Aschersleben l Bei der "roten Kugel", die ein Mann einem neunjährigen Mädchen am Montag in Aschersleben gegeben haben soll, handelt es sich um ein winziges Dragée, das im Volksmund auch als "Liebesperle" bekannt ist und zu DDR-Zeiten in kleinen Fläschchen verkauft wurde. Das erklärt die Polizei auf Nachfrage. Normalerweise bestehen die bunten Perlen aus Zucker.

Das Mädchen war am Montagnachmittag selbständig auf den Spielplatz in der Juri-Gagarin-Straße gegangen, eine eher ruhige Gegend mit mehreren Blöcken, die vor allem von Senioren bewohnt wird. Ein Mann, den das Mädchen nicht kannte, habe sich ihr genähert und sie aufgefordert, eine „rote Kugel“ zu essen. Das berichtete das Mädchen später der Polizei. Der Mann hatte die "rote Kugel" in einer Plastiktüte, in welcher sich weitere solcher Kügelchen befunden haben sollen.

Der Fremde drohte dem Kind: Es solle die "rote Kugel" essen, ansonsten tue er seiner Mutter etwas an. Laut Polizei folgte das Mädchen der Aufforderung schnell. Als es wieder zuhause war, musste sich das Kind bereits im Hausflur des Mehrfamilienhauses, unweit des Spielplatzes, übergeben und wurde ohnmächtig. 

In Klinik gebracht

Die hinzugezogenen Rettungskräfte haben das Mädchen im Rettungswagen untersucht, es war wieder zu sich gekommen. Sicherheitshalber wurde es zur weiteren Beobachtung ins Klinikum Aschersleben gebracht. Ebenso wurde die Polizei dazugerufen, die nun aufgrund von gefährlicher Körperverletzung in Zusammenhang mit Nötigung ermittelt. Die Polizei suchte den Mann bislang ohne Erfolg.

"Das Mädchen muss nur 24 Stunden im Krankenhaus bleiben", so Polizeisprecher Marco Kopitz. Dem Kind gehe es relativ gut. Das Klinikum mache entsprechende Untersuchungen. Die Kriminalpolizei hat den Fall übernommen und Spuren vor Ort gesichert. Diese werden demnächst im Labor der Polizei auf toxische und gefährliche Stoffe hin untersucht.

Fakt ist, so die Polizei, dass eine Vergiftung bisher nur eine Theorie ist: Ob die Ohnmacht und Übelkeit des Mädchen mit der "roten Kugel" zusammenhängt, ist aktuell noch eine Vermutung. Die Polizei hat den Vorfall erst am Dienstagnachmittag veröffentlicht, da in den sozialen Medien die Gerüchte überkochten und aus dem Ruder zu laufen drohten. Mit der Täterbeschreibung erhofft man sich jetzt Hinweise von eventuellen Zeugen.

Täterbeschreibung

Das Mädchen beschrieb den Fremden der Polizei so: Zur Tatzeit soll der Mann einen roten Kapuzenpullover mit weißen Bändchen angehabt haben. Des weiteren soll er weiße Schuhe getragen haben. Auffällige Merkmale seien zudem ein goldenes Piercing zwischen den Augenbrauen. Der Mann soll von kleiner Statur sein und um die 50 Jahre alt sein. Zudem soll er nach Rauch gerochen haben. Er habe eher leise gesprochen.

Eine Auswertung der Spuren liegt noch nicht vor. Eine gezielte Befragung des Kindes erfolgt am Dienstag, auch ein Spezialist der Kriminaltechnik ist beteiligt, um ein detailliertes Phantombild zu erstellen. Dieses wird wahrscheinlich am Donnerstag veröffentlicht.