Staßfurt l Der Freitagabend war wie ein Klassentreffen für Marcus Poschlod. Im Publikum seine Familie, die ehemalige Theatergruppe des Staßfurter Gymnasiums und seine Schulfreunde haben auch noch ein altes Poesiealbum mit, in das er sich 1992 einschrieb. Der Theaterleiter Stephan Czuratis kündigt den Mann des Abends, der aus seinem neuen Hörbuch lesen will, als alten Kumpel an.

„Es ist schön wieder in Staßfurt zu sein“, sagt Marcus Poschlod der Volksstimme in der Pause. „Hier im Theater sah ich heute das Jugendblasorchester proben, bei dem ich früher moderiert habe, und hier habe ich damals auch beim Schülertheater angefangen“, berichtet er. Heute ist er auf einem Sachsen weiten Radiosender jeden Morgen zu hören, er lebt in Leipzig. Mit seiner angenehmen, tiefen Stimme und einer lockeren Art wirkt der Radiomann sympathisch und unaufgeregt. Auch wenn er heute in Leipzig seine Heimat gefunden hat und nicht wieder nach Staßfurt zurückkehren würde, wie er erklärt, sei er immer gern zu Gast.

Idee zum Hörbuch

Sein neues Hörbuch, das über seine privaten Wanderungen auf dem Jakobsweg in Spanien berichtet, hängt auch mit seiner Heimatstadt zusammen, berichtet er. Eigentlich wollte er damals, 2014, ganz für sich privat den Pilgerweg gehen. „Ich habe während meiner Reise immer wieder Tonaufnahmen und Fotos mit dem Handy gemacht.“ Er begann ein Fotobuch zusammenzustellen. „Das sollte dann ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter, die bis heute in Staßfurt lebt, werden“, sagt er. Er bekam es kurz vor dem Geburtstag fertig, machte weitere Exemplare für seine Familie und dann auch für den „Chef beim Radio“. „Und weil ich ein Radiomann bin, arbeite ich gern mit Worten und Tönen und so wurde es ein Hörbuch.“ So entstand das Werk mit dem Titel „Von schnarchenden Pilgern und unglaublichen Begegnungen“, das schließlich für den deutschen Radiopreis 2018 nominiert wurde und mit dem er heute ab und an auf Lesungen unterwegs ist.

Bilder

Sein Hörbuch präsentiert Marcus Poschlod am Freitagabend in einem fast ausverkauften Saal des Theaters. Mit Videoeinspielungen, Interviews und Fotos, die er auf der Leinwand zeigt, bringt er seinen Zuschauern das Thema Pilgern näher. Warum pilgern die Menschen? Was treibt sie an? Welche Erfahrungen machen sie auf dem Jakobsweg? Diese Fragen ist er auf mittlerweile fünf Reisen nachgegangen. Die Antworten, die er bekam, machen manchmal nachdenklich, denn einige Pilger berichten von persönlichen Schicksalsschlägen.

Aber der Titel des Hörbuchs verrät, dass Marcus Poschlod an die neue Erfahrung des Wanderns mit Humor herangegangen ist, ohne die Sache allzu ernst zu nehmen. Während sich andere monatelang auf den Jakobsweg vorbereiten, ist er 2014 einfach losgelaufen.

Wanderungen mit Humor

Und so war auch der Verlauf des ersten Tags schon vorprogrammiert: 28 Kilometer, 1400 Höhenmeter zu überwinden und der Neuling unter den Wanderern war natürlich fix und fertig. Als dann die erste Unterkunft auch noch voll war, „da hat selbst der Radiomoderator mal keine Worte mehr“, berichtet Marcus Poschlod dem Staßfurter Publikum von den Anfängen.

Letztendlich tut sich für Marcus Poschlod auf dem Jakobsweg eine ganz neue Welt auf, die mit ihren Eigenarten schmunzeln lässt, aber dem Wanderer doch wertvolle Erfahrungen beschert. Da ist die Rede von einer Wanderin aus den USA, die ihn begleitet und ununterbrochen redet. Dann teilen sich 100 Pilger ein Schlafzimmer. Schließlich begegnen ihm Betreuer in den Herbergen, die ihn um 6 Uhr morgens mit lauter Gitarrenmusik wecken. Dann wieder eine deutsche Wanderin, die auf eine Cremesuppe besteht, und nochmal die Wanderin aus den USA, die ihn scheinbar überall aufzufinden scheint.

Dem Wanderer kommen beim langersehnten Schlaf die Senioren dazwischen, die ständig in ihren Rucksäcken herumrascheln und natürlich auch die schnarchenden Pilger. Und Rentner, „die einen Wecker stellen, der dann alle anderen 54 Schlafenden weckt, nur die Besitzer des Weckers nicht.“

Immer wieder schleust Marcus Poschlod humorige „Tipps für Pilger“ in seine Erzählungen ein. Zum Beispiel gehören zu den „Zehn Pilgermissverständnissen“, mit denen er aufräumen will, dass alle Herbergen Bettwanzen hätten. Dazu kommen die Ratschläge der „zehn Dinge, die man einem Pilger auf keinen Fall sagen sollte.“

Begegnungen aus der Heimat

Und natürlich kam es auch auf dem Pilgerweg in Spanien, wie es immer kommt: Man trifft Menschen aus der Heimat. Eines Tages begegnet Marcus Poschlod einer Radfahrergruppe aus Aschersleben und einem Pfarrer, der in Schönebeck wirkt und der natürlich wiederum seine Mutter aus Staßfurt kannte. Denn, wie der Autor, feststellt: „Zufälle - nein, die gibt es nicht.“