Brumby l Es gibt nicht d i e Welt. „Die Welt wird durch unsere Sinne interpretiert, durch die Wahrnehmung mit unseren Augen und Ohren“, sagt Jürgen Kohtz. „Deshalb ist die Welt unterschiedlich, so unterschiedlich wie wir alle sind.“ Der Calbenser und Brumbyer Pfarrer eröffnet die Ausstellung in der Winterkirche von St. Petri. Werke der Künstlergruppe des Christlichen Jugenddorfwerkes Schönebeck werden dabei gezeigt.

Vielfalt in Gstaltung

Die Schau, so Jürgen Kohtz, biete mit ihren Gemälden den Blick in eine Welt, wie sie die Maler auffassen würden und mit ihrer Begabung im Spiel von Form und Farbe umsetzen. „Die Vielfalt ist dabei Gestaltungsmöglichkeit und die Bilder vermögen es, Gefühle und Emotionen bei ihren Betrachtern auszulösen.“ Liebe und Vertrauen, das Innere, mit dem nach außen auftrete, sei das verbindende Element für die Ausstellung in der Kirche, die dasselbe auch verkünde, für die Künstler, die Interessen nachgingen und sich dabei gegenseitig ermutigten, und für die Besucher, die sich neugierig auf das Betrachten einließen.

Die Künstler sind Mitarbeiter aus den Werkstätten des CJD in Staßfurt. Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen finden hier Arbeit. In Angeboten neben dem Beruf beschäftigen sie sich auch ganz individuell in verschiedenen Gruppen und kommen ihren Begabungen nach, lassen so ihrer Kreativität freien Lauf. Seit 2006 treffen sich Amateurmaler in einer dieser Gruppen. Der Schönebecker Künstler Jan Focke hat die Leitung. „Ich bin eigentlich nur der Pinselreicher“, sagt er und will seinen Anteil an den Gemälden gar nicht so groß verortet wissen. Es wird aber deutlich, worauf es ihm und allen ankommt. Die Künstlergruppe sei kein „Malzirkel“, bei dem einer den anderen zeige, wie alles richtig gemacht werde. „Diese Kursmentalität ist nicht meine Auffassung von unserer Arbeit“, so Jan Focke. „In der Künstlergruppe arbeiten alle frei und verwirklichen ihre eigenen Ideen.“ Dort, wo seine Erfahrung und sein technisches Geschick gebraucht werden, unterstütze er. Aber immer wieder, das zeige auch die Ausstellung in Brumby, werde deutlich, dass jeder seinen eigenen Stil entwickelt habe, der sich durch alle Bilder ziehe. „Darauf kommt es an.“ Aus dem großen Fundus der entstandenen Werke, könnten die Künstler auch ganz unterschiedliche Ausstellungen bestücken. Und davon gibt es viele. Die Maler werden oft angefragt, ihre Bilder auch im CJD-Laden an den Werkstätten verkauft.

Bilder

Feste Gruppe

Einmal in der Woche treffen sich die zwölf Maler. Nach einem Findungsprozess habe sich inzwischen ein fester Stamm gebildet, der dabei bleibe und für sich die richtige Möglichkeit gefunden habe, sich künstlerisch auszudrücken. Vorgegebene Themen kämen nicht vor. „Jeder arbeitet seinen Neigungen entsprechend.“ Druck gebe es nur, sagt Jan Focke schmunzelnd, wenn ein Ausstellungstermin heranrücke und man einfach fertige Bilder abliefern müsse. Ein bisschen wird das Werkstattatelier dann auch zur Lebensschule, in der Verbindlichkeit und die Selbstorganisation gehe.

In Brumby sind mehrere großformatige Acrylarbeiten zu sehen, viele Künstler finden abstrakte Zugänge zu ihren gewählten Themen. „Wir beschäftigen uns aber auch mit dem Zeichnen und mit Druckgrafiken“, berichtet Jan Focke. Zudem sei die Gruppe auch immer mal wieder unterwegs, um sich Ausstellungen anzusehen oder draußen zu malen. „Wir wollen gemeinsam ein Verständnis dafür entwickeln, was Kunst alles sein kann.“

Die Bedingungen beim CJD seien gut. „Wir sind sehr professionell ausgestattet, Farben und Verbrauchsmaterialien sind immer greifbar.“ In Zusammenarbeit mit der Werkstatt würden die Bilder nach ihrer Versiegelung auch gerahmt oder die Gruppe könne sich selbst Leinwände aufziehen, wenn es um große und ungewöhnliche Formate gehe.

Kirche offen

Die Bilder, die jetzt in Brumby zu sehen sind, leuchten, sie ziehen durch ihre Größe und durch die farbliche Gestaltung, durch echte Struktur in ihren Bann. „Wie wir die Bilder sehen, das hat auch mit uns zu tun. Mit unseren Erfahrungen und eigenen Sinnen, wie Licht und Farbe auf uns wirken“, sagt Pfarrer Jürgen Kohtz. Es sei gut, dass die Werke der Öffentlichkeit präsentiert werden und dass „viele Menschen kommen und i h r e n Blick darauf werfen.“