Egeln l Die Mütter, deren Kinder die Sekundarschule in Egeln besuchen, konnten innerhalb kurzer Zeit bis zum 30. Oktober insgesamt 2155 Bürger davon überzeugen, mit ihrer Unterschrift eine bessere Ausstattung mit Lehrern zu fordern.

„Wir haben alle Listen eingesammelt“, sagte Sybille Schütze aus Kroppenstedt, die die Öffentlichkeit auf die gravierenden Probleme an der Ganztagsschule aufmerksam gemacht hatte. Die Unterschriften sollten Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) ursprünglich gemeinsam mit Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr und Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner (beide UWGE) und Schülern in Magdeburg persönlich überreicht werden. Dieser Termin ist aber geplatzt.

„Wir Eltern und Schüler möchten uns bei der Bevölkerung und bei den Einrichtungen, bei denen wir unsere Sammellisten hinterlegen durften, für ihre Unterstützung dieser Aktion recht herzlich bedanken. Ein besonders großes Lob und Dankeschön möchten wir an die Schülerin Vanessa Knigge aus der 9. Klasse weiterreichen. Ihrem Engagement und Ehrgeiz ist es zu verdanken, dass wir auf beachtliche 2155 Unterschriften gekommen sind“, sagte Sybille Schütze. Sie ist auch der Stadt Egeln dankbar.

Einfach blanker Hohn

„Mit diesem Hilfeschrei“, so die Mutter, „wollen wir die Verantwortlichen wachrütteln. Es ist und bleibt eine große Schande und ein Armutszeugnis für Sachsen-Anhalt.“ Schütze bezeichnete den Lehrermangel als Katastrophe. Diese hat aus ihrer Sicht einen Namen: „Unvorhersehbare Verhinderungen von Lehrern“, wie das Landesschulamt mitgeteilt hatte. „Das ist einfach nur der blanke Hohn“, so Schütze. Man habe es in den vergangenen Jahren versäumt, genau diese Grundversorgung der Schule aufrecht zu erhalten. Für acht Lehrer, die im vergangenen Schuljahr in den Ruhestand entlassen wurden, habe es keinerlei Ersatz gegeben, wirft sie dem Land vor.

Schütze: „Das weiß man nicht erst seit 2019, denn der Renteneintritt steht nicht erst seit gestern in der Personalakte.“ Bei gleichbleibender Schülerzahl habe sich das Lehrpersonal um fast 50 Prozent reduziert. Die Klassen seien proppenvoll und der Lehrer fehle. Der Modellversuch, Lehrpersonal einzusparen, sei gewaltig gegen die Wand gefahren. Das müsse sich auch das Bildungsministerium eingestehen.

Offiziell heiße es laut Gesetz zwar, dass jedes Kind in Deutschland ein Recht auf Bildung habe. Die Realität spreche aber eine andere Sprache. Zurzeit habe noch nicht mal jede Klasse einen Klassenlehrer. Während einer Unterrichtsstunde müsse ein Lehrer mehrere Klasssen gleichzeitig betreuen. „Wie groß diese Belastung für Lehrer und Schüler ist, liegt auf der Hand. Die Aufsichtspflicht durch das Lehrpersonal ist nicht mehr gewährleistet“, meint Sybille Schütze. Sie stellt sich die Frage, wen man dafür zur Verantwortung ziehe, wenn während des Unterrichts etwas passiere.

Den akuten Lehrermangel an der Ganztagsschule Egeln, der zu einer Menge Unterrichtsausfall geführt hat, will das Landesschulamt so schnell wie möglich beseitigen. Das teilte die Behörde im Oktober auf Anfrage der Staßfurter Volksstimme mit. Das Amt plant die Einstellung eines Lehrers für eine verstorbene Kollegin, die Einstellung von befristeten Mitarbeitern für eine im Mutterschutz befindliche sowie einen langzeiterkrankten Lehrer. Darüber hinaus sollen Lehrer fachfremd über ihre Lehrbefähigung hinaus auch Unterricht in anderen Fächern geben, um die Grundversorgung an der Schule sicherzustellen.

Ein Lehrer soll zum 1. Dezember anfangen. „Zum 2. Januar sind zwei Kollegen angekündigt, die ihre Vorbereitungen absolvieren müssen, so dass sie ab dem zweiten Halbjahr für den Unterricht zur Verfügung stehen“, erfuhr die stellvertretende Schulleiterin der Ganztagsschule Monika Franze vom Landesschulamt. Aber ob alle Arbeitsverträge inzwischen unterzeichnet seien, wisse sie nicht.