Hecklingen l Ein neuer Feuerwehrchef hat in der Stadt Hecklingen den Hut auf. Steffen Bruchhardt tritt in die Fußstapfen von Heinz Broda, der vorher viele Jahrzehnte leitend tätig war, sich jetzt aber zur Ruhe gesetzt hat.

Wer ist der Nachfolger? Was hat er sich vorgenommen und was möchte er mit seiner ehrenamtlichen Arbeit weiter voran bringen? Stellt man Steffen Bruchhardt diese und ähnliche Fragen, bleibt er – ähnlich wie sein Vorgänger – zunächst ruhig. Der Ton ist sachlich, aber es ist zu spüren, wie viel ihm seine neue Verantwortung bedeutet.

Herzblut

Herzblut klingt an, wenn er erzählt, was ihm wichtig ist. „Mir hängt die Arbeit in der Stadt sehr am Herzen. Ziel muss es auch weiterhin auf jeden Fall sein, den Zusammenhalt unserer vier Ortsfeuerwehren zu stärken und weiter zu entwickeln und aufzubauen.“

Die Gemeinschaft und die Kooperation zwischen den Kameraden aus Hecklingen, Groß Börnecke, Schneidlingen und Cochstedt ist das große Stichwort für den Hecklinger, berichtet er über das, was ihm wichtig ist. Hier sei es aber zugleich essentiell, den Spagat zu schaffen: Jede Ortswehr einzeln sei zu achten, im Ernstfall wiederum sei es entscheidend, dass auch im Zusammenspiel mit den anderen alles einwandfrei laufe. „Da muss jedes Rad in das andere greifen“, sagt Bruchhardt.

Er selbst ist seit 1994 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hecklingen. Er ist im Ort aufgewachsen, hat hier seine Kindheit und Jugend verbracht. Anders als viele seiner Kameraden ist er nicht über die Familie zur Feuerwehr gekommen. Er erzählt, dass er einfach so eintrat, weil er neugierig war und einen Beitrag dazu leisten konnte, anderen zu helfen, wenn nötig. Zuerst in der Jugendfeuerwehr, später dann ab 1999 als aktives Mitglied. „Es hat einfach auch Spaß gemacht“, erinnert sich Bruchhardt, der 1982 in Staßfurt geboren wurde, mittlerweile verheirateter Familienvater ist.

Familie

Auch seine Frau ist seit 13 Jahren bei der Feuerwehr aktiv. Der sechsjährige Sohn ist Mitglied in der Kinderfeuerwehr. Verständnis und Rückhalt aus der Familie seien wichtig, bestätigt der Hecklinger. Es sei gut, wenn der Partner aus eigener Erfahrung wisse, warum jemand sich engagiert.

Stichwort Zeit: Wer aktives Mitglied ist, durchläuft die normalen Ausbildungen. Wer eine leitende Funktion übernehmen möchte, lernt weiter: Gruppenführer, Zugführer, Verbandsführer. Entsprechende Befähigungen muss ein Stadtwehrleiter in der Tasche haben.

Steffen Bruchhardt erklärt seine neue Aufgabe: Er sieht sich auch als Bindeglied zwischen der Stadt und den Ortswehren, die noch einmal jede einen Ortswehrleiter haben.

Koordination

Die Worte Beschaffung und Koordination fallen, der Chef müsse die Kameraden vor Ort mit Rat und Tat unterstützen, ebenso die Stadtverwaltung. „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht auf der Stelle stehen“, spricht der neue Feuerwehrchef das Zukunftsthema an. Hier geht es ihm einerseits um das Personal, andererseits um die technischen Voraussetzungen, natürlich um Sicherheit.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Feuerwehr Hecklingen eine Kampagne ins Leben gerufen, neue Leute für den freiwilligen Dienst zu finden. Plakate wurden produziert, große Banner aufgehangen, ein Film gedreht.

Die Werbung zeigte erste Wirkungen, einige neue Leute signalisierten Interesse. „Das läuft jetzt erst an. Uns war bewusst, dass die Wirkungen nur langfristig eintreten“, so Bruchhardt.

Mitglieder

Er sagt weiter, dass es der Wehr aber nicht nur allein um die Neugewinnung von Mitgliedern gehen kann, auch das Halten der Aktiven sei sehr wichtig.

Wie kann man das schaffen? Angesichts der Tatsache, dass vor allem die jüngeren Leute nach der Ausbildung nicht selten den Wohnort wechseln und die Feuerwehr verlassen müssen.

Da habe die Wehr dann leider auch keine Handhabe, aber umso wichtiger sei es, denen die da seien, Wertschätzung entgegen zu bringen. Und hier wiederum gehe es um die Ausstattung. „Dass man mit einer entsprechenden Technik auch vernünftig seine Aufgaben bewältigen kann. Zu sehen, da ist jemand, der steht hinter mir, der hilft.“

Ausstattung

Und wie schätzt der neue Stadtwehrleiter die Ausstattung der Ortswehren zum jetzigen Zeitpunkt ein? Dazu erklärt er, dass die Aufgaben der Helfer im Laufe der Zeit immer breiter geworden sind.

Erst am Montag wieder habe eine Tür in Cochstedt geöffnet werden müssen. Dies zeigt: Das Spektrum geht über brandschutztechnische Hilfeleistungen hinaus. „Darauf muss man sich einstellen. Wir sind derzeit auf einem Stand, wo wir natürlich arbeiten können. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben, müssen heute schon an morgen denken.“

Löschfahrzeug

Wird der neue Feuerwehrchef darauf angesprochen, dass das neueste Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) während eines Einsatzes in diesem Sommer stark beschädigt wurde und derzeit nicht genutzt werden kann, informiert er, dass das HLF noch in der Werkstatt ist. Es muss repariert werden, an diesem Stand hat sich auch im Moment nichts geändert. Man habe noch umdisponiert, alle Geräte zur Hilfeleistung auf einen Bus umgelagert, die zwei vorhandenen Löschgruppenfahrzeuge stehen weiterhin bereit. „Wir sind trotz der schwierigen Umstände auf jeden Fall einsatzbereit und können alles bewältigen.“ Wann die Reparatur abgeschlossen ist, kann derzeit aber nicht gesagt werden.

Absehbar ist dagegen, was sich der neue Chef vorgenommen hat. Darauf eingehend, was ihm sonst noch wichtig ist, antwortet er: „Die Arbeit kann nur gut gelingen mit einer starken Verwaltung und einem Stadtrat, der hinter einem steht. Und ich bin sicher, dass wir das hier in Hecklingen in der Stadt haben.“ Man fühle sich als Helfer gut aufgehoben. „Ich bin sicher, dass wir viel erreichen und umsetzen können.“

Was wird das sein? Hier geht es erneut um die Ausbildung. Perspektivisch sollen ortsübergreifend Lehrgänge für die Kameraden durchgeführt werden.

Dass zum Beispiel jeder Maschinist jeder Ortswehr befähigt ist, jedes Fahrzeug der anderen Wehr zu bedienen. Hier wolle man sich 2020 Gedanken machen, wie das in Angriff genommen werden könne. „Wir haben vor, Tageslehrgänge durchzuführen“, kann Bruchhardt ankündigen.