Staßfurt l In Frühjahr 2019 soll in Staßfurt ein neues Naturprojekt starten, bei dem zunächst klein angefangen wird. Im Stadtgebiet sollen zwei „naturnahe Wiesen“ kaum noch gemäht werden, um einen naturbelassenen Lebensraum für Schmetterling, Biene und Co. entstehen zu lassen.

Zwei Wiesen als Start

Initiatoren sind die Fachgruppe Faunistik und Ökologie Staßfurt und die Staßfurter Stadtverwaltung. Die lose Gruppe aus Naturliebhabern und Wissenschaftlern war im Sommer mit ihrem neuen Ansinnen ans Rathaus herangetreten. „Mittlerweile haben wir uns für erst einmal zwei Wiesen im Stadtgebiet entschieden“, erklärt Dietmar Spitzenberg von der Fachgruppe Faunistik. „Es soll eine der größeren Wiesen an der Bernburger Straße, in der Nähe des Bahnübergangs, werden sowie die Fläche an der Ecke Baum-ecker Straße und An der Liethe, die wir schon im Sommer ins Auge gefasst haben“, informiert der Hecklinger.

Für beide Wiesen erarbeiten die Naturfreunde jetzt ein Konzept, das sie der Stadtverwaltung demnächst samt ihrer „Standortwahl“ übergeben werden. Denn die Umweltschützer, die das Insektensterben verringern und die Artenvielfalt bei Pflanzen fördern wollen, sind in dieser Partnerschaft für das Inhaltliche verantwortlich.

Konzept bedeutet in dem Fall, dass die Mahd zurückgefahren wird auf maximal zweimal im Jahr. Dass sie nur im Frühjahr und Spätsommer stattfindet. Dass schonend mit dem Mähbalken und nicht mit dem Rasentraktor gearbeitet und die Mahd ein, zwei Tage liegen gelassen wird. Nur der Rand der Wiese wird wegen der Verkehrssicherungspflicht regelmäßig gekürzt. „Und wir prüfen, ob man vor Ort noch andere Varianten durchführen kann“, so Dietmar Spitzenberg. Denn im Raum steht auch, dass Studenten der Hochschule Strenzfeld im Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung auf diesen Wiesen wissenschaftliche Projekte zum Artenreichtum durchführen.

Die Stadt hatte den Faunistikern eine Liste zur Verfügung gestellt, welche freien Wiesen in der Stadt in Fragen kommen. Bei einem ersten Gespräch im Sommer im Rathaus hatte man sich auf einen gemeinsamen Konsens geeinigt. „Wir als Vertreter der Stadt machten deutlich, dass wir das Projekt zum Anlegen von naturnahen Wiesen – auch besonders im Stadtgebiet – außerordentlich begrüßen“, erklärt Wolfgang Kaufmann, der als zuständiger Fachbereichsleiter mit seinen Mitarbeitern und dem Stadtpflegebetrieb dabei war. Man einigte sich auch darauf, dass die Flächen nicht im Innenstadtbereich, sondern in den Randgebieten der Kernstadt oder der Ortsteile liegen sollen.

Kommunikation wichtig

Denn: „Es wurde auch darüber diskutiert, dass derartige Grünflächen nicht von allen Staßfurter Bürgern akzeptiert würden. Dies lässt sich aus den Erfahrungen der zuständigen Mitarbeiterinnen schließen“, sagt Wolfgang Kaufmann von der Stadt. Es könnte durchaus sein, dass eine Wiese, die auf den ersten Blick verwildert wirkt, auf Unverständnis bei ordnungsliebenden Menschen stößt. Oder dass die Staßfurter daraus schließen, die Stadt würde ihre Aufgabe zur Grünpflege nicht nachkommen.

„Um genau das zu verhindern“, erklärt dazu Dietmar Spitzenberg, „ist es wichtig, dass die Menschen darüber informiert werden, was auf der Wiese passiert.“ Es müsse zum Beispiel über Hinweisschilder vor Ort kommuniziert werden, welchen Hintergrund das hohe Gras hat und dass es so „gewollt“ sei.

Auf die „sehr konstruktive“ Zusammenarbeit mit den Umweltfreunden, die jede Menge Fachwissen mitbringen, scheint man sich in der Verwaltung zu freuen. Auch auf mögliche Fördermittel der Europäischen Union, um spezielle Technik für den Stadtpflegebetrieb zu kaufen, wurde im Rathaus ein Auge geworfen.

„Los geht es natürlich erst im Frühjahr, wenn alles blüht“, so Dietmar Spitzenberg. Bis dahin wollen die Partner alle Details abgesprochen haben. Dann dürfen die Wiesen wachsen, damit Marienkäfer, Wespe und Co. einziehen können.

Nicht wenige Kommunen in Deutschland engagieren sich heute für den Erhalt der Natur, die durch steigenden Platzbedarf von Landwirtschaft, Industrie und versiegelten Flächen immer weiter zurückgedrängt wird. Der Artenrückgang bei den Insekten wird seit 1989 mit 75 Prozent angegeben.