Schneidlingen l Schon 2018 zeichnete sich für das kleine Schneidlingen eine große kommunalpolitische Veränderung ab. In einem Interview hatte Ingrid Engelmann (FDP) – sie ist seit 26 Jahren Bürgermeisterin und Ortsbürgermeisterin – gesagt, dass sie darüber nachdenkt, anderen den Weg frei zu machen. Irgendwann seien auch einmal die Jüngeren dran, meinte sie damals sinngemäß. Dieses „Irgendwann“ ist jetzt eingetreten.

Besucher der ersten Sitzung des Ortschaftsrates in Schneidlingen, der öffentlich getagt hat, konnten miterleben, wie der Staffelstab an den 37-Jährigen Martin Zimmermann (FDP) übergeben wurde.

Die Wahl

Der Ortschaftsrat wählte ihn mit eindeutiger Mehrheit. Zimmermann sagte danach, dass man sich innerhalb der Fraktion im Vorfeld besprochen habe, ihn ins Rennen zu schicken. Da stehe ja immer die Frage im Raum, wer will es machen und da habe er sich gemeldet. Ingrid Engelmann habe sich gefreut, dass sich jemand gefunden hat, der jung und dazu bereit ist. Das sei in früheren Jahren nicht der Fall gewesen. „Sicher, ich verfüge nicht über die Erfahrung, aber man wächst mit seinen Aufgaben und wir sind mit dem Slogan angetreten: Jung und Alt Zukunft gestalten“, sagte Zimmermann, der studiert hat, Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ist und in seiner Freizeit als Fußballtrainer beim SV Cochstedt auf dem Platz steht.

„Mit Martin Zimmermann haben wir eine gute Kraft. Wir unterstützen ihn, wo wir nur können“, sagte Ingrid Engelmann nach der Wahl. Ingo Peter Walde äußerte als einziger vorsichtig Bedenken. Zimmermanns Einstieg in die Kommunalpolitik sei ein Start „von null auf hundert“, meinte Walde, der mit seinem neuen Bürger Bündnis Hecklingen (BBH) zur Kommunalwahl angetreten war und 106 Stimmen bei der Ortschaftsratswahl erhielt. Sein Mitstreiter Mario Zimmermann (BBH) wurde mit 86 Stimmen gewählt. Er wird auch weiterhin stellvertretender Ortsbürgermeister bleiben. Das legte der neue Ortschaftsrat während seiner Zusammenkunft einstimmig fest. Neben Ingrid Engelmann, die Ende Mai mit 161 Stimmen in den Ortschaftsrat einzog, arbeitet Mario Schwarz (FDP) in dem Gremium mit. Für ihn votierten die meisten Bürger (177 Stimmen).

Damit scheiden Joachim Braun (FDP) und Gabriele Kiesche (WGH) aus der Runde aus. Martin Zimmermann arbeitet auch im Stadtrat in Hecklingen mit. Ingrid Engelmann wurde hier nicht wieder gewählt.

Die Ziele

Dass mit dem neuen Ortsbürgermeister möglicherweise ein frischer Wind wehen wird, deutete die erste konstituierende Beratung schon an. Meckereien und Ärger kamen gar nicht zur Sprache, dafür wurden Ziele sowie dafür mögliche Wege, die bereits geebnet werden, geschildert.

Zimmermann dankte den Anwesenden für das entgegengebrachte Vertrauen und kam gleich zur Sache. Er hinterfragte bei der Stadtverwaltung, welche Möglichkeiten bestehen, den Park hinter der Wasserburg wieder attraktiver zu machen, indem man beispielsweise Wildblumenwiesen anlegt und den grünen Wildwuchs in einer privaten Initiative eindämmt. Außerdem sprach er ein großes Vorhaben an.

Hier geht es um einen Verein „Hecklingen gemeinsam Zukunft gestalten“, der in den Startlöchern der Gründung steht und das Ziel haben soll, sich um Fördermittel für „Diverses“ zu kümmern. Ein erstes wichtiges Vorhaben, dass sich die Initiatoren um Martin Zimmermann auf die Fahne geschrieben haben, ist die Umgestaltung des alten Schneidlinger Schwimmbades, das seit vielen Jahren leer steht und nur vereinzelt von einem Bogensportverein zum Training genutzt wird, aber viel Potenzial birgt. Das zeigen vorliegende Pläne zur Nutzung als Kletter-, Spiel- und Sportpark. „Das Schwimmbad wird das erste große Pilotprojekt sein“, kündigte Zimmermann an. „Das, was wir vorhaben, gibt es in der Region so noch nicht“, sagte er.