Staßfurt l In den Urlaub fahren! Ja, dafür hätte sie nach vielen Jahren mal Zeit gehabt. Doch wenn das Einkommen kaum zum Leben reicht, weil die Räume der Pension leer bleiben, hat Angela Petzold-Hoffmann erst recht kein Geld zum Verreisen. Griechenland bleibt vorerst ein Traum.

Von März bis zum Sommerferienbeginn etwa ruhte das Geschäft in der Katzenpension „Sir Henry“. In den Ferien gabs etwas Bewegung. Momentan kümmert sich der Ein-Frau-Betrieb gerade mal um drei Katzen.

„Sonst ist die Pension um diese Zeit voll, der September und Oktober sind starke Monate“, erklärt Angela Petzold-Hoffmann. Da würden Ältere gern verreisen. „Sie fahren aber noch immer nicht – aus Angst.“ Die Flaute geht also weiter.

Bilder

Die Staßfurterin will dennoch nicht jammern, sondern kämpfen, wie sie sagt. Sie suchte sich zwischenzeitlich schon andere Jobs. „Ich muss mich doch selbst irgendwie über Wasser halten“, so die junge Frau.

Hoffnung, dass sich bald etwas an der Situation ändert und wieder Normalität einkehrt, hat sie nicht gerade. „Wenn man mal niest, wird man doch schon schief angeguckt.“

Dennoch, irgendwie werde es weitergehen.

Ähnlich bescheiden ging es Annika Werner. 80 bis 90 Prozent Ausfall beklagte die Betreiberin von „Anna‘s Tierpension“ in den ersten Monaten. Ihre Angestellte musste sie in Kurzarbeit schicken. Annika beantragte Corona-Geld. Diesbezüglich könne sie sich nicht beschweren.

Auch dass das Finanzamt auf die besondere Situation einging, habe schon etwas geholfen.

„Unser ,Kindergarten‘ bildete die Ausnahme“, berichtet die Osmarsleberin weiter. Dort werden Hunde und Katzen tagsüber betreut, deren Herrchen oder Frauchen zum Beispiel bei der Polizei oder im Gesundheitswesen beschäftigt sind.

Was ihr auf andere Art auch ganz besonders geholfen habe, waren ganz liebe Kunden. „Da wollten manche Stornierungskosten bezahlen, obwohl doch keiner was dafür konnte.“

Ab den Sommerferien ging es dann auch bei ihr wieder aufwärts. Manche Tierhalter hätten ihren Urlaub inzwischen nachgeholt. Dank der treuen Kundschaft pegele es sich langsam wieder ein.

„Und die Oktoberferien sind Gott sei Dank auch ausgebucht“, freut sich Annika Werner. Die Ersten stünden sogar schon für 2021 auf der Reservierungsliste.