Naturschutzbehörde im Salzlandkreis gibt Hinweise zum Umgang mit dem Borkenkäfer

Wie kann man einem Borkenkäfer-Befall vorbeugen?

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen einen Befall mit dem Borkenkäfer ist die Pflanzung heimischer, standortgerechter Gehölze. Darüber hinaus kann eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung für gesunde und stabile Baumbestände sorgen, die weniger anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingsbefall sind.

Kommunen und Privatleute sollten ihre Bäume regelmäßig auf einen möglichen Borkenkäfer-Befall hin untersuchen, um so frühzeitig Bekämpfungsmaßnahmen einleiten zu können.

Was kann man bei einem Borkenkäfer-Befall tun?

Für private Baumbesitzer empfiehlt es sich, anfallendes Schadholz zu entrinden. Dem Borkenkäfer wird die Nahrungsgrundlage entzogen und der weiteren Vermehrung vorgebeugt. Die Einbeziehung eines Baumgutachters zur Beurteilung des Gesundheitszustandes von Bäumen im Zweifelsfalle auf privaten Wohngrundstücken ist eine Form von Prävention.

Was müssen private Waldbesitzer tun?

Private Waldbesitzer sind nach Paragraph 5 Waldgesetz des Landes Sachsen-Anhalt ohnehin verpflichtet, den Wald zu schützen. Regelmäßige Kontrolle des Waldes vor, während und nach der Vegetationsperiode ist eine präventive Maßnahme.

Wie sind privat gefällte Bäume zu entsorgen?

Bei der Bekämpfung des Borkenkäfers empfiehlt die untere Naturschutzbehörde Privatleuten das Fällen und Entsorgen der befallenen Fichten. Eine Entsorgung ist am Wertstoffhof möglich, aber auch in Form einer thermischen Verwertung. Waldbesitzer können das durch Trockenheit und/ oder Borkenkäferbefall angefallene Schadholz vermarkten.

Müssen private Grundstücksbesitzer einen Borkenkäfer-Befall melden?

Private Baumbesitzer oder auch Kommunen unterliegen bei Borkenkäfervorkommen keiner Meldepflicht. Die Fällung der Bäume ist jedoch nach der jeweils hierfür geltenden Baumschutzsatzung im Innenbereich der Ortschaften bei den Städten und Gemeinden zu beantragen. Sollten sich befallene Bäume im Außenbereich befinden, ist eine naturschutzrechtliche Eingriffsgenehmigung der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises erforderlich. (fh)

Staßfurt l Auf den Friedhof in der Hohenerxlebener Straße ist der Borkenkäfer eingefallen. „Das haben wir erst ganz frisch festgestellt, vor drei Wochen etwa", erklärt Wolfgang Kaufmann von der Stadtverwaltung. „32 Bäume auf dem Friedhof sind abgestorben." „Dabei muss es nicht immer der Borkenkäfer sein, es können auch Dürreschäden sein."

Mit der Unteren Naturschutzbehörde des Salzlandkreises war die Stadtverwaltung im Juli auf dem Friedhof. Die Begutachtung durch die Experten ergab, dass 19 Fichten vom Borkenkäfer befallen sind. Bei weiteren elf Fichten konnte ein Befall nicht eindeutig zugeordnet werden. „Alle Bäume müssen gefällt werden", bedauert Wolfgang Kaufmann. Fachfirmen müssen das übernehmen und das Holz im Anschluss verbrennen. Die Naturschutzbehörde hat die Genehmigung zum Fällen erteilt. Auf dem Friedhof Leopoldshall sind die betroffenen Fichten gekennzeichnet.

Staßfurt ist bisher der einzige Fall im Salzlandkreis, wo eine Stadt oder Gemeinde den Borkenkäfer-Befall gemeldet hat, teilt die Landkreisverwaltung auf Nachfrage mit. Weitere private Grundstücksbesitzer sind betroffen, aber darüber gibt es keine Zahlen. Denn die Baum-Krankheit ist außerhalb von Wäldern nicht meldepflichtig.

Auch in Atzendorf wurde kürzlich Alarm geschlagen. „Borkenkäfer fressen die Fichten beim Friedhof kaputt", mahnte Ortschaftsrat Johann Hauser (FDP) kürzlich. „Es soll sich um den Buchdrucker handeln",  eine Unterart des Borkenkäfers. Das Problem schaut sich die Verwaltung aktuell an.

Befallene Bäume sind nicht mehr zu retten

Dabei trifft es Staßfurt nicht zum ersten Mal. Wie sich jetzt herausstellt, sind auch die abgestorbenen Fichten auf dem Friedhof Hecklinger Straße dem Borkenkäfer teilweise zum Opfer gefallen. Dort hatten Verwaltungsmitarbeiter bei einer Kontrolle im Dezember 2018 64 Fichten gefunden. „Bei einer Folgekontrolle im Mai 2019 hatte sich die Zahl auf 76 Bäume erhöht", erklärt die Naturschutzbehörde des Salzlandkreises.

Auch dort hilft nur die Säge. „Für das Problem gibt es keine Lösung", sagt Wolfgang Kaufmann. Finanzielle Hilfen, die jetzt landesweit diskutiert werden, gelten nur für Wälder und nicht für einzelne Baumreihen wie in Staßfurt. Dabei gehören Fichten eigentlich gar nicht in den Salzlandkreis.

Christian Bank von der Staßfurter Fachgruppe Faunistik und Ökologie erklärt die Vorgeschichte: „Die Fichte ist eigentlich ein Gebirgsbaum, der viel Wasser und Frost im Winter gewohnt ist. Nach dem Krieg war der Holzbedarf immens, man hat einfach zu viele Fichten aufs flache Land gepflanzt, die hierauf das falsche Klima treffen."

Die Experten der Unteren Naturschutzbehörde des Salzlandkreises erklären, was dann in so extremen Sommern wie 2018 und jetzt passiert: „Fichten sind Flachwurzler und reagieren auf lang anhaltende Trockenheit und Hitzeperioden während der Vegetationsphase besonders empfindlich. Eine Schwächung der Vitalität der Bäume begünstigt die Vermehrung von Borkenkäfern." Die meisten Bäume seien 2018 eher wegen Trockenheit als wegen der Käfer gestorben. „Ein Zusammenspiel von Trockenheit und Borkenkäfer-Befall ist an den Bohrlöchern auf der Rinde beziehungsweise Fraßspuren unter der Rinde erkennbar. Abgestorbene Bäume ohne Fraßschäden sind überwiegend ‚nur‘ der Trockenheit zum Opfer gefallen."

Die Stadt Staßfurt geht mit den Fällungen den richtigen Weg. Das sagt auch das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt, das den Befall überwacht. „Es gibt keine Prävention gegen den Borkenkäfer. Man kann den betroffenen Baum nur schnell entnehmen, bevor er neue Bäume befällt", sagt Jörg Borchardt Leiter Waldschutz.

Käfer kann aus Nachbars Garten einfallen

Ein Problem kann in privaten Gärten und Flächen entstehen: Für Borkenkäfer gibt es keine Meldepflicht und auch keine Pflicht, die Bäume zu entsorgen. Anders bei Waldbesitzern, die einen Großbefall ab zwei Hektar melden müssen.  Wenn Privatleute ihre kranke Bäume nicht fällen oder zu lange warten, kann sich der Borkenkäfer weiter verbreiten, zum Beispiel zum Garten des Nachbarn.

Der Borkenkäfer hat mit 500 Metern aber einen sehr kleinen Wirkungsradius und durchgängige Fichtenbestände sind um Staßfurt nicht zu finden. Die Fichten beim unmittelbaren Nachbarn könnten „angesteckt" werden. „Bäume des Nachbarn können befallen werden, aber mehr auch nicht. Viel gefährlicher ist der Borkenkäfer im geschlossenen Wald", so Jörg Borchardt.

Laut Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt ist der Borkenkäfer nicht nur im Harz ein Thema. „Mittlerweile richtet er flächendeckend auch im Flachland Sachsen-Anhalts verheerende Schäden an", so der Waldschutz-Leiter. In allen Landkreises sei der Wegfall der Fichten alarmierend. Der Borkenkäfer hatte seinen Lebensraum auch schon immer im Flachland. Er hatte sich jetzt schlichtweg extrem vermehrt, befördert durch die trockenen Sommer. „Eingeschleppt" aus dem Harz wurde er in dem Sinne nicht.