Hohenerxleben l Die Nachrichten zur Sanierung des Parks Hohenerxleben werden immer schlechter: Seit 2015 will die Stadt Staßfurt dort einen richtigen Radweg einbauen und das verwilderte Areal so umgestalten, dass ein Ort allà Wörlitzer Park entsteht. Bis jetzt zog sich da Vorhaben hin, weil sich die Forstbehörde und die Denkmalschutzbehörde uneinig waren, ob der Park ein Park oder ein Wald ist.

Wildwuchs darf nicht raus

Jetzt stellt sich heraus: Der Wildwuchs im Park darf nicht entfernt werden. Die Naturschutzbehörde gibt der Stadt keine Genehmigung. „Wir hatten den Antrag für unsere Arbeiten im Park im Januar eingereicht und im März erste Genehmigungen erhalten“, erklärt Stadtplaner Günther Roddewig. „Im Juli haben wir die restlichen Stellungnahmen bekommen, wo es heißt, unser Konzept ist nicht genehmigungsfähig. Unsere Pläne seien in einem Wald oder Biotop nicht durchführbar.“

Zwar darf die Stadt den R1 als befestigen Radweg mit Belag einbauen. Sie darf auch den Teich sanieren und weitere Wege anlegen. Aber das macht alles keinen Sinn, wenn das Gestrüpp im Park nicht weggenommen wird. Erstens komme man mit schweren Maschinen kaum durch das Gestrüpp, meint Günther Roddewig. Und zweitens könne man den Radweg nicht neu bauen und ihn dann später für die Abholzungen von schwerem Gerät wieder zerfahren lassen.

Niemand weiß, wie es weitergeht

„Im Moment können wir also gar nichts machen“, sagt Roddewig. Hintergrund ist: Die Naturschutzbehörde und die Forstbehörde sehen den Park wegen des großen Baumbestandes als Wald an. Danach dürfen dort keine Pflanzen herausgenommen werden. Die Denkmalschutzbehörde wiederum sieht den Park als Kulturdenkmal an und befürwortet, dass er wieder in den Originalzustand von 1900 versetzt wird mit lichten Alleen, Sichtachsen und mehr.

„Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, so Roddewig. „Im September gibt es den nächsten Termin mit den beteiligten Behörden. Wir müssen irgendwie einen Weg finden.“

Rathaus wendet sich an Land

Ärgerlich ist das allemal: Die Stadt hat ein Konzept zur Neugestaltung des Parks entwerfen lassen, alle Bäume wurden erfasst. Es würde 1,1 Millionen Euro Fördermittel vom Land für die Arbeiten geben und die Stadt müsste nicht einmal zuzahlen. „Bis 2021 haben wir die Genehmigung“, so Roddewig. Das Entfernen von Gestrüpp ist immer nur von Herbst bis Frühjahr möglich. „Sollte jetzt noch ein Winter verstreichen, ohne dass etwas passiert, sehe ich wirklich schwarz.“

Das Problem laut Stadtplaner ist: „Jede Behörde handelt nach den Gesetzen ihres Fachbereichs. Diese widersprechen oder heben sich zum Teil gegenseitig auf.“ Die Stadt Staßfurt hat sich mittlerweile an die Landesregierung gewandt, weil das Problem in ganz Sachsen-Anhalt Projekte wie das in Hohenerxleben verhindert. In anderen Bundesländern gibt es einen Erlass, der Klarheit schafft.

Stadträte schütteln Kopf

Dass man im Park Hohenerxleben nicht weiterkommt, führte zu Kritik der Stadträte im Bauausschuss. Leerstehende Ruinen verschandeln allerorts das Stadtbild, schimpfte Johann Hauser (FDP): „Es gibt gigantische Denkmallisten. Das stellt ein Riesenproblem in Sachsen-Anhalt dar und niemand ändert es.“

Matthias Büttner (AfD) sagte: „Wir haben im Landtag einen Antrag gestellt, das Problem vom Gesetzgeber her zu lösen. Es führte kein Weg hinein. Das ist eine Katastrophe für das ganze Bundesland.“ Hans-Jürgen Lärz (CDU) pflichtete ihm bei: „Der Bürokratismus verhindert alles.“

Radweg dringend gebraucht

Siegfried Klein (CDU) erklärte: „Seit 1974 kenne ich den Park und schon damals sah er so verkommen aus wie jetzt. Wir reden jahrelang über eine Sanierung und zählen Bäume, aber der Zustand wird immer schlechter. Für uns wäre es wichtig, endlich einen ordentlichen Radweg zu haben und zu wissen, ob unser Projekt nun weitergeht oder nicht.“

Ullrich Leubeling (SPD/Grüne) stimmte nicht mit der Stadt überein: „Sind die geplanten Sichtachsen im Park wirklich notwendig für einen Wanderer, der da mal lang kommt? Warum belassen wir den Park nicht als Wald? Es reicht doch, den Radweg herzustellen und ein paar Bänke und Papierkörbe aufzustellen.“

Parksanierung ist keine Rodung

Die Stadtverwaltung musste hierzu nochmal aufklären: Die Naturschutzbehörde verbietet Eingriffe in den Park, weil sie den Baumbestand schützen will. „Wir haben aber Fördermittel für den Erhalt des Kulturdenkmals Park bekommen“, betont Anke Michaelis-Knakowski von der Stadtverwaltung. „Wir haben dort zwar viel Wildwuchs, aber es ist kein Wald, den die Forstbehörde als Wald bewirtschaftet.“

Vorgesehen ist es, das viele Gestrüpp im Park zu entfernen – Sträucher, unzählige kleine Ahornbäume und Pflanzen rund um die großen Eichen. Für alles, was im Park gefällt oder entfernt wird, müssen Ersatzpflanzungen her. Verluste in der Naturbilanz müssen immer ausgeglichen werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Eine Parksanierung ist also keine bloße Abholzung ohne „Gegenleistung“ und Ersatz.

Günther Roddewig von der Stadtverwaltung erklärte, dass das Abholzen von Wildwuchs positive Effekte auf die Bäume hat. „Dadurch ergibt sich mehr Platz und mehr Licht für die großen Eichen.“ Diese würden momentan durch viel Unterholz und Gestrüpp eher gehemmt als gefördert. „Außerdem wollen wir die Alleen der Eichen um fehlende Bäume ergänzen.“ Das Fällen von Bäumen würden sich in Grenzen halten.