Borne/Magdeburg l Es war nicht das erste Mal, dass die massive psychische Erkrankung des 56-Jährigen aus Borne zu Tage trat, als er am 16. Mai dieses Jahres zum Messer griff. Bereits vor vier Jahren war seine Schizophrenie erkannt worden, erklärte der vorsitzende Richter in der Urteilsverkündung am gestrigen Freitag am Landgericht Magdeburg. Im Dezember 2016 hatte der Mann aus Borne sein Auto mitten auf der Straße geparkt. Einen Verwandten, der ihm dabei zu Hilfe kommen wollte, bedrohte er und biss ihm in die Hand.

Auffällig seit Jahren

Seitdem beschimpfte der Mann immer wieder seine Nachbarn, rief Hitlerparolen, störte mit lauter Musik und beschädigte Gartenmöbel seiner Nachbarn, besonders wenn er getrunken hatte. Er verlor seine Fahrerlaubnis und seine Arbeit, lebte von Ersparnissen bis man ihm 2019 Strom, Wasser und Gas abstellte. Einen Verwandten, der ihn besuchte, bedrohte er einmal unvermittelt mit einem Messer und drohte ihm ein anderes Mal an, sich selbst zu töten. Die Schizophrenie soll durch massiven Alkoholkonsum seit der Jugend befeuert worden sein.

Eine Angehörige beantragte schließlich für den psychisch Kranken einen Betreuer. Dieser besuchte ihn regelmäßig und berichtete dem Gericht im Prozess von Selbstgesprächen des Beschuldigten, sprunghaften Gedankengängen, Flüstern und feindseligem Verhalten. Nur fünf Tage vor der verhandelten Tat im Mai begutachtete ihn ein Psychiater und stellte „deutliche psychische Auffälligkeiten“ fest.

Attacke mit dem Messer

Am Tag des Totschlags, dem 16. Mai dieses Jahres, beschimpfte der psychisch Kranke seine Nachbarn, als diese einen Geburtstag auf ihrem Hof in Borne feierten. Er steigerte sich laut dem Richter am Landgericht „in die Vorstellung hinein, seine Nachbarn als Feinde anzusehen.“ Gegen 21 Uhr fing er an, mit einem Besen gegen den Zaun zu schlagen. Zwei Männer aus der Runde wollten den Mann zur Rede stellen und betraten seinen Hof. Ein 29-Jähriger nahm einen Meißel mit, ein 49-Jähriger eine Eisenstange – um den Mann auf Abstand zu halten, erklärten sie vor Gericht.

Der psychisch Kranke ging sofort auf beide zu, durchstach mit einem Messer die Hand des Jüngeren komplett und stach dem Älteren das Messer in den Bauch. Letzterer floh zurück zur Feier, brach zusammen und verstarb durch Verbluten bevor der Rettungswagen ankam.

"Gefährlich für die Allgemeinheit"

Der Psychiater, der den 56-Jährigen schließlich für das Gerichtsverfahren begutachtete, stellte eine „paranoid-halluzinatorische Schizophrenie“ fest. Der Mann aus Borne sei „für die Allgemeinheit“ gefährlich und nicht in der Lage, Unrecht einzuschätzen.

In dem Sinne habe der Beschuldigte laut dem Richter am Landgericht zwar vorsätzlich gehandelt, da er den Nachbarn kurz vor der Tat noch den Tod wünschte. Die eigentlichen Straftaten des Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung aber beging er „schuldlos“. Anstelle einer Gefängnisstrafe ordnete der Richter eine Therapie im Maßregelvollzug Uchtspringe an. Die Strafvollstreckungskammer entscheide über die Dauer des Aufenthalts anhand von ärztlichen Berichten und entlasse den Mann erst bei Genesung.