Staßfurt l Das konnte auch die Corona-Begrenzung auf zehn Bürger für den Sitzungssaal nicht verhindern: Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter wurden im Foyer des Sparkassenschiffs von schätzungsweise 100 demonstrierenden Löderburgern empfangen.

Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) steuerte kurz zu den Protestlern. Natürlich weiß auch er durch zahlreiche Diskussionen in anderen Gremien, dass die Löderburger – vom Grundschüler bis zum Seniorensportler – schnellstens eine neue Halle wollen.

Seit zweieinhalb Jahren müssen/können sie nach Staßfurt fahren. „Das ist ziemlich stressig“, beschrieb Mia, die während der Einwohnerfragestunde stellvertretend und mutig ans Mikro trat. Die Neunjährige erklärte: „Meine Frage ist, ob Sie heute eine gute Entscheidung über unsere Sporthalle treffen können?“

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Sowohl der OB als auch die Fraktionsvertreter versprachen durchweg, in diesem Sinne zu entscheiden. Johann Hauser (FDP) meinte sogar: „Egal wie die Finanzen stehen.“

Der Abend sollte zeigen, dass schon der Änderungsantrag des Ortschaftsrates Löderburg angekommen war. Ortsbürgermeister Danny Hempel (SPD) beschrieb den Unterschied zur Version der Stadtverwaltung nochmal als Kompromiss – nämlich von einer Mehrzweckhalle auf eine weniger teure Schul- und Vereinssporthalle umgesattelt zu haben.

Ralf-Peter Schmidts (UBvS) weitergehender Änderungsantrag, den er nach entsprechender Diskussion im Sozialausschuss aufgeschrieben habe, fand letztendlich bei allen Stadträten inklusive Oberbürgermeister Zustimmung. Auch wenn der dabei blieb, dass sich Verwaltungsvorlage und Änderungsanträge „inhaltlich zu 95 Prozent gleichen“ würden. Ja, auch der sah die Unterbringung des Jugendclubs in der neuen Halle mit vor. Allein die ausschlaggebende Jahreszahl, die Schmidt nannte, mit der im Haushaltszeitraum 2022/23 nun mit der neuen Halle gerechnet wird, fehlte Wagner.

Für die Entscheidung erntete der Stadtrat schließlich Applaus von den Löderburgern, die noch im Saal verblieben waren.

Ein nicht weniger brisantes Thema lag mit der Mitteilungsvorlage „Investitionsfördermaßnahme Kita Bergmännchen“ auf dem Tisch. „Höchstbedauerlich“ meinte Sven Wagner, aber nach seiner Meinung auch „nicht umsetzbar“. Warum, dazu ließ er Babett Riel von der Saleg, der neu beauftragten Planungsgesellschaft, erklären. Sie nannte Probleme mit der Tragwerksplanung und dem Brandschutz als ausschlaggebend, dass die ursprünglichen Pläne nicht mehr weiterverfolgt werden können. So sei der Dachausbau statisch nicht möglich. Ein Ergänzungsbau würde nötig werden. Im gegenwärtigen Gebäude mit „kleinteiligen Strukturen“ wären „große Bewegungsräume nicht integrierbar“.

Als Alternativstandort für das Bergmännchen wurde das 17000 Quadratmeter große Gelände der Uhlandschule in Betracht gezogen von der Saleg – inklusive der Kita Leopoldshaller Spatzen unter einem Dach. Die sei bereits vor fünf Jahren „als nicht mehr sanierbar eingestuft“ worden.

Riel bestätigte Sven Wagners Auffassung, dass bei der Schaffung zukunftsfähiger Strukturen nicht jeder Einrichtungsstandort nur für sich zu betrachten wäre. Sie warnte sonst vor „ständig wachsenden Überkapazitäten“. Neben der Auslastung der Kitas sei auch der jeweilige Sanierungsstau nicht zu vergessen. Ein Entwicklungsplan müsste zeigen, was zu erhalten, was zu schließen ist. Immer in Abstimmung mit der jeweiligen Einrichtung.

Für die Kita Bergmännchen ist eine kurzfristige Maßnahme erforderlich, damit die Betreuung weiter zu gewährleiten ist.

Ralf-Peter Schmidt machte deutlich: „Leopoldshall hat nichts mit dem Thema zu tun. Wir haben die Kita Bergmännchen ausziehen lassen, um diese Kita zu sanieren.“ Der Planer habe das Projekt kaputt gemacht. Die Frage nach Regress sei nicht geklärt. Schmidt forderte eine zügige Entscheidung für das Bergmännchen.

Stephan Czuratis (CDU) sagte: „Die Eltern gehen davon aus, dass sie mit ihren Kindern zurückkommen. Sie möchten, dass die Kita erhalten wird.“

„Beeinflussend“ fand Bianca Görke (Linke) die Beschreibungen der „gruseligen Kellerbilder“ durch die neue Planerin. „Wir haben uns doch auf die Fahnen geschrieben, jede einzelne unserer Kitas konkurrenzfähig zu halten.“

Ob denn tatsächlich alle Nachbargrundstücke für eine Erweiterung des jetzigen Standorts in Betracht gezogen wurden, wollte Matthias Büttner für die AfD wissen – und wie es jetzt weiter geht. „Zurück erstmal?“ Das sei bei dem gegenwärtigen Zustand nicht möglich, erklärte Fachdienstleiterin Ina Siebert. „Die Betriebserlaubnis ist erloschen, müsste neu beantragt werden.“ Diese „Minimalvariante“ würde etwa eine Million Euro kosten.

Der OB nahm Büttners Gedanke als Auftrag mit, sollte sich die Erweiterung am aktuellen Standort als Option herauskristallisieren. Hierzu meinte Michael Hauschild (SPD/Grüne), die Eltern hätten bewusst den Standort gewählt. Der Sozialausschuss und die SPD-Fraktion stünden dahinter.

Zum Thema Kita-Pläne hatte Heike Schattschneider aus Glöthe noch in der Einwohnerfragestunde ein weiteres Problem benannt. Demnach plane die Stadt die Schließung der Kita Winnie Puh in Glöthe. „Der ermittelte Bedarf entspricht nicht den Tatsachen“, so Schattschneider. Viele Kinder seien angesichts der bekannt gewordenen Absichten in Nachbarorte „abgewandert“. Ina Siebert sprach von vier Kindern, die im Moment für die Kita Glöthe angemeldet sind.

Oberbürgermeister Sven Wagner bestätigte, dass die Fortschreibung des Konzepts zur finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt auch besagte Kita Glöthe beinhalte. Dazu müssten aber erst entsprechende Beschlüsse gefasst werden. Vorberaten sei das Thema aber.