Hohenerxleben l Beim Oktoberfest am Samstag in Hohen-erxleben hatten die Damen die Listen ausliegen. Am Einlass machten sie die Besucher auf ihre Aktion aufmerksam und baten um Unterstützung.

Seit zwei Wochen sammelt der Kultur- und Heimatverein Hohenerxleben Unterschriften. Ziel ist es, eine Petition beim Landtag einzureichen. Diese soll das Hin und Her um den Park Hohenerxleben beenden. Ingrid Plan vom Heimatverein erklärt: „Wir nutzen dazu auch Veranstaltungen wie den Tag der offenen Tür in der Heimatstube.“ Über 100 Unterschriften sind schon zusammengekommen.

Schon seit vier Jahren soll der Park Hohenerxleben sanier werden. Das heißt: Wildwuchs entfernen, Alleen wieder herstellen, den Teich sanieren und einen richtigen Radweg bauen. Doch die Sache kommt einfach nicht voran. Die Forstbehörde sieht das Gebiet mit Bäumen und Sträuchern als Wald an und verbietet das Roden von Gestrüpp. Die Denkmalschutzbehörde dagegen würde die Pläne der Stadt genehmigen, wonach der Park wieder in den gepflegten Originalzustand von 1900 versetzt werden soll.

„Unser Park soll vorzeigbar werden“

„Wir möchten, dass die Pläne der Stadt endlich umgesetzt werden“, sagt Ex-Ortsbürgermeisterin Marianne Nebel vom Heimatverein. „Unser Park soll endlich vorzeigbar werden“, fügt Ingrid Plan hinzu. Damit stimmen die Hohenerxlebener völlig mit den Ideen der Stadt für den Park überein.

Die Staßfurter Stadtverwaltung will seit 2015, dass der Park Hohenerxleben wieder geordnet und aufgeräumt erscheint. Aktuell ist der Radweg verschlammt und bei nassem Wetter kaum nutzbar. Überall wachsen Ahorn und Sträucher, die großen Bäume werden im Wachstum gestört. Der Teich gleicht einer Brühe und Sichtachsen sind nicht zu erkennen. Oberbürgermeister Sven Wagner hatte deshalb 2015 das Projekt zur Park-Umgestaltung angeschoben und Fördermittel aus dem Hochwasserfond des Landes bekommen.

„Es kann eigentlich nicht sein, was derzeit beim Park abläuft“, sagt Marianne Nebel. Sie geht auf die Unstimmigkeiten zwischen Forstbehörde und Denkmalschutzbehörde ein. „Weil sich zwei Behörden streiten und jede jeweils andere Gesetze anwendet und sich diese auch noch widersprechen, kommen wir mit der Parksanierung nicht voran.“

"Unser Konzept ist nicht genehmigungsfähig"

Genauso hatte es auch Stadtplaner Günther Roddewig von der Verwaltung erklärt: „Unser Konzept ist nicht genehmigungsfähig. Unsere Pläne seien in einem Wald oder Biotop nicht durchführbar“, haben die Behörden der Stadt mitgeteilt. Auch im Rathaus zeigte sich Verwunderung bei den Mitarbeitern über das Hin und Her zwischen den anderen Behörden. Sie bezeichneten den Vorgang in ihrer professionellen Zurückhaltung als „einmalig“ und „so noch nicht erlebt“.

Die Stadt hat bereits Planungen und Entwürfe von Landschaftsarchitekten für den Park anfertigen lassen. „Es wurde bereits Geld für Vorarbeiten ausgegeben und ich vermute, nicht wenig“, macht Ingrid Plan klar. Könne der Park wegen des Behördenstreits doch nicht saniert werden, hätte man dieses Geld zum Fenster herausgeworfen.

„Die Fördergelder würden verfallen“

„Außerdem würden die Fördermittel verfallen“, ergänzt Ursula Pennigsdorf, Vorsitzende des Heimatvereins. 1,1 Millionen Euro hat die Stadt Staßfurt vom Land Sachsen-Anhalt für die Arbeiten im Park bekommen. „Die Zeit wird immer knapper. Bis 2020 müssen die Fördergelder ausgegeben sein, sonst verfallen sie.“

Dass durch den Bürokratie-Wahnsinn möglicherweise Steuergelder verschwendet werden und Fördergelder verfallen, wollen die Hohenerxlebener nicht akzeptieren. Die Damen vom Heimatverein schütteln nur den Kopf, wenn sie vom Park-Debakel sprechen.

Auch die Staßfurter Stadtverwaltung hat sich kürzlich deswegen an die Landesregierung gewandt. „Dieses Problem mit der Zuständigkeit herrscht in ganz Sachsen-Anhalt“, hatte Stadtplaner Günter Roddewig erklärt, „und verhindert überall Projekte wie unseres in Hohenerxleben.“ Die Stadtverwaltung forderte die Landesbehörden in einem Schreiben auf, die Zuständigkeiten so zu klären, dass Park-Umgestaltungen wieder möglich werden. In anderen Bundesländern sind Projekte wie dieses möglich, weil die Dinge dort gesetzlich bereits geregelt wurden.

„Wenn 600 Unterschriften zusammenkommen, wäre das schön“, meint Ingrid Plan. Das hört sich zwar viel an bei 750 Einwohnern insgesamt in Hohenerxleben. „Aber die Leute reagieren durchweg positiv auf unsere Unterschriftensammlung. Die Mehrheit ist dafür, dass der Park endlich in Ordnung kommt“, so Ingrid Plan.

In vier Wochen könne man die Petition vielleicht schon beim Landtag einreichen. Der Petitionsausschuss muss sich mit solchen Anliegen von Bürgern befassen. Die Anzahl der Unterschriften und die Form der Petition sind unwichtig.

Ab dieser Woche gehen die Mitglieder des Heimatvereins im Ort verstärkt von Tür zu Tür und klingeln für Unterschriften.