Hohenerxleben l Eigentlich sollte beim ersten Bürgerdialog am Dienstagabend in Hohenerxleben erstmal das „Grobe“ festgelegt werden. Stadtverwaltung und rund 60 Teilnehmer sollten sich einigen, wie die Bürgerdialoge für Staßfurt in Zukunft aussehen sollen: Wie oft trifft man sich? Gibt man sich bestimmte Themen? Wo trifft man sich?

Aber dazu kam man in den angesetzten zwei Stunden gar nicht. Einige Bürger starteten gleich thematisch und äußerten konkrete Ideen für die Zukunft der Stadt, andere erklärten allgemein, wie sie sich die Bürgerdialoge, aber auch die Kommunikation mit Verwaltung und Stadtrat vorstellen und brachten etliche Verbesserungsvorschläge.

"Meilenstein"

Die Diskussion war lebendig. Bürger nannten Ideen, die gesammelt und in Zukunft zum Tragen kommen sollen. Die Bürgerdialoge sind Teil des neuen Leitbildes der Stadt und wurden von Oberbürgermeister Sven Wagner als „Meilenstein“ bezeichnet, mit dem die Bürger „die Zukunft selbst in der Hand haben.“

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In Teilen drifteten Einzelpersonen bei der offenen Gesprächsrunde ab in Parteiwerbung, Fraktionsstreit und kommunalpolitische Differenzen. Auch persönliche Befindlichkeiten nahmen einen kleinen Raum ein. Aber Moderatorin Kerstin Liebig und Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben dies ganz gut abwenden und die Diskussion zurück in die richtige Richtung lenken können.

Wünsche für Staßfurt

• Stadtsee beleben: Am Stadtsee in Staßfurt sollte sich mehr Leben abspielen. „Dort könnte man vielmehr junge Menschen hinziehen, durch Konzerte, junge Bands und mehr“, findet Rafael Siegmund. Dabei seien die Stadt aber ebenso Veranstalter und andere Akteure gefragt.

• Heimatgefühl: „Wir sollten stolz auf unsere Stadt sein“, sagt Sigrid Kullack. Die „tolle“ Kunstaktion in der Steinstraße sei positives Beispiel dafür, „was wir alles in Staßfurt schaffen.“

• Miteinander schaffen: In Staßfurt muss mehr Miteinander und Verständnis der Generationen untereinander stattfinden, findet Sigrid Kullack. Am Beispiel der vielen Graffiti-Schmierereien in der Stadt sehe man, dass es heutzutage an gegenseitiger Rücksichtnahme und Respekt fehle.

• Senioren unterstützen: Die Senioren sollen die Möglichkeit bekommen, durch Busse mehr Fahrten und Ausflüge zu unternehmen, forderte Christel Görmer. „Die Senioren in den Ortsteilen sind sonst vom Leben abgeschnitten und sie freuen sich sehr, wenn sie mal rauskommen.“ Die finanzielle Unterstützung für einen Bus oder ähnliches war bereits eines der Leitbildprojekte, die es nicht unter die Top 14 schafften. Christel Görmer will trotzdem dranbleiben.

Wünsche an die Stadtverwaltung

• Ehrlichkeit: Johann Hauser fordert, dass die Bürgerdialoge „zielorientiert, gemeinschaftlich und ergebnisoffen“ gestaltet werden. Bürger, die sich an das Rathaus wenden, sollten ernst genommen und nicht „verhohnepiepelt“ werden.

• Frust loswerden: „Die Bürger, auch die Einwohner der Ortsteile, sollen auch mal ihren Frust loswerden können“, sagt Klaus Maaß. Der Verwaltung sollte man konkrete Fragen stellen können, die auch direkt beantwortet werden.

• Fairness: Hans-Jürgen Lärz möchte, dass „wir miteinander reden und nicht übereinander“. Die Kommunikation soll politisch neutral und fachlich fundiert sein, indem auch Verwaltungsfachleute Auskunft geben.

• Allgemeinwohl: Sven Wagner findet, persönliche Einzelinteressen sollten nicht im Vordergrund stehen, sondern die Interessen der Allgemeinheit.

• Politik erklären: Bürger sollten erfahren, welche Themen der Stadtrat behandelt, findet Peter Maier. „Und die Ergebnisse der Abstimmungen müssen ihnen auch im Nachhinein mitgeteilt werden.“

• Leitsätze leben: „Die Leitsätze, die wir uns selbst im Leitbild gegeben haben, zum Beispiel den Grundsatz des Miteinanders, sollte die Verwaltung auch in ihrer täglichen Arbeit umsetzen beziehungsweise verinnerlichen“, findet Burkhard Nimmich.

• Selbstkritisch sein: Man sollte in Bürgerdialogen auch kritische und schwierige Themen diskutieren können, meint Ralf-Peter Schmidt. Die Verwaltung sollte auch Probleme erklären, Fehler eingestehen und selbstkritisch sein. „Wir sollten offen miteinander sprechen können.“

• Online dabei sein: „Pendler können manchmal nicht an den Bürgerdialogen teilnehmen, deswegen muss es auch online eine Plattform geben“, schlägt Andreas Duckstein vor. Ihm schwebt eine Auflistung von Themen vor, über die Bürger diskutieren wollen, über die dann im Internet abgestimmt wird.