Staßfurt l „Miteinander, Gemeinschaft, Optimums“ – so will der Oberbürgermeister der Stadt Staßfurt Sven Wagner das neue Jahr 2019 sehen. Dazu führte er einige Fakten ins Feld, die seiner Ansicht nach eine positiven Entwicklung in Staßfurt belegen, und forderte die Staßfurter auf, mit „mehr Gelassenheit, noch mehr Selbstvertrauen und einer gesunden Portion Optimismus“ durchs Leben zu gehen. Denn der Deutsche neige zu Pessimismus und schlechte Nachrichten verdrängten oft den Fakt, dass alles in Deutschland wirklich nicht so schlimm ist, sondern „eigentlich ist ziemlich viel sogar richtig gut“.

Fortschritte mache die Stadt Staßfurt laut Wagner mit den aktuell begonnenen Sanierungen vieler Schulen und Kitas, den ausgeglichenen Haushaltsplänen der letzten Jahre, dem beginnenden Breitbandausbau, den Leitbildprojekten oder mit der Belebung der Steinstraße, wo 48 von 49 nutzbaren Ladenlokalen belegt und 9 weitere noch sanierungsbedürftig seien. „Das Glas ist also fast voll und nicht halb leer.“

Baustart für Projekte

Für einige Bauprojekte in Staßfurt nannte Wagner erstmals konkrete Termine. Das neue Bibliothek- und Archivgebäude am Stadtsee soll ab Mai dieses Jahres gebaut werden. Die Wobau nimmt ihr „Haus am Stadtsee“ mit modernen Wohnungen ab 2020 in Angriff. Beim Modemarkt Kress geht Wagner davon aus, dass „die Bauarbeiten im Sommer beginnen können.“

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Ebenso appellierte der Oberbürgermeister an die Staßfurter, am 26. Mai wählen zu gehen, sich als Wahlhelfer zu engagieren oder sogar für den Stadt- oder einen Ortschaftsrat zu kandidieren.

Für 2019 legte er seinen Zuhörern ans Herz, tatkräftig und zufrieden mit dem Erreichten, mutig und beständig, respektvoll und vertrauensvoll nach vorn zu schauen.

Knigge als Gastredner

Wer den zähen Vortrag eines gestrengen Benimm-Experten erwartet hatte, wurde am Donnerstag vom Gastredner positiv überrascht. Moritz Freiherr Knigge (geboren 1968 in Hannover, Autor von Büchern über den guten Ton und indirekter Nachfahre der Familie von Adolph Freiherr Knigge) sprach frei im fast vollen Salzlandtheater, schlenderte locker-flockig über die Bühne und ließ die eine oder andere Anekdote hören.

„Wenn Sie Höflichkeit wollen, dann seien Sie selbst auch höflich“, erklärte der Benimm-Experte. Denn neun von zehn Menschen wünschten sich mehr Höflichkeit, setzten dies aber selbst nicht um. Beispiel war „Herr Müller“ aus einer Firma, die der Benimm-Experte einmal beraten hatte. Jeden Tag echauffierten sich die Mitarbeiter darüber, dass Herr Müller nicht grüße. Als der Experte aber die Mitarbeiter fragte, ob sie denn den Herrn Müller grüßen, kam als Antwort „Nein, na der grüßt ja auch nicht.“ Denn, so der Experte, viele Menschen seien der Ansicht, andere benehmen sich schlecht, seien selbst aber perfekt. „Dann müssen Sie sich aber mal an die eigene Nase fassen“, riet Moritz Freiherr Knigge. Viele Menschen fällen automatisch schlechte Urteile über andere und vermuten Schlechtes.

 

Bitte, Danke, Guten Tag

Dabei könnte es so einfach sein. Die Regeln eines guten Miteinanders sind simpel. Moritz Freiherr Knigge rät: Man grüßt und man gibt die Hand, auch wenn man Angst vor Infektionen hat. Man sagt Danke, auch zum Personal im Supermarkt oder Restaurant. Man sagt Bitte. Man lässt niemandem die Tür vor der Nase zufallen. Man steht niemandem im Weg. Man schaut dem Gesprächspartner in die Augen. „Das ist wichtig, denn Menschen streben nach Anerkennung“, sagte er. Und Frauen dürfe man trotz Emanzipation auch heute noch die Tür aufhalten und in den Mantel helfen, und andersherum dürfe das die Frau auch für den Mann tun.

Eine Ursache, warum es in Deutschland nicht so gut klappt mit der Höflichkeit, sei die Direktheit, die den Deutschen innewohne und die sie auch in der unverbindlichen Kommunikation an den Tag legten. In allen anderen Länder funktioniere es wunderbar, dass man auf die nicht ernst gemeinte Frage „Wie geht es“ ein „Dankeschön und selbst?“ erhält. Der Deutsche aber wirft ein tristes „Na muss ja“ oder „Das interessiert dich doch gar nicht“ hin. Auch bei anderen Themen sei Ehrlichkeit im öffentlichen und beruflichen Kontakt ein „sehr dünnes Eis“, bei dem man vorsichtig sein sollte.

Mehr Komplimente

„Deutschland ist eine regelrechte Komplimentenwüste“, stellte Moritz Freiheit Knigge fest. Während in Amerika selbst die Servicekraft Komplimente mache, suche man in Deutschland vergebens danach. Ob wahr oder nicht, Komplimente bauen das Gegenüber auf. „Und Komplimente sollte man auch annehmen können und nicht abwiegeln.“ Denn auch ein Lob lehnt der Deutsche oft ab mit den Worten „Na, dafür werde ich doch bezahlt“.

Wer eine geballte Wucht Unfreundlichkeit abbekomme, sollte sich diese auf keinen Fall annehmen, riet der Gastredner. Statt sich hineinzusteigern, wie in das Verhalten des Herrn Müller, sollte man zu sich selbst sagen „Das ist es nicht wert, sich darüber aufzuregen.“ Ebenso bei zwischenmenschlichen Beziehungen: Lieber sachliche Hinweise geben, als Vorhaltungen machen und aggressiv reagieren. Wer Missmut erfährt, auf den überträgt sich die schlechte Laune schnell und der nimmt sie gleich zum nächsten Menschen mit, dem er über den Weg läuft. Daher rät Knigge: Die eigenen Emotionen mal wegstecken und dem Gegenüber stattdessen einen schönen Moment des Miteinanders schenken.