Staßfurt l Die Einbrecher hatten wohl vorausschauend geplant und gehandelt. So erzählt man es sich in Rathmannsdorf. So wurde es beobachtet. Vor wenigen Wochen wurde in der kleinen Ortschaft bei Staßfurt am späten Abend in ein Einfamilienhaus eingebrochen. An einem Freitag, wo der Großteil der Bewohner zu Hause war. Zu einer Uhrzeit, bei der die Einbrecher befürchten mussten, dass das Objekt nicht leer steht.

Doch es war wohl genauso geplant. Schon wenige Tage vor dem Einbruch wurde in der Straße ein verdächtiges Auto beobachtet. Die mutmaßlichen Täter hatten sich womöglich auf die Lauer gelegt, beobachtet, wann das Haus leer steht und dann zugeschlagen.

Jeder Einbruch ist einer zuviel und für die Betroffenen traumatisierend. Nichtsdestotrotz ist die Gesamtzahl der Einbrüche nach der Statistik des Polizeireviers Salzlandkreis in der Region seit einigen Jahren eher rückläufig. Vor allem seit 2016, als die Beschaffungskriminalität eines Drogensüchtigen zu einer Einbruchsserie führte. So registrierte die Polizei 2016 ganze 359 Einbrüche im Salzlandkreis . 2017 waren es insgesamt noch 192 Einbrüche im Salzlandkreis, was einem Rückgang um mehr als einem Drittel entspricht. So gab es 2017 im gesamten Jahr in der Kernstadt Staßfurt zwei Einbrüche in Einfamilienhäuser. 2016 waren es noch elf Einbrüche. Auch im laufenden Jahr wurden bisher erst zwei Einbrüche in Einfamilienhäuser angezeigt. In Mehrfamilienhäusern gab es hingegen in diesem Jahr 19 Einbrüche, 14 davon nachts. 2016 waren es noch 24.

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170 Banner landesweit

Die Polizei führt den Rückgang auch auf eine immer bessere Sicherung von Gebäuden zurück. „Die Leute schützen ihre Wohnungen effektiver, auch dank unserer Aufklärungsarbeit", sagt Polizeisprecher Marco Kopitz vom Polizeirevier Salzlandkreis.

Kürzlich hat das Innenministerium eine neue Kampagne unter dem Motto „Sicher Wohnen mit Einbruchsschutz" gestartet, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Landesweit wurden 170 Banner aufgehangen. Dazu liegen in öffentlichen Gebäuden kostenlose Broschüren mit Tipps zur Sicherung von Wohnungen aus.

Des Weiteren bietet die Polizei bei Anmeldung auch eine kostenlose Beratung an, um die Schwachstellen von Eigenheimen zu analysieren. Anders als bei Sicherheitsfirmen sei die Beratung neutral, da die Unternehmen ein Interesse am Verkauf ihrer Produkte haben. Zu empfehlen sei etwa der Einbau von Pilzkopfverriegelungen gerade bei Fenstern in Kellern oder im Erdgeschoss. „Fenster mit herkömmlicher Verriegelung können von Einbrechern mit einem Schraubenzieher innerhalb von wenigen Sekunden aufgehebelt werden", sagt Polizeisprecher Marko Kopitz.

Und bei mehr als 70 Prozent aller Einbrüche dringen die Täter durch die Fenster ein. Fenster könnten nachgerüstet oder durch neue Fenster mit Pilzkopfverriegelungen ersetzt werden. Wobei eine Nachrüstung etwa 150 Euro pro Fenster kostet. „Wenn ein Fenster dem Einbruch mindestens fünf Minuten standhält, verschwinden die Täter in der Regel wieder", sagt Kopitz. Völlig unsicher seien zudem angekippte Fenster.

Intakte Nachbarschaft ist wichtig

Ein weiterer wichtiger Punkt zum Schutz des Zuhauses ist nach Angaben der Polizei eine intakte Nachbarschaft. „Es ist wichtig, dass die Nachbarn wachsam sind und verdächtige Dinge melden", sagt Kopitz. Das habe auch nichts mit spionieren zu tun. Wenn jemand verreist, können Nachbarn die Blumen gießen, den Briefkasten leeren und die Rollos bewegen, damit das Haus belebt wirkt. „Das kann potenzielle Einbrecher abschrecken", sagt der Polizeibeamte.

Informationen können sich die Bürger zudem auf der Internetseite
www.k-einbruch.de einholen. Dort kann sich unter anderem durch ein interaktives Haus geklickt werden. Wer auf die Haustür oder das Fenster klickt, erhält umgehend Tipps, was präventiv getan werden kann, um den Einbruch zu verhindern. Viele weitere Sicherheitstipps ergänzen das Angebot. Präventionsmobile oder Broschüren dienen ebenfalls der Aufklärung. Auch jede Polizeidienststelle ist offen für Nachfragen.

Denn obwohl es einen Rückgang der Einbrüche gibt: Vereinzelte Sprünge in der Statistik gibt es immer. So gab es in diesem Jahr in Förderstedt schon sieben Einbrüche in Einfamilienhäuser. Fünf davon nachts. Allgemein ist in Staßfurt und den Ortsteilen festzustellen, dass die Einbrecher fast immer im Dunkeln kommen. Präventionsarbeit ist also wichtig. Damit gerade solche Vorfälle wie der in Rathmannsdorf verhindert werden.