Brumby l Die persönliche Betroffenheit ist groß, wenn ein Unfall den eigenen Bekanntenkreis trifft. „Am 2. Januar war dort der Vater einer Bekannten von mir schwer verunglückt“, schreibt ein Online-Leser aus Bayern der Volksstimme. Damals war ein älterer Mann von Brumby aus auf die Kreuzung gefahren. Einen Kleintransporter auf der Ortsumgehung hatte er offenbar zu spät gesehen.

„Auch wir sind der Meinung, dass die Beschilderung der Kreuzung fehlerhaft war“, schreibt unser Leser. Schilder sollten relativ früh auf die Kreuzung hinweisen und dort seien Stoppschilder notwendig.

Der Polizei macht die neue Kreuzung an der Ortsumgehung Brumby Sorgen. Und das immer noch. Denn schon seit der Freigabe der neuen Ortsumgehung im Oktober bis zum Jahreswechsel hatte es dort vier Unfälle mit sieben Schwerverletzten gegeben.

Neue Schilder

Reagiert haben die Behörden zum ersten Mal im Januar, in dem die Schilder „Achtung Vorfahrt“ direkt an der Kreuzung auf der Verkehrsinsel aufgestellt wurden. Fahrer, die aus Brumby oder Neugattersleben kommen, sollen so noch einmal deutlich aufs Halten hingewiesen werden.

Das hilft offenbar wenig. Denn immer noch ist die Unfallstatistik an dieser Stelle alarmierend: Im jungen Jahr 2019 haben sich schon wieder drei Unfälle an der Kreuzung ereignet, berichtet Kommissar Klaus Peter Schneider (siehe grüner Kasten). Darunter wieder ein Schwerverletzter. „Alle Unfälle sind auf Vorfahrtsfehler zurückzuführen“, erklärt der Polizist.

Weil ein sogenannter Unfallschwerpunkt vier Unfälle pro Jahr aufweist, wird man bei den drei in 2019 bei der Polizei wieder hellhörig. „Wir haben die Stelle auf dem Tableau“, sagt Kommissar Schneider.

Auch die sogenannte „Verkehrsunfallkommission“ vom Salzlandkreis hat die Kreuzung in der letzten Woche noch einmal besprochen. In der Gruppe analysieren Polizei, Landesstraßenbaubehörde und Straßenverkehrsbehörde des Salzlandkreises Unfallschwerpunkte und setzen dann Maßnahmen um.

Rüttelstreifen?

Vor der Brumbyer Kreuzung soll nun noch ein Zusatzzeichen aufgestellt werden, dass auf die Kreuzung „in 100 Metern“ aufmerksam macht. „Wir überlegen auch, ob wir eventuell Rüttelstreifen auf die Fahrbahn aufbringen, das wird zur Zeit noch beraten“, erklärt Kommissar Schneider.

Die Strategie der Behörden ist es hier offenbar, die Autofahrer, die auf die Kreuzung zukommen, noch deutlicher auf die Vorfahrt der Autofahrer auf der Ortsumgehung aufmerksam zu machen.

Eine andere Idee ist es, die Autofahrer auf der Ortsumgehung im Tempo zu bremsen. So fordert der Staßfurter Stadtrat Matthias Büttner (UWG Salzland/AfD): „Die bisherigen Maßnahmen der Verkehrsbehörde sind nicht ausreichend, um die neu geschaffene Gefahrenlage unter Kontrolle zu bekommen. Zur Entschärfung der Unfallsituation wäre ein Kreisverkehr oder eine Ampelregelung angemessen.“

Thema im Landtag

Da Büttner im Landtag Sachsen-Anhalts auch verkehrspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion ist, will er den vermeintlichen Unfallschwerpunkt Brumby zum Thema des Landtags-Ausschusses für Landesentwicklung und Verkehr machen, der Ende Mai das nächste Mal tagt. Da an der Brumbyer Kreuzung Lebensgefahr bestünde, so Büttner, könne man nicht länger warten, bis sich die Behörden zu weiteren Maßnahmen durchringen können.

Peter Maier sagt zu den neuen Schildern, die die Polizei aufstellen lassen hat: „Das bringt doch nichts.“ Der Ortspolitiker (Die Linke/offene Liste) aus Brumby macht schon lange darauf aufmerksam, dass die Kreuzung ein Problem ist. „Mir haben einige Menschen im Ort erzählt, dass sie gerade so einem Zusammenstoß entkommen sind.“

Seiner Ansicht nach wäre es das Beste, die Kreuzung in einen Kreisverkehr zu verwandeln, der Platz dafür wäre vorhanden. Dieser reguliert das Tempo aller, man müsse aber nicht warten wie an einer Ampel. „Fährt man aus Brumby an die Kreuzung heran, ist durch den Hügel schwer einsehbar, ob jemand aus Richtung Calbe kommt“, sagt er. „Und dann schießen manche Autofahrer auch noch mit 140 Sachen da lang.“