Förderstedt l Ein bisschen stolz zeigt Jörg Treue den Technikraum. „Werken hieß das früher", sagt der Lehrer. Auf einer Werkbank liegt eine Leuchtstofflampe, die zur Hälfte durchsichtig ist. Auf mindestens 60 Jahre schätzt er ihr Alter. Ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten und einmalig in Sachsen-Anhalt, sagt Treue. Als der Lehrer den Strom anlegt, sieht man das Gas blau leuchten. So kann der Vorgang optimal erklärt werden, erzählt der Technik- und Wirtschaft-Lehrer. Auch das Modell eines 3-Zylinder-2-Takt-Motors, originale Fahrzeugtechnik, hat er vor dem Aus bewahrt. „Das hilft uns, die Dinge anschaulich zu erklären", sagt Treue. Das Alter ist zweitrangig.

Denn darum geht es doch in der Schule, den Schülern etwas beibringen. Und damit die Schülerzahl der Sekundarschule in Förderstedt auch weiterhin konstant bleibt – in etwa um die 200 Schüler pro Jahr – wurde am Donnerstag ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Erstmalig im Dezember, wie Schulleiterin Simone Melle erzählt. Der eigentliche Termin im Januar sei immer mit den Veranstaltungen der Gymnasien kollidiert. Die ersten Auswirkungen auf die Terminänderung zeigten sich: Viele Besucher strömten durch das Gebäude.

Sozialkompetenz

Auch im Klassenraum von Anne-Marie Naumann machten die Besucher Halt. Die junge Lehrerin im 2. Dienstjahr erklärte ein neues Unterrichtskonzept, das seit wenigen Monaten bei den Fünftklässlern erprobt wird – „Freies Lernen". Dabei geht es um Gruppenarbeit, in der die Schüler das gemeinsame, aber auch selbstständige Arbeiten lernen sollen. Die Lehrer bereiten die Projekte und konkrete Aufgaben vor, die die Schüler dann selbstständig in der Gruppe bearbeiten. Mithilfe eines Ampelsystems, können die Schüler ihren Fortschritt angeben. „Wir helfen nur, wenn es wirklich nötig ist", so Naumann. Das Konzept funktioniert Fächerübergreifend, wird in Deutsch und Biologie angewandt und soll Sozialkompetenz fördern. „Die Schüler lernen, dass etwas im einem Fach auch für ein anderes gut sein kann", ergänzt Biologie- und Chemie-Lehrerin Ines Hirsch-Golinski. Gemeinsam mit ihrer Kollegin will sie zukünftig an Weiterbildungsseminaren dazu teilnehmen. „Der Vorbereitungsaufwand ist hoch, aber es lohnt sich", so Naumann.

Die Schulsozialarbeiterin Ann-Kathrin Werner lud kreative Besucher währenddessen in die Bastelstraße ein. „Die kreative Arbeitsgemeinschaft trifft sich einmal wöchentlich und wird sehr gut genutzt", erklärt sie. Für sportliche Betätigungen können Schüler sich in der Tanz-AG auspowern. Die Mädels boten in der Aula eine kleine Kostprobe ihres Könnens beim Zumba. Außerdem sorgte der schuleigene Chor am Donnerstag für weihnachtliche Klänge im Gebäude. Selbstgebackenes, Selbstgehäkeltes und Selbstgestricktes gab es passend dazu am Stand der Eltern einiger Siebtklässer. Höhepunkt: die selbstgemachte Glühwein-Marmelade.

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Weitere Infos unter www.sks-foerderstedt.bildung-lsa.de