Staßfurt l Staßfurt wird grün, wilder und ökologischer. Nachdem schon im Frühjahr an der Liethe eine Blühwiese festgelegt wurde und auch in Hohenerxleben gleich mehrere solcher „wilden“ Wiesen hergestellt wurden, gibt es nun neue Pläne. Die Stadt Staßfurt plant auch auf den Friedhöfen in Förderstedt und Atzendorf Blühwiesen herzurichten.

„Wir haben auf den Friedhöfen immer mehr Freiflächen“, erklärt Michaela Dorow vom Fachdienst Stadtsanierung und Bauen. „Die Gräber werden immer weniger.“ Da kam die Anfrage von Anne-Kristin Reise, einer Studentin an der Hochschule Anhalt genau richtig. Im Zuge einer Bachelorarbeit untersucht sie Grünflächen und Gehölzbestand auf den Friedhöfen Atzendorf und Förderstedt und regt naturschutzfachliche Entwicklungs- und Maßnahmenkonzepte an. So erarbeitete sie für beide Friedhöfe Umgestaltungsvorschläge.

Blühwiesen werden von Naturschützern immer wieder als Idee in den Raum geworfen, wenn es darum geht, dem Insektensterben entgegenzuwirken. Mehr Insekten sollen dann auch den Bestand von Vögeln und anderen Wildtieren schützen.

Keine Unkrautecke

In Atzendorf ist in den ersten Planungen eine Umgestaltung der Flächen rechts neben der Kapelle vorgesehen. Direkt daneben befindet sich derzeit eine Wiese, dahinter eine Fläche, auf der früher Fichtenbestand war. Diese 2500 und 1200 Quadratmeter großen Flächen sollen zu Blühwiesen werden. In Förderstedt wurden drei verschiedene Flächen in die Planungen einbezogen. Zusammen ergeben diese 3000 Quadratmeter, in denen die Natur wild blühen soll und darf.

Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) findet die Idee gut. „Das ist eine tolle Sache. Das kann eine Bereicherung sein“, sagt er. „Es muss aber gepflegt werden und eines Friedhofs würdig sein.“ Er mahnt: „Es bedarf eines Pflegeaufwandes, den es nicht zum Nulltarif gibt. Die oberste Priorität ist, dass es ansehnlich ist. Es darf keine Unkrautecke werden.“

Rotter fragt sich auch, wie der Stadtpflegebetrieb, der personell am Limit arbeite, auf den Friedhöfen eingesetzt werden soll. „Wir müssen mit Bedacht rangehen“, so Rotter.

Bevor die Flächen hergerichtet werden, braucht es aber vorbereitende Arbeiten. So muss vorher die Grasnarbe erst zerstört und dann angewalzt werden. Danach folgt das Einsäen der Saatgutmischung. Sind die Blühwiesen erst einmal hergerichtet, erfolgt die Mahd, also das Mähen der Blühwiese. Im ersten Jahr wird eine Mahd im September empfohlen. Ab dem zweiten Jahr solle Mitte Juni und acht Wochen später im August die Mahd erfolgen.

Für die Flächen in Atzendorf und Förderstedt hat Studentin Anne-Kristin Reise bereits bestimmte Ideen bei der Ansaat. Sie schlägt zum Beispiel Wilde Möhre, Wiesen-Platterbse, Wiesen-Bocksbart oder Kleiner Wiesenknopf vor.

Zwar gibt es derzeit eine Haushaltssperre, aber im nächsten Jahr könnte die Umsetzung erfolgen. Zur Mittelfreigabe bei den beiden Erstprojekten wird dann auch der Stadtrat gefragt.

Parallel treibt die Stadt Planungen für weitere Naturwiesen in Staßfurt voran. Bei der bereits vorhandenen Blühwiese an der Liethe fehlt nur noch das Schild, das die Bürger darauf hinweist. „Das kommt spätestens in 14 Tagen“, sagt Susanne Epperlein, Fachdienstleiterin für Stadtsanierung und Bauen. „Wir sind uns mit der Künstlerin Janette Zieger telefonisch einig geworden.“ Weil die Stadt vom Schildchen in Hohenerxleben so angetan war, möchte die Stadt nun auch für den Bereich in Staßfurt an der Liethe das gleiche bunte Hinweisschildchen der bekannten Künstlerin aus Borne. „Wir sind dabei, die Genehmigung zu bekommen“, so Epperlein. Grundsätzlich spräche nichts mehr dagegen.

Weitere Blühwiesen

Blühwiesen anregen kann dabei jeder. Die Stadt Staßfurt wünscht sich solche Vorschläge ausdrücklich. So fragte Gunter Schmidt (CDU) zum Beispiel kürzlich im Ortschaftsrat Förderstedt danach, wo Blühwiesen angelegt werden dürfen und wer das festlegt. Auch hier war die Antwort der Stadt einladend: „Gern nimmt die Stadt auch Anregungen zur Prüfung entgegen, wenn Anwohner, Ortschaftsräte oder Stadträte Vorschläge zur Prüfung von zusätzlichen Flächen an die Verwaltung herantragen.“ Die Grundstückseigentümer könnten dabei selbst aktiv werden oder auch Dritte beauftragen mit der Neuanlage von Blühwiesen.

Anregungen kamen dabei zum Beispiel aus dem Ortschaftsrat Athensleben für öffentliche Flächen. „Leider sind die zum Teil zu klein oder liegen im Überschwemmungsgebiet“, erklärt Susanne Epperlein. Manche Flächen sind auch als Veranstaltungsfläche vorgesehen und fallen daher durch das Raster. „Die Verwaltung sucht aber auch selbst nach Flächen“, so Epperlein.

Konkretere Pläne gibt es dabei schon für die Heinrich-Heine-Straße. Zusammen mit der Wohnungsbaugenossenschaft zu Staßfurt (WBG) wird die Stadt dort eine gemeinsame Fläche als Blühwiese herrichten. Auf einem Garagenkomplex an der Ecke Käthe-Kollwitz-Weg soll eine gemeinsame Gestaltung der Fläche erfolgen.

Fünf weitere Flächen sollen auch in der Kernstadt ab 2020 als kleine Paradiese für Insekten vorbereitet werden. So sollen Blühwiesen entlang der Bernburger Straße, der Salzwerkstraße und der Straße „An der Liethe“ ein Einblick davon geben, was Naturschutz in Staßfurt heißen kann. Aber auch hier gilt die Devise: Stück für Stück.