Staßfurt l Im sonst manchmal hitzigen „Sparkassen-Schiff“ in Staßfurt wurde es ruhig, als die drei Herren aus den hinteren Reihen nach vorne traten. Auch die aufmerksamen Bürger merkten im Stadtrat am Donnerstag: Hier passiert jetzt etwas Besonderes. Man sah’s auch an den Augen der Stadträte, die an den Lippen der Referenten hingen. Und die Männer und Frauen, die sonst auf dem Podest vor dem Stadtrat sitzen, standen auf und setzten sich nach hinten. Einfach, um besser sehen zu können, was passiert und erzählt wird.

Am Donnerstag hatten Max und Rainer Kress, sowie Ernst-Dieter Drüke vom Architektenbüro Zakowski den weiten Weg aus Soest nach Staßfurt angetreten, um über das Bauvorhaben in Staßfurt zu berichten. Auf dem Neumarkt zwischen Lehrter Straße und Bode wird die deutschlandweit 30. Filiale des Modemarkts Kress gebaut. Und nachdem lange unklar war, wann es denn nun genau losgeht mit dem Baustart, bestätigte Ernst-Dieter Drüke am Donnerstag: „Der Baubeginn im September ist realistisch.“

Bauantrag vor sechs Wochen eingereicht

Vor sechs Wochen wurde beim Bauordnungsamt des Salzlandkreises der Bauantrag eingereicht, derzeit wird dieser geprüft. Das Familienunternehmen Kress rechnet damit, dass die Baugenehmigung in sechs bis acht Wochen hereinflattert, dann geht’s los mit dem Bau. „Das hat alles lange gedauert, eigentlich wollten wir schon vor zwei Jahren anfangen zu bauen“, bedauerte Firmenchef Rainer Kress. Wegen der Bodensenkungen am Neumarkt mussten Statiker aber immer wieder heran. Das sei kompliziert gewesen. „Nun freuen wir uns aber, dass es losgeht“, so Kress.

Die Idee, genau hier in Staßfurt zu bauen, war dabei schon vor langer Zeit geboren. „Seit vielen Jahren wollen wir in diese Region, um im Städtedreieck Aschersleben, Bernburg und Staßfurt mit der Anbindung an die A 36 und A 14 eine neue Filiale zu eröffnen“, sagte Kress. Der Firmenchef denkt dabei groß. Er rechnet mit Kundschaft aus dem gesamten Salzlandkreis, bis hin nach Magdeburg. Denn dort gibt es zwar schon eine Filiale. Aber: „Die ist nicht typisch. Das ist der zweitkleinste Laden, den wir haben.“

Die Filiale in Staßfurt hingegen wird eine typische moderne Kress-Filiale. Das zeigten auch die Entwürfe des Architektenbüros. Große Schaufensterläden, große Glasflächen sowie eine Aluminiumfassade sind vorgesehen. Die Verkausfläche wird 2500 Quadratmeter groß sein. Es werden zu Beginn 15 Arbeitsplätze geschaffen, es werden 186 Parkplätze zur Verfügung stehen samt E-Ladestationen und es wird auch ein Café direkt am Kress-Modemarkt mitgebaut. Dort wird es innen 46 Sitzplätze geben, zur Bode hin wird es eine Außenterrasse geben mit weiteren 30 bis 35 Sitzplätzen. Das Café soll dabei auch geöffnet sein dürfen, wenn Kress geschlossen hat. „Das sehen wir als Dienst, auch weil es den Boderadweg gibt“, meinte Rainer Kress. Der Kress-Modemarkt in Staßfurt hat die Genehmigung als Modefachhaus mit Randsortiment bekommen. 90 Prozent der verkauften Waren stammen somit aus dem Textilbereich. Der Rest sind Schuhe, Schmuck und andere Accessoires.

Im Stadtrat wurde der Vortrag wohlwollend aufgenommen. „Wir fühlen uns gut informiert mit dem Vortrag. Wir freuen uns, dass sie heute hier sind“, meinte Michael Hauschild, Fraktionsvorsitzender SPD/Grüne und fragte danach: „Stimmt das, dass die Verkaufsfläche größer wird?“ Wolfgang Kaufmann, Fachbereichsleiter Bauen der Stadt Staßfurt, antwortete: „Ja, die Verkaufsfläche wird größer, aber die Gebäudegröße ändert sich nicht.“

„Da ist Herzblut drin, das finde ich positiv“, sagte Mathias Cosic (CDU). „Man merkt, dass es ein Familienunternehmen ist.“ Neffe Max Kress wird dabei Stück für Stück als Firmenchef aufgebaut, er ist auch Bauherr in Staßfurt. Matthias Büttner (UWG Salzland/AfD) fragte: „Man hört ja oft, dass große Unternehmen ihre Gewerbesteuern woanders zahlen. Wie ist das in Staßfurt? Werden die hier bezahlt?“ Die Antwort war unmissverständlich. „Wir zahlen an jedem Standort Steuern. Dafür gibt es rechtlich selbstständige Firmen. Die Steuer fließt voll hier her“, so Rainer Kress. Dafür gab es von den Stadträten zustimmendes Klopfen auf die Tische.

Zirkus weiter auf dem Neumarkt

Bianca Görke (Linke) wollte wissen, ob es Erfahrungen damit gibt, dass Bauwerke so nah an der Straße stünden. Das wäre eine zusätzliche Belastung für das Bauwerk. „Das ist bedacht“, meinte Ernst-Dieter Drüke dazu. Anfragen gab es auch von Ralf-Peter Schmidt (UBvS). „Ist Ihnen bekannt, dass es am Neumarkt eine Skateranlage gibt und den Standort für den Zirkus?“ Hier positionierte sich Rainer Kress ebenfalls. „Der Oberbürgermeister hat nachdrücklich verfolgt, dass es weiterhin einen Zirkusstandort gibt. Da haben wir volles Verständnis. Wir haben die Flächen freigegeben“, sagte er. Der hintere Teil des Neumarkts wird von Kress für den Zirkus freigegeben.

Die Filiale in Staßfurt wird nach Magdeburg und Weißenfels die dritte in Sachsen-Anhalt. Dazu unterhält Kress 13 Filialen in Sachsen, neun in Nordrhein-Westfalen, eine in Niedersachsen und eine in Thüringen. Im gesamten Unternehmen hat Kress über 600 Mitarbeiter. „95 Prozent sind Dauerarbeitsplätze“, so Kress.

Wenn der zeitliche Rahmen eingehalten wird, ist eine Eröffnung des Modemarkts Kress in Staßfurt Anfang 2020 vorgesehen. Schon jetzt bittet Rainer Kress aber um Vertrauen. „Wir haben noch nie einen Flop gesetzt. Wir werden ein großer Gewinner für die Region sein und viele Leute binden.“