Cochstedt l 30 Grad, die Sonne brennt. Tobias Heising schlängelt sich mit dem Skateboard dort lang, wo sonst eigentlich Flieger des ansässigen Kunstflugzeugbauers starten und landen. Noch vor ein paar Jahren konnten Passieren von Cochstedt aus ins In- und Ausland abheben. Seit Donnerstag wird dort getanzt, auf mindestens zehn Bühnen liefen gestern am späten Vormittag die Vorbereitungen für Auftritte vieler verschiedener Bands. Fanwagen rollten über die Landebahn. Wohin das Auge blickte: Studenten der einzelnen Fakultäten - 58 sind in diesem Jahr insgesamt dabei – zu erkennen an ihren bunten Team-Outfits.

Ärzte sind Gründer

Tobias Heising ist der Cheforganisator der Veranstaltung, zusammen mit Friedemann Egender hat er die Medi-Meisterschaften, so heißt die Großveranstaltung, 2002 ins Leben gerufen. Damals mit 500 bis 1000 Leuten. Damit ist die Mega-Feier jetzt kaum noch zu vergleichen. Die zwei Ärzte haben mittlerweile eine Medimeisterschaften GmbH & Co. KG gegründet. Mehrere hundert Organisatoren, Firmen, Sponsoren und sonstige Helfer sind im Hintergrund aktiv. Security, Sanitäter, Müllmänner, Polizei: Aus der Region sind etliche Leute eingebunden, der Salzlandkreis ist die federführende als Sicherheitsbehörde.

„Wir haben mehrere Verträge mit Müllfirmen, die stellen Container, die werden täglich und auch darüber hinaus, je nach Bedarf abgeholt, regelmäßig fahren Kehrmaschinen am Morgen über das Gelände“, informiert Marius Busche. Er ist vor Ort als Müllbeauftrager im Einsatz. Neben ihm steht der Fußballchef der Medi-Meisterschaften. Das ist Christian Tonk. Fußball ist generell die Idee, mit der das Ganze einst aus der Taufe gehoben wurden. In diesem Jahr gehen seit gestern 138 Soccer-Teams auf insgesamt zehn Plätzen an den Start, informiert Tonk. Auf der Rasen-Freifläche zwischen Start- und Landebahn sind die Markierungen gezogen.

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Viel Sport dabei

Die Meisterschaften drehen sich aber bei weitem nicht mehr nur um Fußball: Viele weitere Sportarten sind dazu gekommen. Studenten aus ganz Europa machen mit und treten im feiernden Miteinander gegeneinander an. „Es sind Leute aus Österreich, Finnland, England, Ungarn, Dänemark und aus anderen Ländern vertreten“, informiert Heising.

Die Fakultäten sind in zig Wettkämpfen dabei. Cheerleader tanzen dazu, es wird Streetball und Bubble-Ball gespielt, Beachvolleyballer spielen, die Menge tobt und feiert.

Sanitäter passen auf

Aber, auch Sanitäter sind im Einsatz. „Die lange Anfahrt, dann die pralle Sonne, einige Teilnehmer sind dehydriert. Beim Sport gibt es ab und einige leichte Schürfverletzungen“, weiß Andreas Schubert. Er führt die Presse über den Airport und berichtet, dass während der vergangenen Jahre immer alles ohne „größere Vorkommnisse“ ablief. „Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt“, meint er und ist zuversichtlich. Im Zelt der Sanitärer steht ausreichend Flüssigkeit bereit, an Schankwagen daneben fließt aber nicht nur Wasser.

Heute findet dann die große Fan-Wagenparade, ähnlich wie bei einem Karneval, statt. Denn viele Fakultäten sind mit ihren kreativen und bunten Fahr-Feier-Mobilen angereist. Jeder hat sich ein Motto gesetzt. Das ist nicht nur unpolitisch. Da gibt es beispielsweise eine „Trump-Towe-Bühne“. Gerade fährt der Fanwagen aus Mainz über den Asphalt. Alle sind im Fußballfieber. „Wir sind die ‚Weltmainzer‘“, lautet das Credo Studenten.

24 Stunden Musik

Auf einer Bühne läuft die Musik 24 Stunden lang. Auf den anderen „Stages“ sind die Bands aus den jeweiligen Orten mit den Medizinern zusammen angereist. Jeder bringt sich mit ein. Das Gefühl, dass alle zusammen dabei sind, die Feier zu gestalten, wird transportiert. Und das ist auch das Ansinnen der Organisatoren. „Da wird der ganze Uni-Stress einfach mal weggetanzt“, schmunzelt Schubert. „Die Liebe zum Detail, das ist der Spirit, den dieses Festival trägt“, meint Schubert, wenn er erzählt, was die Studenten alles selber machen, damit die Party unverwechselbar wird. Dazu gehört auch, dass die Fakultäten einen Fantanz einüben. Dazu werden Fanvideos gedreht. Großer Höhepunkt heute die Medi-Gala auf der Hauptbühne am Abend, dann werden die Sieger prämiert und es wird gefeiert. Wenn die Lichter ausgehen, wird das Flutlicht auf den Start- und Landebahnen angeknipst, bevor am Sonntag die große Welle der Abreise von Cochstedt aus Richtung Heimat startet.

Die Organisatoren würden gern wiederkommen, wenn sie die Möglichkeit haben. „Wir sind daran interessiert, einen Ort zu haben, wo wir dauerhaft bleiben können“, kündigte Schubert an. Ob das Cochstedt sein wird, hängt wohl auch davon ab, was die Zukunft des Flughafens bringt. In den Vorjahren wurden die Meisterschaften auf einem Flughafen bei Erfurt ausgetragen. Dort hatte aber der Betreiber gewechselt. So wurden Gespräche mit der Flughafengesellschaft in Cochstedt geführt, die der Austragung zustimmte.