Hier gibt es fahrende Schmuckstücke zu sehen

Oldtimer aus den 1920er und 1930er Jahren, ein London-Taxi Baujahr 1951 als Hochzeitsfahrzeug, ein Delorean DMS 12, bekannt aus den Filmen „Zurück in die Zukunft“ ... Da geht Oldtimer-Freunden das Herz auf. Sie kommen heute und morgen voll auf ihre Kosten. Bei der Stadtwerke-Rallye, die am Sonnabend durch den Salzlandkreis führt, sind noch viel mehr Schmuckstücke zu sehen. Gut 70 Anmeldungen liegen vor.

Unter dem Motto „Oldtimer trifft Denkmal“ laden Eventleiter Helmut Marx aus Barby, der Förderverein des Salzlandmuseums in Schönebeck und Oldtimer-Freunde der Region ein.

Wer die nostalgischen Fahrzeuge nicht nur vorbeifahren sehen, sondern aus der Nähe betrachten möchte, hat dazu mehrmals Gelegenheit. So erfolgt am heutigen Freitag ab 15.30 Uhr im Salzlandmuseum die Ausgabe der Unterlagen zur Tour. Die Fahrer parken ihre Oldtimer auf dem Marktplatz Bad Salzelmen. Bis etwa 17.30 Uhr. Wer Interesse hat, kann vorbeikommen und schauen, staunen und mit den Besitzern ins Gespräch kommen. Im Museum wird es für die Gäste zeitlich versetzt zwei Vorträge zum Ringheiligtum Pömmelte geben – als Vorgeschmack auf den Tourtag.

Die Rallye startet am morgigen Sonnabend im Kurpark Bad Salzelmen (8.45 Uhr) und führt über Calbe nach Bernburg zum Karlsplatz (9.30 Uhr). Die Oldtimer stehen dort zum Anschauen, während die Fahrer frühstücken. Anschließend geht es zum Schloss Plötzkau, dann weiter über Güsten nach Aschersleben zum Eisenbahn Club, Magdeburger Chaussee 2 (11.45 Uhr). Dort sind die Oldtimer und die Eisenbahnfahrzeuge bei freiem Eintritt zu bestaunen – die Fahrer legen eine Mittagspause ein. Weiter geht es über Hecklingen (Basilika, 13.30 Uhr) und Staßfurt zum Ringheiligtum Pömmelte. Hier sind die rollenden Schätze auf dem Gelände des Fliegerclubs Schönebeck in Zackmünde zu besichtigen (ab 15 Uhr). Auch das Modellflugzeugmuseum kann angeschaut werden. Die Teilnehmer erfahren von Museumsmitarbeitern alles über das Ringheiligtum und die Ausgrabungen.(hl)

Teilnehmerliste unter www.stadtwerke-schoenebeck.de

Atzendorf l Es bubbert auf dem riesigem Gut in Atzendorf, das Tor steht offen, gut hörbar geht der erste Gang ins Getriebe, dann setzt sich der schwarze Schatz, der schon 85 Jahre auf dem gepflegten Buckel hat, in Bewegung. Der erste Meter geht ins Land, der zweite, nach weiteren fünf Metern steht der Opel 1.3 Modell 1397 Baujahr 1934 in ganzer Pracht im Hof. Benzingeruch macht sich in den Nasen breit. Das Herz geht auf!

Werner Schöne steigt aus, streicht über das Kunststoffdach. „Na, also die Scheibe muss ich nochmal putzen. Aber sonst sieht er gut aus.“ Recht hat er. Am Wochenende nimmt der Staßfurter Oldtimer-Freund an der Stadtwerke-Rallye teil, die einmal quer durch den Salzlandkreis geht. Schöne nimmt zum ersten Mal an dieser Oldtimer-Rallye teil, ist aber sonst bekannt wie ein bunter Hund. An sechs bis sieben Rallyes nimmt der 75-Jährige im Jahr teil. Und die gehen dann bis nach Einbeck oder Bad Pyrmont.

Angefangen hat diese Liebe zum Auto bei Werner Schöne schon in der Kindheit. „Ich habe schon immer Benzin im Blut“, sagt er. Als kleiner Werner wollte er schon KFZ-Schlosser werden und auch Oldtimer fand er schon immer gut. Klick gemacht hat‘s bei den Besuchen auf dem Sachsenring. „Da gab es immer Schaufahrten mit 10 bis 15 Oldtimern. Da hatte ich den Ehrgeiz entwickelt, einmal mit dabei zu sein. Das habe ich nicht geschafft, weil es das nicht mehr gibt.“ Aber die Liebe war entflammt.

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Ohne Scheiben und Dach bei -15 Grad abgeholt

Nachdem die Schönes 1977 ihr Haus gekauft hatten und die finanziellen Mittel freier verfügbar waren, wurde die Idee, einen Oldtimer zu kaufen, immer größer. Zuerst kaufte er ein Motorrad, fuhr mit diesem Rallyes und DDR-Meisterschaften. Auch seiner Frau zuliebe erweiterte er dann sein Portfolio. „Meine Frau hatte zwar auch Interesse, aber Angst vor Motorrädern“, sagt Werner Schöne. Er legte sich ein Tempodreirad zu und im Januar 1989 dann seinen ersten Oldtimer, seinen geliebten Opel.

Zu diesem ist er fast ein bisschen zufällig gekommen. Ein Cabrio sollte es sein, das war immer klar. Dass es dann ein Opel wurde, hatte mit der Liebe auf den ersten Blick in Leipzig zu tun. Dort entdeckte Werner Schöne acht bis zehn Oldtimer und dieser Opel fiel ihm sofort ins Auge. „Der hatte keine Scheiben, kein Dach, keine Sitze, war Schrott. Aber ich war vernarrt“, erzählt Schöne. Für 7000 DDR-Mark konnte er ihn haben. Er schlug zu, ohne zu verhandeln. „Das war viel zu überteuert“, sagt er heute. Und doch rückte er acht Tage später erneut in Leipzig ein und nahm den Opel mit. Zusammen mit seinem Bruder schleppte er diesen nach Staßfurt. „Es waren -15 Grad. Mein Bruder hat hinten gelenkt und hat gezittert vor Kälte.“ Weil der eiskalte Wind durch die offene Karosserie zog. „In Halle haben wir dann gewechselt. Und zu Hause hat meine Mutter dann die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und gesagt: ‚Ach, mein Jung!‘“ Aber gekauft ist gekauft.

Seine Frau Hannelore nennt Werner Schöne liebevoll Co-Pilotin. Sie liebt den Opel fast genauso sehr wie ihr Mann. „Das ist wichtig, dass sie voll dabei ist. Ohne Einverständnis meiner Frau geht es nicht. Schließlich verduddelt man viel Zeit, steckt auch finanziell viel herein“, so Schöne.

24 PS und nicht mehr als 65 Stundenkilometer

Einst führte er Liste über die Ausgaben. Das hat er aufgegeben. Weil das auch nicht zielführend ist. Liebe lässt sich nicht in Zeit und Geld messen. Zwölf Jahre lang bastelte und schraubte Schöne an seinem Opel herum. Zwischendurch warf ihn das große Hochwasser von 1994 zurück, als das Wasser einen Meter hoch im Opel stand, da musste er wieder von vorn anfangen. „Die Teile habe ich oft von Basaren bekommen“, sagt er. Stück für Stück brachte er den Liebling, der wohl 20 Jahre herumgestanden hatte, auf Vordermann.

2001 hat er ihn dann zugelassen. 24 PS hat der Opel mit den knuffig schmalen Sitzen. 1397 beim Modell-Namen steht dabei dafür, dass das Fahrzeug 1300 Kubikzentimer Hubraum hat und einen Radabstand von 97 Zoll. Vier Gänge bringen das Gefährt auf eine maximale Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometer. „Aber ich fahre nicht schneller als 60 bis 65 Stundenkilometer. Man will ja auch gesehen werden“, sagt Schöne und lacht dabei schallend. Nachdem der Opel einst also 7000 DDR-Mark gekostet hat, schätzt Schöne den Wert im Jahr 2019 auf 20-25.000 Euro.

Der Oldtimer ist ein zuweilen teures Hobby. Natürlich hat er über die Jahre Unmengen in den Aufbau gesteckt, mittlerweile läuft der Opel aber. „Ich fahre vielleicht 1000 Kilometer im Jahr, habe also kaum Verschleiß“, so Schöne. Im Frühjahr gibt es den Ölwechsel. Aber wenn Hannelore und Werner Schöne auf Rallyes sind, schlägt das an einem Wochenende mit Startgebühr und Übernachtungen schon mal mit einem mittleren dreistelligen Betrag zu Buche.

Bei der Rallye am Wochenende wird Werner Schöne mit seinem Opel eines der ältesten Fahrzeuge stellen. Was auch daran liegt, dass ein Großteil der Liebhaber Autos aus den 1950er und 1960er Jahren fährt. „Der Trend geht zu Classic“, sagt Schöne. „Man sieht immer wieder Mercedes und Porsche.“

Schöne selbst begnügt sich mit dem Opel und dem Wartburg 1.3 Baujahr 1989, den er noch zusätzlich hat. Den hat er vor 15 Jahren gekauft. Der steht aufgebockt im Atzendorfer Gut. Gut, dass er das Gut hat. Hier ist Platz. Für noch mehr Autos? Wohl kaum. Liebe sollte man nicht aufteilen. Konzentrierte Zuneigung führt aber dazu, dass Werner Schöne einen tadellosen Opel hat. Zeit wird‘s, dass er diesen auch bei der Stadtwerkerallye herumzeigt.