Güsten l So richtig war der Güstener Stadtrat nicht erfreut über die neuesten Pläne eines Unternehmens, das im Windpark Güsten kurz hinter dem Ortsausgang von Osmarsleben Windräder betreibt.

Der Plan ist jetzt: Zwei neue, größere Windräder sollen im Windpark Güsten aufgestellt werden. Seit dem Sommer 2018 plant die Firma MM Energie aus Ganderkesee in Niedersachsen diese Windkraftanlagen. Allerdings werde heute, so übermittelte es das Unternehmen an die Verbandsgemeinde Saale-Wipper, der Typ Windrad nicht mehr hergestellt, der damals geplant war. Daher braucht es jetzt größere Windräder eines anderen Typs.

Der Stadtrat Güsten sollte das in seiner Sitzung am Montagabend dieser Woche genehmigen, indem er die Formalien dazu ändert. Genauer muss dazu der Flächennutzungsplan der Region geändert werden, denn der legt fest, wie hoch ein Windrad in Güsten überhaupt sein darf.

Aktuell erlauben es die Regularien der Verbandsgemeinde Saale-Wipper nur, Windräder bis 225 Meter Höhe zu bauen. Die neuen sollen aber 230 Meter hoch werden. Die Rotorblätter sollen einen Durchmesser von 128 Meter statt wie geplant 127 Meter aufweisen.

Michael Dobritz (SPD/Bürger für Bürger) stört genau das: „Wir haben einst 225 Meter als maximale Höhe festgesetzt, weil wir es so wollten. Und jetzt sagt die Wirtschaft, sie wollen noch höher gehen. Also dann haben sie Pech. Das sehe ich nicht ein.“

Wirtschaftliche Gründe

Lars Lehmann (Die Linke) vermutet wirtschaftliche Gründe beim Windrad-Wechsel, aber auch die Angaben in den Planungsdokumenten waren ihm zu ungenau. Denn dort stehe zum Beispiel, dass davon auszugehen sei, dass die neuen Windräder keine gesetzlichen Werte überschreiten würden, aber nicht welche Werte sie genau haben werden.

Christine Schwertfeger vom Bauamt der Verbandsgemeinde Saale-Wipper konnte aber beruhigen: Auch wenn der Stadtrat jetzt zustimmt, kann nicht einfach jeder Windrad-Betreiber kommen und so hoch bauen, wie er möchte.

Bei jeder neuen Anlage kann der Stadtrat zustimmen oder ablehnen.

Allerdings betont sie auch: Es wäre unfair, würde der Stadtrat jetzt Nein sagen. Denn in einer früheren Sitzung am 25. Mai 2018 hatten die Güstener Kommunalpolitiker bereits den fünf Meter höheren Windrädern zugestimmt. Der Investor hat mittlerweile Geld ausgegeben für Planungen und Entwürfe, weil er von der Zustimmung des Stadtrats ausging.

Neubau

Der Neubau der Windräder wird durch ein öffentliches Verfahren begleitet. Nachdem der Stadtrat im Mai 2018 den größeren Windrädern sein Okay gegeben hatte, fand eine öffentliche Informationsveranstaltung statt. „Aber kein einziger Bürger oder Stadtrat ist dazu erschienen“, erklärt Christine Schwertfeger. Im Juni 2018 wurden dann Behörden und Träger öffentlicher Belange um ihre Statements gebeten, die samt Umweltbericht in die Planungen eingearbeitet wurden.

Letztendlich zeigte das Abstimmungsverhalten der Güstener Räte am Montag immer noch Skepsis: Acht Räte stimmten den höheren Windrädern zu, fünf dagegen, einer enthielt sich. Das ergibt insgesamt aber dennoch eine Zustimmung.

Damit werden die Planungsunterlagen demnächst erneut ausgelegt, was auch im Amtsblatt bekannt gemacht wird. Die geänderten Höhen der Windräder werden nun noch einmal von allen Seiten geprüft, auch Bürger können Einwendungen machen.