Staßfurt l In schwierigen Zeiten braucht es Freunde. Es braucht helfende Hände. Menschen, die ihre Hilfe anbieten, trösten, Arbeit abnehmen und anpacken. Nur gut, dass Viola Obeck in Staßfurt einen Namen hat. Seit 20 Jahren schon leitet die 63-Jährige in Staßfurt „Das etwas andere Einrichtungshaus“. Und als Ende Oktober der Laden in der Gollnowstraße durch Unbekannte zur Hälfte ausbrannte, hatte die In haberin schnell Hilfe. Bis in die Abendstunden wurde gewerkelt, getüftelt und geschleppt. Und wenn es am Montag 10 Uhr schlägt, steht Viola Obeck mit einem Lächeln und voller Zuversicht in der Straße der Solidarität 3a-d und darf die Ladenneueröffnung durchführen. In Rekordzeit hat sie mit ihrem Einrichtungshaus ein neues Zuhause gefunden. Bis dahin gab es aber auch so manche durchwachte Nacht.

Feuer im Einrichtungshaus

Rückblick: In den frühen Morgenstunden am 26. Oktober brannte die rechte des Einrichtungshauses komplett aus. Kühlschränke, Stühle und Schränke waren schwarz vor Ruß und nicht mehr zu gebrauchen. Der Schaden war beträchtlich. „Am Anfang habe ich gedacht: Schluss jetzt“, sagt Obeck. Schnell war klar, dass die Räumlichkeiten in der Gollnowstraße nicht mehr zu gebrauchen waren.

Schnell war auch klar, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben würde für eine eventuelle Neuausstattung, weil die Versicherung des Vermieters bei Vandalismus nicht aufkommt. Dass die Gollnowstraße im nächsten Jahr grundhaft saniert wird und der Zugang zu ihrem Laden sowieso erschwert wäre, war der entscheidende Stein des Anstoßes, den Laden gedanklich aufzugeben. Aber schon ein paar Tage nach dem Brand hatte Obeck neuen Mut gefasst. Ganz aufgeben? Nein, das wollte sie nicht. Sie überlegte sich eine Alternative.

Sie erinnerte sich daran, dass sie vor drei Jahren bereits Kontakt zum Vermieter des Ladenkomplexes in der Straße der Solidarität hatte. Damals war die Miete noch zu hoch, der Umzug finanziell nicht stemmbar. Zwischendurch hatte aber der Vermieter gewechselt und dieser kam Obeck bei der Neuanfrage nun sehr entgegen. Schnell waren sich beide einig. „Ich hatte mir den Laden angeschaut. Da war nicht viel zu renovieren. Es musste nur sauber gemacht werden“, sagt Obeck. Die Fenster wurden noch neu gemacht. Dann begann schon der Umzug. Und dabei halfen ihr auch die insgesamt neun Mitarbeiter, die teilweise unentgeltlich Überstunden schoben und anpackten.

Neue Möbel fürs Geschäft

Die Möbel auf der linken Seite des Geschäfts in der Gollnowstraße wurden nach Staßfurt Nord gebracht. Dazu wurden zahlreiche Möbel neu angeschafft. Was kein Problem war: „Ich habe jeden Tag Angebote“, so Obeck. Und Stück für Stück wuchs also das neue Domizil. Das sogar freundlicher und heller daher kommt, als jenes in der Gollnowstraße. Die großflächigen Fensterläden lassen viel Licht herein, der große Raum am Eingang wirkt einladend. Die Verkaufsfläche, zu der auf der linken und rechten Seite auch noch kleine Nebenräume gehören, wirkt größer. Dabei ist das keine optische Täuschung. „Ich habe 200 Quadratmeter mehr“, sagt Obeck. Sie kann nun mehr stellen und verkaufen. Bei aller Tragik hat der Umzug daher also sogar etwas Gutes. Und die Miete, die sie nun mehr zahlt, spart sie durch das Lager in der Friedensstraße, das sie nun im kommenden Jahr schließen kann, wieder ein.

Aber um Gewinn geht es Viola Obeck ja auch gar nicht. Vor 20 Jahren war „Das etwas andere Einrichtungshaus“ aus einer sehr gemeinnützigen und solidarischen Idee entstanden. Aufgegebene Möbel kaufte Obeck auf und verkaufte sie für wenig Geld in ihrem Laden an Bedürftige weiter. Bald gab es neben der Stammfiliale in Staßfurt auch Niederlassungen in Bernburg und Aschersleben. Heute kümmert sich Obeck nicht nur um An- und Verkauf von Möbeln, sondern auch um Umzüge und Haushaltsauflösungen. Mit den Jahren ist aus der ersten Idee also ein multifunktionales Projekt geworden, das über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. Auch viele Kunden atmeten also auf, als sie hörten, dass Viola Obeck weiter macht. „Ein paar waren schon hier und haben gesagt, dass es hier viel schöner ist“, so Obeck.

Fast sechs Wochen hat der Umzug gedauert. Viel Fleiß und Schweiß wurde investiert. Insgesamt hat Viola Obeck einen finanziellen Schaden zwischen 10.000 und 11.000 Euro erlitten. Einnahmen gingen flöten. Ihre Angestellten bezahlte sie trotzdem weiter, obwohl der Laden geschlossen war. Dazu kamen Kosten für die Ausräumung des alten und Einräumung des neuen Ladens. „Die Reserven sind alle“, sagt Obeck. Der Vermieter in der Gollnowstraße kam ihr dabei entgegen, in dem er ein Sonderkündigungsrecht einräumte für Ende November. Wer den Brand gelegt hat, ist übrigens bis heute ungeklärt.

Neueröffnung in Rekordzeit

Seit 1. Dezember ist Obeck offiziell Mieterin in der Straße der Solidarität. Die Neueröffnung in Rekordzeit noch vor Weihnachten war Ende Oktober undenkbar. Aber manchmal geht es schneller als gedacht. Nun kann der Neuanfang beginnen. „Ich bin allen Helfern dankbar“, sagt Obeck. Sie weiß: Ohne fleißige Hilfe wäre es nicht gegangen. Auch in finanzieller Hinsicht. So verzichteten zum Beispiel Kunden auf ihre Auszahlung. Die Stadt kam ihr entgegen, indem sie vor dem neuen Laden das Be- und Entladen ermöglichte.

Ende gut, alles gut.