Staßfurt l Den Vorschlag hat Ratsmitglied Ralf-Peter Schmidt in das politische Gremium eingebracht. „Staßfurt hat sich auf vielfältige Art und Weise dem Thema Inklusion verschrieben“, sagt Ralf-Peter Schmidt, der auch Mitglied im Arbeitskreis Inklusion Netzwerk Staßfurt (INS) ist. Der Beitritt zur Barcelona-Erklärung und damit das Bekenntnis zu ihren Leitzielen wäre eine inhaltliche Würdigung dieser Arbeit in der Salzstadt. Gleichzeitig, so hofft das Fraktionsmitglied von der Unabhängigen Bürgervertretung von Staßfurt (UBvS), könnten die Ergebnisse, die es in Staßfurt rund um die Inklusion, also die Chancengleichheit aller Menschen, gibt, in das zu entwickelnde Leitbild der Stadt aufgenommen werden.

Der Stadtrat hat während der Sitzung vor der Sommerpause noch keinen Beschluss zu einem möglichen Beitritt zur Barcelona-Erklärung gefasst. Es gibt Beratungsbedarf. Auf Antrag der Fraktion UWG Salzland/AfD wurde die Vorlage in die Ausschüsse verwiesen, die das Thema beraten sollen. Dabei geht es vor allem darum, welche finanziellen Auswirkungen auf die Stadt zukommen könnten, hieß es während der Ratssitzung. Die Ausschüsse tagen wieder ab der zweiten Augustwoche.

Eine große Befürworterin für seinen Vorschlag hat Ralf-Peter Schmidt bereits in Christine Fischmann gefunden. Sie ist Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragte der Stadt Staßfurt. Außerdem Sprecherin des INS. In diesen vielfältigen Funktionen organisiert Christine Fischmann mit anderen zusammen jährlich den Inklusionsaktionstag „Staßfurt - eine Stadt für alle“ in der Salzstadt mit Projekten der Begegnung und mit jeweils einem eintägigen Fachworkshop. „Der Beitritt zur Barcelona-Erklärung wäre ein wichtiges Zeichen: Denn wir würden in Staßfurt zeigen, dass wir sprichwörtlich Nägel mit Köpfen machen, wenn es um das Thema Inklusion geht“, sagt Christine Fischmann.

Die Expertin erinnert an das Zielpapier aus den Inklusionstagen 2015. „Wir haben in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Thesen aufgestellt, die in der Stadt verwirklicht werden können. Das reicht von der Bildung über die Barrierefreiheit bis hin zum öffentlichen Nahverkehr. Insgesamt geht es um die gleichberechtigte Teilhabe von allen Menschen - mit und ohne Behinderung und egal welcher Herkunft, sozialer Stellung, Weltanschauung oder Sexualität.“ Als Beispiel nennt Christine Fischmann den Übergang von der Kita in die Schule, der aufgezeigt wurde und für den das INS Vorschläge gemacht hat, oder einen flexiblen ÖPNV. Das Netzwerk habe hier transparente und konkrete Vorschläge unterbreitet. „Das alles könnte in einem Maßnahmekatalog münden, der im Leitbild der Stadt wie ein roter Handlungsfaden ist“, sagt Christine Fischmann. Der Beitritt zur Erklärung von Barcelona, durch den Rat beschlossen, könnte in diesem Zusammenhang wie eine Selbstverpflichtung für die Politik wirken. „Die Stadt sagt damit: Wir bemühen uns darauf hin zu wirken, dass die Ziele, Barrieren und Benachteiligungen abzubauen, erreicht werden.“ Christine Fischmann sieht die Politik in einer Vorreiterrolle mit einer Ausstrahlungskraft auf die gesamte Stadtgesellschaft. „Wir rücken das Thema in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und bemühen uns mit unseren Entscheidungen, einen Paradigmenwechsel herbeizuführen.“

Dabei, so die Gleichstellungsbeauftragte, gehe es nicht ums Geld. Sondern um ein Umdenken, von der Theorie in die Inklusionspraxis. Neben dem genannten Maßnahmekatalog könnte der Stadtrat dann auch jeden zu fassenden Beschluss auf seine Inklusionsbeständigkeit prüfen. „Das kann mit vielen kleinen Schritten gelingen, wenn man es will“, so die Gleichstellungsbeauftragte.