Staßfurt l „Halt! Bitte erst die Hände desinfizieren!“ So wurde man gestern vermutlich in jedem Friseursalon empfangen. Ein kleiner Akt, den man sich gefallen lässt. Im Gegenzug ist die Freude bei den Kunden groß, endlich von ihren „Matten“ befreit zu werden.

Sechs Wochen hält man sicher aus ohne Friseur. Wenn aber weitere sechs Wochen seit dem vorherigen Termin zurückliegen, stören womöglich schon die Haare vor den Augen. Wie bei Franz Glei, der gestern als einer der ersten Kunden wieder Platz nehmen durfte im Frisuersalon „Schöne Auszeit“.

Der Staßfurter hatte seinen eigentlich letzten Termin am 23. März – dem Tag als alles schließen musste. „Nach einem Vierteljahr freut man sich natürlich, wieder einen ordentlichen Schnitt verpasst zu bekommen“, ist der 86-Jährige sichtlich erleichtert. Naja, die Maske vorm Gesicht zu haben, fällt schwer. Aber es müsse eben sein.

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Wie tausend andere kleine Dinge, die es zwischen Abstandhalten und Kein-Trocken-Haarschnitt zu beachten gilt.

Um die Kundschaft möglichst schnell zu bedienen und Wartezeiten zu vermeiden, wird gegenwärtig auf weniger wichtige Dienstleistungen verzichtet wie Wimpern-Zupfen oder Augenbrauen-Färben.

Zumindest die Maskenpflicht ist man nebenan in der Kosmetik- und Fußpflege-Abteilung längst gewöhnt, dort gehört das nämlich nicht zur „neuen“ sondern zur „normalen“ Normalität.

Inhaberin Doreen Schöne ist jedenfalls mindestens genau so froh wie ihre Kunden, wieder öffnen zu dürfen. Immerhin liegen auch sechs Wochen Kurzarbeit Null hinter ihren sieben Mitarbeitern und der Chefin. Derweil steht das Telefon immer noch kaum still. Termine hat sie zwar schon vor 14 Tagen wieder vergeben, als feststand, dass Friseure wieder öffnen dürfen. Der Bedarf an frischer Haarpracht ist dennoch nach wie vor ungebrochen.

Mindestens genauso groß war die Freude über eine weitere Lockerung gestern in den Schulen, egal welcher Form.

In Grundschulen durften sich die Viertklässler erstmals wiedersehen und Mathe mit ihren Lehrern frontal machen.

In den Berufsbildenden Schulen in Staßfurt fand die erste Abiturprüfung in Physik statt. Neben den 13. Klassen durften hier auch die 12. Klassen des Beruflichen Gymnasiums wieder ran und lernten, überwiegend aufgeteilt. „Die Schüler waren heute früh sehr froh, dass sie sich und ihre Lehrer wiederhaben“, fand Angelika Ducke. Die stellvertretende BBS-Standortleiterin erklärt: „Fern-Unterricht ist eine Seite. Aber Fragen direkt zu klären, ist doch wichtiger und einfach besser.“ Sie und ihre Kollegen haben dafür vor drei Wochen bereits die Tische und Stühle entsprechend (auseinander)geräumt und Pläne so organisiert, dass rotierender Unterricht stattfinden kann.

In „Schichten“ Unterricht machen, das gehe jedenfalls nicht bei gleichbleibender Anzahl der Lehrer. Die 120 bis 130 anwesenden Schüler bemerkte man gestern kaum in den Gemäuern der BBS.

Der Englisch-Leistungskurs Klasse 12 genoss in der Sporthalle den ersten Unterricht. Die große Räumlichkeit bietet so viel Platz, dass auch Prüfungen mit einer größeren Anzahl von Schülern hier stattfinden können. Am Mittwoch kommen die 11. Klassen des Beruflichen Gymnasiums erstmals wieder, nächsten Montag wechseln sich die eine 11. Klasse der Fachoberschule mit der Klasse ab, die sich in dieser Woche im Praktikum befindet. „Es normalisiert sich langsam wieder“, spricht Erleichterung aus den Worten von Angelika Ducke. Auch wenn sicher noch einige Wochen „Einbahnstraßenverkehr“ in der BBS herrschen wird und „häufiges Lüften“ angesagt ist.

Masken sind hier übrigens nicht Pflicht. Darüber hatten die Schüler selbst abstimmen können.

Über eine andere Lockerung der Corona-Verordnung war Michael Schnock bereits am vergangenen Freitag höchst erfreut, als der Betreiber des Löderburger Sees das Freigelände und einen Imbiss nach fast sechswöchiger Durststrecke wieder öffnen durfte. „War sehr sehr schön“, so der Gastronom, „Viele Leute draußen, und diese sehr froh, mal wieder andere Bilder zu sehen. Und alle waren auch sehr diszipliniert.“ Schnock meint voller Hoffnung, dass es weiter aufwärts geht.

Das Gleiche hofft die gesamte Gastronomie. Ob allerdings das Herrentags-Geschäft schon mitzunehmen sein wird, ist derweil fraglich.

Fest steht unterdessen, dass in Sachsen-Anhalt Maskenpflicht bei Einkäufen in Ladengeschäften besteht, aber nicht auf Wochenmärkten. Dazu hatte es letzte Woche Unstimmigkeiten auf dem Staßfurter Markt gegeben, nachdem der Marktbetreiber sächsisches Recht anwenden wollte.