Staßfurt l Im Inneren des Deponiekörpers an der Hohen-erxlebener Straße in Staßfurt rumort es. Mehr, als bisher angenommen. „Es bildet sich immer noch Methangas. Ein Zeichen dafür, dass die Verrottungsprozesse noch nicht abgeschlossen sind“, sagt Ralf Felgenträger, Leiter des zuständigen Kreiswirtschaftsbetriebes. Jetzt ist klar: Die Müll-deponie muss entgast werden. 772.000 Euro wird der Kreiswirtschaftsbetrieb in diesem Jahr für Planung und Bau einer entsprechenden Anlage ausgeben. Der Kreistag hat die Investition mit seinem Beschluss zum Wirtschaftsplan für das Jahr 2018 des kommunalen Eigenbetriebes bereits bestätigt. Das Geld kommt aus den Rücklagen des kreiseigenen Unternehmens. „Im Moment schieben wir die Planungen an und warten auf entsprechende Genehmigungen des Landesverwaltungsamtes“, gibt Ralf Felgenträger einen Überblick über den aktuellen Stand. Ziel sei, dass spätestens ab Juli erste Bauleistungen für die neue Aktiventgasungsanlage in Auftrag gegeben werden können.

Langer Prozess

Bis dahin bleibt eine temporäre Gasfackel noch mindestens für die kommenden zwölf Monate in Betrieb. Sie wurde zunächst nur für Absaugversuche genutzt wurde. Damit hatte der Kreiswirtschaftsbetrieb im Juni begonnen. Denn bei regelmäßigen Kontrollen war festgestellt worden, dass die Werte des austretenden Methangases vorgeschriebene Grenzwerte überschreiten. Zudem hatte es äußere Anzeichen bei der Vegetation des Hügels gegeben, Stellen waren kahl und dunkel gefärbt. Im Rahmen der Rekultivierung - seit über zwei Jahrzehnten wird kein Müll mehr angefahren - hatte die Deponie eine temporäre Abdeckung bekommen. Hier waren auch sogenannte Kompostfilter vorschriftsmäßig eingelassen, die den Gashaushalt regulieren sollten. Auch die Rekultivierungsschicht sollte als Methanoxidationsschicht wie ein großer Filter über die gesamte Fläche wirken.

Doch das alles reichte nicht aus. Beim Gasabsaugversuch in den vergangenen Monaten wurden Brunnen an verschiedenen Stellen der Deponie gebohrt und über mehrere Leitungen zu einer Fackel geführt. Die Ergebnisse - 50 Kubikmeter pro Stunde wurden abgesaugt und hatten einen Methananteil von 35 Volumenprozent - zeigen, dass langfristig also eine technische Lösung gefunden werden muss.

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Werte müssen stimmen

Die soll die neue Entgasungsanlage bringen und dafür sorgen, dass die Emissionswerte wieder stimmen. Erfahrungen hat der Kreiswirtschaftsbetrieb damit bereits, auf der Deponie in Bernburg ist bereits seit 2003 eine Fackel in Betrieb. Ralf Felgenträger sagt, dass nach jetzigen Erkenntnissen auch noch mehr Schächte, sogenannte Dome, gesetzt und mit der Fackel verbunden werden müssten, um eine flächendeckende Absaugung zu ermöglichen. Dass am Ortseingang aus Richtung A 14 dann künftig eine Flamme über dem grünen Hügel lodern wird, sei nicht auszugehen“, erklärt der Betriebsleiter. „Man kann sich das eher vorstellen wie einen Kamin mit einem Schornstein. Da ist dann kaum etwas zu sehen.“

Das Gas könne nur gefasst und verbrannt werden, eine Alternative gebe es nicht, erklärt Ralf Felgenträger. „Wir können es nicht wie beispielsweise an der Deponie Schönebeck verwerten. Es ist zu viel, um nichts zu tun, aber zu wenig, um es wirtschaftlich zu nutzen.“ In der Elbestadt treibt das Gas ein Blockheizkraftwerk an, das Strom erzeugt.

Wie lange das Gas abgesaugt werden muss, dazu kann Ralf Felgenträger noch nichts sagen. Das sei auch Teil des Planungsverfahrens jetzt. „Wir müssen sehen, wie sich das Gasverhalten ausbildet. Aber es ist anzunehmen, dass es ein langjähriger Prozess wird.“

Erst wenn das alles klar ist, könne auch etwas dazu gesagt werden, wann die Nachsorgephase an der Deponie beginne - die ebenfalls noch einmal 30 Jahre dauern wird.