„Und dann ist da noch der überzogene Ordnungssinn. Schwalben sind nicht mehr willkommen. Die galten einst als Glücksbringer. Da pfeifen die Menschen heute drauf.“ Dabei gebe es so genannte Schwalbenbretter, die Schmutz auffangen und leicht zu säubern seien.

Auch der Löbnitzer Artenschutzturm soll nun den Tieren entgegen kommen. „Wir machen was für die Schwalbe, für Dohle, Turmfalke, Bachstelze und Hausrotschwanz, auch für den Feldsperling“, kündigt Tischbier einige kleine bauliche Veränderungen an, die solchen Vögeln dienen, die unter Stress leben, sprich, deren Lebensräume immer enger werden. Das betreffe gerade solche Übergänge zwischen Feldern und Wohnbebauungen wie hier. Eine Baufirma aus Neundorf werde mit den Arbeiten beauftragt, sowie ein Zimmerer aus Thüringen. „Der kommt mit einem Auge einer Fledermaus und einem einer Dohle“, meint Roland Tischbier. 14 Mauerdurchbrüche seien geplant. „Tiere sind immer auf Wohnungssuche, da braucht man sich um den Bezug des Turms keine Gedanken machen“, ist er überzeugt.

Sehr froh ist der Stiftungs-chef nun auch darüber, dass der Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. sich mit einklinkt. Der Turm habe einen günstigen Standort, erklärt Bernd Ohlendorf von den Fledermausfreunden, die übrigens mit der Fachgruppe Faunistik und Ökologie am Sonnabend, 27. August, ab 18 Uhr, zur mittlerweile 4. Fledermausnacht an den Löderburger See einladen.

„Hier in den Rest-Auenwäldern ziehen Unmengen an Fledermäusen durch auf ihrem Weg zwischen dem Baltikum und Italien und der Schweiz. Der Elbe-Saale-Bode-Bereich ist dabei eine wichtige Station“, so Ohlendorf. Seine Mitstreiterin Kathleen Kuhring zählte bei einem Monitoring im benachbarten Neugattersleber Park in der Zeit vom 9. bis 24. Oktober des vergangenen Jahres rund 500 Fledermäuse. Dabei wurden neun Arten registriert.

Der Artenschutzturm Löbnitz soll nun hauptsächlich auch den Rauhaut-Fledermäusen als Rastplatz dienen.

Etwas für die Artenvielfalt kann jeder Haus- oder Gartenbesitzer tun: mit Blumenbeeten, Teichen. „Nistkästen unterm Dachvorsprung in schattiger Lage oder an Bäumen helfen auch“, so Tischbier.