Staßfurt/Bernburg l Wieder ist es ein Berg von Altreifen, der einfach nicht in die Landschaft passen will – am sogenannten „Büchsenweg“, einem Feldweg zwischen Förderstedt und Hohenerxleben.

Und solche Taten – zuletzt war eine ähnliche Masse an Altreifen am „Alten Postweg“ im Rathmannsdorfer Lerchenteich gelandet – passt auch nicht in das Verständnis von Ralf Felgenträger. Der Chef des Kreiswirtschaftsbetriebes (KWB): „Diese illegale Entsorgung geht nicht nur zu Lasten der Allgemeinheit, weil die zusätzlich notwendigen Aufwendungen des Kreiswirtschaftsbetriebs mittlerweile auch spürbare Auswirkungen auf die Müllgebühren hat. Der oder die Täter zeigen damit auch, dass ihnen weder ihre Heimat noch die Natur am Herzen liegt.“

Jeder bezahlt einen Euro mehr

Jeder Gebührenzahler müsse mittlerweile rund einen Euro mehr berappen. Der KWB registrierte im vergangenen Jahr rund 150 Tonnen illegal entsorgten Müll, welcher schließlich ordnungsgemäß entsorgt wurde. „Der Entsorgungspreis lag bei 95 Euro pro Tonne. Hinzu kamen Fahrzeug- und Personalkosten von 90.000 Euro im Jahr.“ Demzufolge insgesamt also 104.250 Euro.

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Anfang der Woche habe der Kreiswirtschaftsbetrieb an vier verschiedenen Stellen im Bereich zwischen Förderstedt, Löbnitz und Hohenerxleben insgesamt 4,6 Tonnen Altreifen aus der Natur geholt. Die Kosten für die vorgeschriebene Entsorgung liegen bei rund 1000 Euro.

Zur gesetzlichen Grundlage informiert der Salzlandkreis, dass Altreifen laut aktueller Gewerbeabfallverordnung in Sachsen-Anhalt speziell entsorgt werden müssen. Die Firmen müssen dazu entsprechende Nachweise erbringen. „Wir erwähnen das, weil nach unserer Ansicht die aufgefundenen Reifen mit einer dafür geeigneten Maschine abgezogen worden sind. Felgen waren jedenfalls nicht dabei. Das sowie die Menge sprechen dafür, dass es sich jedenfalls nicht um eine Entsorgung eines Privaten handeln kann“, sagt Landkreis-Pressesprecher Marko Jeschor.

Laut Fachdienst Umwelt gab es im Jahr 2018 insgesamt 449 Meldungen zu illegalen Abfallentsorgungen im Salzlandkreis. In 30 Fällen konnte auf Grund der Zuordnung der illegalen Müllablagerung zum Verursacher (Zeugen, Adressenfund im Müll...) ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet werden.

Täter agieren im Schutz der Dunkelheit

„Die Mehrzahl der Fälle bleibt jedoch unbestraft, da eine lückenlose Beweisführung oftmals nicht möglich ist. Die Täter agieren im Schutz der Dunkelheit“, so Jeschor.

Er zitiert Fachdienstleiterin Stefanie Olsen, wonach die Ahndung illegaler Entsorgungen nur dann erfolgreich sind, wenn der Täter quasi auf frischer Tat ertappt wird. „Nur das Auffinden einer Adresse oder Krankenversicherungskarte im Müll genügt nicht als sicherer Nachweis der Tathandlung. Es bedarf damit eines Zeugen, welcher die Ablagerung sowie die handelnde Person konkret beobachtet hat.“

Die Höhe des Bußgeldes ist abhängig von Art und Menge der Abfälle. Die Bußgelder liegen zwischen 100 und 1000 Euro. Sollte die Ablagerung gefährlicher Abfälle zu einer Gewässerverunreinigung oder zu schädlichen Bodenveränderungen führen können, erfolgt gegen den ermittelten Verursacher eine Strafanzeige. Gleiches gelte beim Verdacht gewerblicher, illegaler Entsorgungen – wie beispielsweise große Fuhren Altreifen oder Bauschutt. Beim Auffinden illegal entsorgter Altfahrzeuge ist das regelmäßig der Fall. Hier ergehe in der Regel ein Strafbefehl zur Zahlung einer Geldstrafe (15 bis 20 Tagessätze).

Gefährliche Abfälle, illegal entsorgt, spielen nicht nur mit Leben und Gesundheit von Mensch und Tier. Auch eine gewisse Brandgefährdung spiele dabei eine Rolle.

Illegale Ablagerung nimmt zu

Fakt sei, die Fälle illegal abgelagerter Abfälle nehmen trotz der vielfältigen Entsorgungsangebote des KWB zahlenmäßig zu.

„Dabei lassen sich keine territorialen Schwerpunkte benennen“, so der Salzlandkreis-Sprecher, „Illegale Entsorgungen finden entlang gut ausgebauter Feldwege, in Waldstücken, auf Brachflächen oder in landwirtschaftlichen Siloanlagen statt. Es werden vorwiegend Bauschutt, Baustellenabfälle, Reifen, Asbest, Fahrzeugteile und Haus- und Sperrmüll illegal entsorgt.“

Zu den Entsorgungsmöglichkeiten speziell für Altreifen muss der Landkreis passen. Es gebe spezielle Dienstleister, die die Entsorgung übernehmen. Diese würden dann privat-rechtliche Verträge schließen.

Wenn der Kreiswirtschaftsbetrieb Altreifen eingesammelt hat, hole er Angebote zur Entsorgung ein. Das wirtschaftlichste Angebot bekomme dann den Zuschlag. Es bleibe in jedem Fall aber ein Mehraufwand im Betriebsplan.