Staßfurt l Ein einsamer Protest gegen die geplante Photovoltaikanlage auf der alten Schachtanlage Ludwig II am Löbnitzer Weg. Stadträtin Heike Schaff (CDU) ist die einzige, die sich zu den Plänen eines Energieunternehmens in Staßfurt äußert.

Auswirkungen während Bauzeit

„Während des Baus der Photovoltaikanlage sind erhebliche Auswirkungen auf die Flora und Fauna zu erwarten“, erklärt die Stadträtin, was sie aus den Planungsdokumenten weiß. „In dem Landschaftsschutzgebiet Bodeniederung, das an die Bode grenzt, haben sich Tiere und Natur über Jahrzehnte ausgebreitet“, so Schaaf. „Als Stadträtin kann ich den Plänen nicht zustimmen“, sagt sie.

Ohne weitere Diskussion stimmen 21 Stadträte den Plänen zur neuen Solaranlage zu, Schaaf und zwei ihrer Kollegen von der CDU lehnen ab, Teile von CDU und Linke enthalten sich. Dadurch ist ein weiterer Schritt zur Genehmigung der Baupläne des Energieunternehmens gemacht, sie werden öffentlich ausgelegt. Wann gebaut wird, steht in den Sternen.

In den Planungsdokumenten, die die Grüne Energien Solar GmbH bei einem externen Büro beauftragt hat, ist tatsächlich von einigen Tieren auf dem Schachtgelände die Rede. 28 Vogelarten, davon 15 brütende, hat ein Gutachter vor Ort bei „faunistischen Sonderuntersuchungen“ gefunden.

Geschützte Vogelarten

Vor allem häufige und ungefährdete Arten wie Blaumeise, Jagdfasan, Haussperling und Ringeltaube leben dort, aber auch der streng geschützte Grauammer, der auf der Roten Liste mit Vorwarnstufe steht, und der Neuntöter. Als durchreisende Vögel finden sich geschützte Arten wie Bluthänfling, Rauchschwalbe, Fitis und Klappergrasmücke.

Gestrüpp aus Wildkirschen, Weißdorn, Rosenarten, Brombeere hat die Brache überwachsen und bietet den Vögeln Platz zum Brüten, Singen und Fortpflanzen. Von Zauneidechsen, Fledermäusen und Amphibien fehlt jede Spur.

Für die Bauzeit der Solaranlagen sagt der Gutachter voraus: „Erhebliche Auswirkungen auf die Flora sind dahingehend zu erwarten, dass im Bereich der geplanten Baufläche die vorhandenen Gehölze gerodet werden“. Brutplätze gingen verloren, wie von den von Hausrotschwänzen durch den Abriss der Ruinen. Nur das Gestrüpp im Nordosten soll als Bruthabitat für Neuntöter, Goldammer und Grauammer stehen bleiben.

Kaum Bedeutung für das Projekt

Die Planungsunterlagen kommen aber dann doch zu dem Schluss, dass die Artenvielfalt an Ludwig II „von untergeordneter Bedeutung“ sei. Ein wertvolles Biotop habe nie entstehen können, weil das Gelände samt Boden zu sehr vom Schachtbetrieb gebeutelt ist.

Dass dieses Fazit keine Geringschätzung der Flora und Fauna ist, kann Diplom-Agraringenieurin Anke Bäumer erklären, die die Untersuchung mitverfasst hat. Es heißt nur, dass der Bau der neuen Solaranlage wenig Auswirkungen auf die Vögel vor Ort haben wird. „Da die Bauarbeiten im Winterhalbjahr stattfinden müssen, brüten Vögel zu dem Zeitpunkt nicht und Jungvögel sind nicht in Gefahr. Außerdem flüchten die Tiere aus dem Areal, wenn laute Bauarbeiten stattfinden.“ Nur außerhalb der Brutzeiten darf Hand angelegt werden, auch das steht eindeutig in den Planungsunterlagen.

Nach der Bauphase sollen sich die Vögel wieder vor Ort ansiedeln und ihr Lebensraum sogar noch aufgewertet sein. Denn das Energieunternehmen muss vor Ort Bäume pflanzen und Ersatz für das Gestrüpp leisten.

Gebüsch für Förderstedt

Weil so viel Gebüsch weggenommen werden soll, muss sogar noch in Förderstedt ein Weidengebüsch von 200 Quadratmetern angelegt werden. Der Einfachheit halber soll das auf einem Gelände am westlichen Ortsrand passieren, das dem Unternehmen gehört.