Hecklingen l Das verfallene, inzwischen herrenlose Produktionsgebäude an der Hauptstraße, das seit der Wende leer steht, wird jetzt im Auftrag des Bauordnungsamtes des Salzlandkreises abgerissen, teilte die Bauamtsleiterin der Stadt Hecklingen, Mandy Konew auf Anfrage der Staßfurter Volksstimme mit.

Gefahrenabwehr

Zur Gefahrenabwehr und zur Sicherung des Geländes vor Unfällen auf dem an diesem Standort vorbeiführenden öffentlichen Fuß- und Radwegen wurde eine Hettstedter Abriss- und Transportfirma beauftragt, das vordere Gebäude der ehemaligen Konservenfabrik restlos abzureißen, da es einzubrechen droht.

Die Firma wurde laut www.blaues-band.de 1888 als Konservenfabrik Bosse & Co gegründet. Anfangs produzierte sie wegen des dort vorhandenen guten Wassers in einem Teil des Gänsefurther Schlosses. Die Firma, die Spargel, Erbsen und Bohnen verarbeitete, war zu dieser Zeit führend in Deutschland. Nach 1905 siedelte sie sich an ihrem heutigen Standort am Ortsausgang Hecklingen in Richtung Staßfurt an, da dort inzwischen eine zentrale Wasserleitung existierte. Die Konservenfabrik wurde 1908 sogar königlich-preußischer Hoflieferant.

„1949 beschäftigte die Konservenfabrik 50 Arbeiterinnen, davon 35 Saisonkräfte. Leiter des Betriebes war seit 1912 Ernst Stammer. Auf Grund seiner Erfahrungen und Kenntnisse setzte ihm die Regierung der DDR von 1945 bis 1958 als Berater der wiederaufzubauenden Konservenfabrik der DDR ein. Bis zu seinem Tode war er Ehrenmitglied des Verbandes Deutscher Konservenbetriebe, Sitz in Ludwigsburg“, heißt es in der Chronik der Stadt Hecklingen von 1945 bis 1996 von Walter Knust.

Keine Enteignung

Demnach wurde der Betrieb im Jahr 1968 halbstaatlich. Die Leitung übernahm Herr Falkenberg aus Schönebeck nachdem Ernst Stammer aus Altersgründen ausschied. Ab dem 15. Dezember 1970 führte Hans Taubenroth das Unternehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt war er stellvertretender Werkleiter der ehemaligen Deutschen Solvay-Werke in Westeregeln.

Historisches

Knust: „1968/1969 entwickelte sich die Konservenfabrik zum durchgängigen Verarbeitungsbetrieb und verlor somit ihren Saisoncharakter. 1971 waren bereits 68 Arbeitskräfte tätig. Im Februar 1972 wurde die Firma Bosse & Co auf Antrag der Gesellschafter verstaatlicht. Da alle Gesellschafter des Betriebes von Bosse & Co. Erben der Betriebsgründer Bosse & Co. des Jahres 1878 waren, erhielten die Privatgesellschafter ihre Vermögenanteile ausgezahlt. Es fand keine Enteignung statt. Ab 1972 führte der Betrieb die Bezeichnung VEB Konservenfabrik Hecklingen. Er gehörte aber dem Verband Deutscher Konsumgenossenschaft bis zum Jahr 1974 an.“ Auf Beschluss des Rates des Bezirke Magdeburg seien 1976 die ökonomisch selbständigen Konservenfabriken des damaligen Kreises Staßfurt in Hecklingen, Fördertedt, Atzendorf und Westeregeln dem Betrieb Ogema Langenweddingen angeschlossen worden. „1977 kamen die Werke Atzendorf und Hecklingen zum VEB Ogema Langenweddingen, 1985 das Werk Westeregeln. Die Stammbelegschaft erreichte bis zum Jahre 1989 eine Gesamtstärke von 139 Beschäftigten“, hielt der Ortschronist fest.

Der Betrieb, der Anfang der 1900er Jahre einen Schornstein erhielt, wurde in den 1970er Jahren mit Fernwärme des benachbarten Trocknungswerkes versorgt. Mit der Wende kam das Aus für diesen Produktionsbetrieb.