Hecklingen l Der Mädchenname Dagmar ist selten in der heutigen Zeit. Doch die Protagonistin des neuen Kinderbuches von Siegfried Maaß „Das Mädchen aus dem Spiegel“ heißt so, wie es passender für sie nicht sein könnte. „Dagmar, das heißt die Friedliebende, die Wertvolle oder die Berühmte.“ Diese Erklärung einer Tänzerin zu ihrem Namen freut das zehnjährige Mädchen. Denn der Kleinen ist bewusst, dass sie ihre eigene Welt erschafft. Sie lebt darin immer dann, wenn sie im Schneidersitz vor dem Spiegel sitzt und sich sieht.

Dann erzählt sie sich selbst, was sie denkt, fühlt oder wünscht. Gerade das, was ihr einfällt und manchmal führt das zu merkwürdigen Geschichten und zu Missverständnissen, denn nicht nur vor dem Spiegel hat das kleine Mädchen so viel Traumbilder im Kopf, dass Leute, die ihr begegnen nicht gleich wissen, ob sie ihr glauben sollen. Doch die Visionen eröffnen der Kleinen neue Wege, denn ihre Vorstellungskraft ist ihre ganz spezielle Begabung und die wiederum führt sie mit anderen Kindern zusammen, die gemeinsam Geschichten schrei- ben, aus Spaß wie sie selbst oder um sich auf diese Weise von ihren kleinen Nöten und Ängsten zu befreien.

Arbeit mit Schülern

Diese Handlung des neuen Buches von Siegfried Maaß ruht auch auf der langjährigen Tätigkeit des Autors mit schreibenden Schülern. Als Mitglied der Jury in Wettbewerben im Friedrich-Bödecker-Kreis hat Maaß seit langer Zeit unendlich viele von Kindern geschriebene Geschichten gelesen. In seinem neuen Buch geht es ihm daher vor allem darum, ein Kind zu charakterisieren, das voller Fantasie steckt und das Erlebte zu Geschichten werden lässt, von denen die Kleine am Ende selbst nicht weiß, ob sie wirklich passiert sind oder ob sie träumt. Zwar habe Dagmar ein intaktes Elternhaus. „Doch alles, was sie erlebt, reflektiert sie“, erklärt Maaß und dann berichtet der Schriftsteller, dass das Buch bewusst in der ersten Person aus Sicht des Mädchens geschrieben ist.

Bilder

Am Anfang wisse der Leser auch nicht, wer das Erzählende-Ich ist. Später werde schließlich klar, dass es sich um das Mädchen handele, das vor dem Spiegel sitzt. „Sie sitzt auf ihrem Teppich, den sie als ihre Insel bezeichnet und denkt nach.“ Beispielsweise darüber, fügt Maaß als Beispiel an, wie sie in einem Kettenkarussell sitzt und aus der Luft mit einer gläsernen Murmel genau in eine Blechdose trifft oder über ein Sommerferienerlebnis, worüber sie in der Schule berichten soll und aus dem am Ende eine abenteuerliche Schlittenfahrt wird.

Letztendlich beschreite Dagi damit aber ihren ganz persönlichen Weg, der sie zur Schreibwerkstatt führt. Und dies beantwortet auch die Frage, was Siegfried Maaß bewegt hat, das Buch zu schreiben. Er erzählt, dass er als Betreuer solcher Workshops für Kinder und Jugendliche über Jahre viele Erfahrungen gesammelt hat. Er erhielt Einblick in die Gedenken vieler Kinder, las, was sie bewegt, was sie fühlen und was sie denken. Für viele sei das Aufschreiben ihrer Erzählungen, so hat es sich für Maaß angefühlt, eine „Offenbarung eine Befreiung“ gewesen, meint er. Auch dieses persönliche Wissen spiegelt sich im neuen Buch wieder.

Lesungen

„Das Mädchen im Spiegel“ ist im Edition digital Verlag „Pekrul & Sohn GbR“ erschienen. Es wird außerdem in Kürze an einem Stand kleinerer Verlage auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Und Siegfried Maaß freut sich auf Lesungen.

Und zwar in der Grundschule in Hecklingen am 24. Oktober. Die Buch-Premiere wird vorher während der Landesliteraturtage am 16. Oktober in Halle in den Franckeschen Stiftungen sein.