Staßfurt l Bevor der Minister zum eigentlichen Grund seines Besuchs kam, nämlich dem Oberbürgermeister einen Bewilligungsbescheid für die Fortsetzung des Stadtumbaus zu überreichen, nutzte die Kirchengemeinde vom Königsplatz die Gelegenheit, Thomas Webel (CDU) einen Einblick in ihre momentan größte Sorge zu verschaffen. Die besteht darin, dass dringend notwendige Sanierungsarbeiten in einer Größenordnung von 800.000 Euro anstehen. Die Gemeinde kann eine solche Summe aber allein nicht stemmen.

Bausachverständige unterstützten bei der Erklärung der Schäden. „Die Schäden sind so gravierend, dass ,Gefahr im Verzug‘ ist“, verwies der Baureferent des Kirchenkreises Egeln Dirk Zaske auf die von oben bröckelnde Bausubstanz der Staßfurter St.-Petri-Kirche.

Frost sprengt Steine

Es geht hauptsächlich um die so genannten Rollschichten, die Mauern und Vorsprünge aufwärts schützen sollen. Bauingenieur Hans-Jürgen Krauße verdeutlicht: „Die Erosion der Ziegel ist enorm vorangeschritten, weil die Sinterschicht durch Umwelteinflüsse offenporig geworden ist. Die Steine saugen den Regen auf. Bei Frost sprengen sie auf.“

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Im Zeitraum von 2007 bis 2009 seien schon Sanierungsarbeiten in Größenordnungen durchgeführt worden – am Kirchenschiff, an Fassade und teilweise an den Rollschichten. Ab 2010 flossen aber keine Mittel mehr.

Eberhard Müller erklärte den Bauzaun links vom Eingangsportal damit, dass bereits einiges zu Boden gefallen sei. Auch der Glockenstuhl musste schon stillgelegt werden – eine Folge von eindringendem Regenwasser und Umwelteinflüssen.

Finger für die Kirche heben

„Durch das Urban-21-Programm wurde ringsum alles schmuck gemacht. Aber wir haben vergessen, den Finger zu heben für unsere Kirche“, so Müller, der noch auf die Rühlmann-Orgel aufmerksam machte. Sie gehöre zu den „Schätzen“ des 1889 eingeweihten Gotteshauses. Und er hob hervor, dass die Gemeinde 785 Mitglieder habe. Immerhin würden etwa zehn Taufen im Jahr gefeiert. Schließlich vergaß das Gemeindemitglied nicht, auf den „stabilen Grund“ zu verweisen, auf dem die Petrikirche stehe. Es gebe also keine Senkungserscheinungen.

Minister Webel zeigte Verständnis: „Staßfurt hat schon eine Kirche verloren.“ Der Sanierungsbedarf sei hierzulande allgemein noch hoch, nachdem Kirchen 60 Jahre lang faktisch keine Sanierung erfahren durften.

Und er zeigte einen möglichen Lösungsweg für die St.-Petri-Kirche auf. Fördermittel für städtebauliche Missstände nämlich. „Das können auch Kirchen sein“, so Thomas Webel, allerdings nur für die Außenbereiche. Ein entsprechender Antrag müsste über die Kommune bis 30. November gestellt werden, um für 2021 bis 2023 wirksam zu werden.

Wie eine Sicherheit

„Unsere Bescheide sind für Banken wie eine Sicherheit“, ergänzte Webel und verwies noch darauf, dass ein Eigenanteil von 33 Prozent erbracht werden müsste. „Das wäre nicht die erste Kirche. Wie bei einer in Calbe/Saale. Dort hat auch die Stadt deren Anteil übernommen, die im Sanierungsgebiet liegt“, so der Minister.

„Die Dringlichkeit ist gegeben“, unterstrich er, „Es muss auch nicht gewartet werden, dass aus 800.000 Euro vielleicht ein Schaden von drei Millionen wird.“

Der Staßfurter Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann setzte noch hinzu, dass die Stadt auch Sicherungsmittel beantragen werde.

Geld für Städtebau

Schließlich kam man zum eigentlichen Grund für den Ministerbesuch. Thomas Webel überreichte OB Sven Wagner einen Bewilligungsbescheid aus der Städtebauförderung über 275.720 Euro. 180.000 Euro davon fließen in den zweiten Teil des (Doppel-)Hauses am See. Auch das Integrierte Stadt-Entwicklungs-Konzept profitiert von den Fördermitteln. „Das ISEK ist Grundlage, um weitere Fördermittel – auch für die Ortsteile – beantragen zu können“, erklärt Wolfgang Kaufmann.

„Seit 1993 konnten wir die Städte aufpolieren“, sagte Webel. Wer mit offenen Augen durch seine Stadt gehe, sehe, dass was passiert ist.

Sven Wagner bedankte sich für den Bescheid, und schickte voraus, dass die Stadt weiterhin Fortführungsanträge stellen werde. Weil Staßfurt einen guten wirtschaftlichen Hintergrund habe, könne man auch die nötigen Eigenanteile erbringen. „Uns geht‘s ganz gut, aber am Ende doch nicht“, vergaß Wagner nicht, auf die finanziellen Sorgen zu verweisen, die auch die Stadt hat.

Immerhin hat Staßfurt zwölf Millionen Euro Gewerbesteuer-Einnahmen, während auf der anderen Seite eine Kreisumlage von gut elf Millionen Euro steht. Das verlange auch nach Änderungen des Finanzausgleichsgesetzes, gab Wagner Webel mit auf den Weg. Nicht umsonst würden 22 Kommunen wegen der Kreisumlage klagen.