Neundorf l Tempo 30 wird für die Ortsdurchfahrt in Neundorf abgelehnt, teilt die Straßenverkehrsverwaltung des Salzlandkreises mit. Nachdem der Wunsch des Ortschaftsrates mehrfach geprüft wurde, sei in einem ersten Abwägungsprozess die Entscheidung gegen ein Tempolimit gefallen.

Frank Rögner (SPD), der die Idee in den Ortschaftsrat Neundorf brachte und seit einem Jahr dazu bei den Behörden nachfragt, ist enttäuscht, „gerade auch im Hinblick auf keine angebotene oder dargestellte alternative Lösung“, sagt er.

Schlechte Straße

Denn seiner Meinung nach müssten Anwohner der Hauptstraße vor dem erschütternden Lärm besonders der Lkw geschützt werden. Zum schlechten Straßenzustand der L72 kommt der Fakt, dass die Landstraße so eng zwischen den Häusern verläuft, dass der Schwerlastverkehr eine Gefahr für Bürger werden könnte.

Die Entscheidung der Straßenverkehrsbehörde: „Der Salzlandkreis kann das Ansinnen des Stadtrates Herrn Rögner natürlich nachvollziehen“, erklärt Salzlandkreis-Sprecher Marko Jeschor. „Tempo 30 ist generell auf der gesamten Ortsdurchfahrt im Zuge der L 72 allerdings abzulehnen.“

Der Salzlandkreis hatte, bevor er so entschieden hat, abgewägt zwischen zwei Seiten. „In die Entscheidung einbezogen wurde nicht nur die Schutzbedürftigkeit der Anwohner. Betrachtet werden müssen auch die Interessen der Verkehrsteilnehmer, die sich mit der L 72 eben auf einer Landesstraße befinden, die eine entsprechende Bedeutung hat – in dem Fall als Zubringer für Verkehr aus der Einheitsgemeinde Stadt Staßfurt zur Anschlussstelle Güsten der A36 und umgekehrt“, so Jeschor.

Kein Unfallschwerpunkt

Auch weil die Polizei keinen Unfallschwerpunkt in ihrer Unfallstatistik an der L72 in Neundorf ausmachen konnte, sei die Entscheidung gegen das Tempolimit ausgefallen.

Seit Sommer 2018 hat es dazu etliche Abstimmungen und Gespräche bei den Behörden gegeben. Die Polizei wurde zu Rate gezogen. Frank Rögner hatte eine erste Absage im Juli 2018 zu seinem Tempo 30-Vorschlag erhalten. Daraufhin bat er den Salzlandkreis, noch einmal zu prüfen und begründete die Sache mit einer übermäßig großen Lärmbelästigung für die Anwohner der Straße.

Es folgten eine Verkehrszählung und eine Lärmberechnung. „Die Ergebnisse zeigen Lärmwerte, die teilweise deutlich unter den Richtwerten der Lärmschutz-Richtlinien-Straßenverkehr liegen“, erklärt Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt, das in Sachen Lärmschutz zuständig ist. „An einigen wenigen Stellen, insgesamt sechs, werden die Richtwerte nur geringfügig überschritten.“

Lärmberechnungen

Dazu haben die Landesbehörden im August 2018 eine Schallberechnung für die Neundorfer Hauptstraße durchgeführt. Die Verkehrsdaten, die dafür verwendet wurden, stammten aus einer Straßenverkehrszählung von 2015 und gelten noch als aktuell. Die Berechnung am Computer soll auch den schlechten Zustand der Straße berücksichtigt haben.

Die Zahlen von 2015 seien noch aktuell, weil die Landesbehörden davon ausgehen, dass die Verkehrszahlen auf der L 72 „nicht exorbitant“ angestiegen sind. 2015 hatte man registriert: 4676 Fahrzeuge pro Tag, davon 308 Mal schwerer Verkehr (2010: 4806 Fahrzeuge, davon 277 schwerer Verkehr, 2005: 4513 Fahrzeuge, davon 355 schwerer Verkehr).

Auch das Landesverwaltungsamt meint: Da der Verkehr in Neundorf kaum zu laut sein kann, müsse man zwei Seiten gegenüberstellen – die „Vorteile einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf Seiten der Anwohner gegen die Nachteile durch die Nutzungseinschränkung des Straßenverkehrs“, so die Sprecherin. Denn um den Verkehr auf einer so wichtigen Durchgangsstraße mit einem Tempolimit einzuschränken, müssen die Gründe dafür schwerwiegend sein.

Auf die Absage für Tempo 30 in Neundorf reagiert Ortsbürgermeister Klaus Maaß (SPD) zwiegespalten: „Es sind ja nun viele Versuche gestartet worden, Tempo 30 zu installieren und jedes mal sind sie abgelehnt worden. Das kann man nicht einem weinenden und einem lachenden Auge sehen.“ Denn viele Neundorfer würden keine 30 auf der Ortsdurchfahrt wollen, andere wiederum seien dafür. Ein Tempolimit für Lkw in der Nacht wäre seiner Meinung nach eine Option gewesen.

Klaus Maaß: „Man muss leider auch realistisch sagen: Wie viel Prozent der Fahrer würden sich an Tempo 30 halten, wenn es nicht ständig kontrolliert und geblitzt werden würde?“ Allerdings sei es zu teuer, mitten im Ort einen Blitzer zu installieren.

„Wir müssen bei der Sache weiter nach einer Lösung suchen“, macht Frank Rögner deutlich. Er werde das Thema dem neuen Ortschaftsrat Neundorf, der sich zum ersten Mal Anfang Juli trifft, vorstellen.

„Mal sehen, wie sich der neue Ortschaftsrat dazu positioniert“, sagt auch Klaus Maaß. „Vielleicht wird dann doch noch ein Versuch gestartet.“