Neundorf l Seit einem guten Jahr führt die Stadt Staßfurt zusammen mit einem Freiwilligen aus Neundorf neue Grundwassermessungen im Ort durch. „Nach einem Jahr erhält man natürlich keine großartigen Ergebnisse“, erklärte die zuständige Fachfrau aus der Stadtverwaltung, Anke Michaelis-Knakowski, jetzt im Neundorfer Ortschaftsrat.

Ziel der Untersuchungen in Neundorf ist es, weitere belastbare Daten zum Grundwasser, zu den Veränderungen der Pegelstände und den Ursachen der Grundwasserstände zu bekommen.

Denn Neundorf hatte, vor allem in der Vergangenheit, zuweilen massive Probleme mit zu hohen Grundwasserständen, die schon historisch belegt sind. Es gibt zwar bereits Untersuchungen, doch die Stadtverwaltung möchte über die neuen Messungen seit 2018 noch mehr erfahren. Michael Zenker aus Neundorf misst seit einem Jahr ehrenamtlich fünf Pegel einmal im Monat ab und übermittelt die Daten.

Regen hat keinen direkten Einfluss

Der naheliegende Verdacht, dass sich die Menge des Niederschlags direkt auf einen höheren Grundwasserstand auswirkt, bestätigt sich nun für das erste Messjahr nicht. „Der Grundwasserspiegel hält sich, egal wie viel es regnet“, so Anke Michaelis-Knakowski. Auch wenn es – nur als Beispiel eine Woche lang regnet – steigt das Grundwasser nicht dementsprechend 1:1 an. Das Oberflächenwasser fließt in Neundorf also weitgehend ab und füllt nicht den Grundwasserstand auf.

Und wenn es wenig regnet – wie zwischen Juni und Dezember 2018 – hält sich der Grundwasserstand auch. Er sinkt nicht noch weiter, wie es bei großer Trockenheit zu erwarten gewesen wäre.

Seit 2010 erholt sich Spiegel

Eine weitere Erkenntnis aus den aktuellen Messungen ist, dass der Grundwasserspiegel über die letzten Jahre gesunken ist. Denn seit 2010 wird das Thema von der Stadt untersucht, in verschiedensten Projekten. Daten aus den Jahren 2010 bis heute sind verfügbar und ermöglichen den Vergleich. „Wir haben jetzt einen Wert von einem Meter unter den Werten von 2010“, sagte Anke Michaelis-Knakowski.

Das bedeutet, dass Grundwasser liegt jetzt einen Meter tiefer als 2010. Die fünf verschiedenen Messstellen zeigen heute verschiedene Wasserstände an, zum Beispiel 66,7 Meter (Normalnull, über dem Meeresspiegel) oder 68,7 Meter. Das ergibt einen Wasserstand von 2,50 bis 2,60 Meter unter Geländeoberkante.

Die Messungen sollen auf jeden Fall fortgeführt werden. Die Stadt kann sich auf ihren Freiwilligen verlassen. „Die Pegel werden jeden Monat dank Michael Zenker abgelesen“, lobte Anke Michaelis-Knakowski. Die Stadt erwäge jetzt noch einige weitere Messpegel zur Ergänzung zu setzen.

Experten sollen Daten auswerten

Die Stadt hat nun zunächst erst einmal die rohen Daten. Ausgewertet werden sollen sie durch Experten. Die Verwaltung möchte ein Ingenieurbüro beauftragen, dass die Situation samt Daten auswertet und neu begutachtet. Man ist aktuell also noch in der Phase der Datensammlung. Ob und welche konkreten Maßnahmen darauf folgen könnten, ist heute noch völlig unklar.

In Neundorf betreibt die Stadt aktuell fünf kleine Pumpen mit relativ geringer Leistungsstärke. Einige werden nur als Vorsichtsmaßnahme eingeschaltet, wenn es tagelang durchregnet. Die einzige Stelle, wo in Neundorf etwas mehr gepumpt werden muss, ist der Gänseanger.

Die Stadt Staßfurt hatte 2017 das Projekt ins Visier genommen, weitere Daten aus den fünf Messstellen in Neundorf gewinnen zu wollen. Michael Zenker hatte sich freiwillig bereit erklärt und erhält seit Januar 2018 eine kleine Aufwandsentschädigung. Der Ortschaftsrat Neundorf setzte sich dafür ein, dass das Projekt ins Rollen kommt.

Die verschlossenen Messstellen werden mit einem speziellen Schlüssel geöffnet und eine Art Lot in den Messschacht hinabgelassen, um die Höhe des Grundwassers zu ermitteln.

Neundorf hat seit Jahrzehnten ein Problem mit dem Grundwasser, das aber nicht immer und nicht überall im Ort auftritt. Es kam ab und an zu überschwemmten Grundstücken und feuchten Kellern.

Seit 1930 sind Probleme belegt

In Neundorfs Chronik wurde über Vernässungen in regelmäßigen Abständen berichtet, die immer wieder schlimme Höhepunkte fanden. In den 1930er Jahren wurden deshalb auch die Keller mancher Häuser höher gelegt.

Seit den 1960er Jahren wird das Neundorfer „Wasserproblem“ untersucht. Über die Zeiten hinweg wurden als mögliche Gründe starke Niederschläge, ein stillgelegtes Wasserwerk, Senkungen durch den Kalibergbau und unterschiedlich versickerungsfähige Bodenschichten in Betracht gezogen.

2009/2010 wurde eine Studie zur Wasserhaltung in Neundorf von einem Ingenieurbüro erarbeitet, als die Grundwasserstände im Ort teilweise sehr hoch waren. Dabei stellten die Ingenieure fest, dass die Grabensysteme in Neundorf ausreichen, um Wasser abzuführen, auch wenn dies bei viel Regen nur langsam geht. Die Experten rieten davon ab, Gräben zu vertiefen.