Staßfurt l In jedem kleineren oder auch größeren Bördedorf macht‘s einmal jährlich Klingelingeling. Die radsportbegeisterten kleinen und großen Friedensfahrer stürzen sich dann durch die Orte auf den Radwegen an historischen Gebäuden vorbei, fahren durch die grünen Lungen und genießen mit Kind und Kegel die angenehme sportliche Betätigung unterm - im besten Fall strahlend blauen - Himmel. Tradition nennt sich das im radsportbegeistern Nachbarlandkreis. Und was für die Börde gut ist, muss für den Salzlandkreis nicht schlecht sein.

Unter diesen Vorzeichen startet in diesem Jahr die zweite Familien-Radtour, die alle, die Lust haben, am 3. Oktober über 5,6 Kilometer von Staßfurt nach Löderburg an den Löderburger See führen wird und wieder zurück. Immer entlang der Bode. Erst am Boderadweg, dann am Europaradweg R1. „Im vergangenen Jahr hatten wir 150 Teilnehmer“, sagt Projektkoordinatorin Sandra Pusch von der Beschäftigungsförderung-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft mbH Schönebeck (BQI). 2018 ging es Richtung Hohenerxleben, auch da war die Strecke etwas über fünf Kilometer lang. „Es geht darum, Staßfurt neu zu entdecken. Es gibt keine Einschränkungen, alle können mitfahren“, so Pusch.

Auch Migranten sind eingeladen

Natürlich soll die Radtour ein Familienevent sein. Aber es soll verbinden, Integrationsmöglichkeiten bieten, vernetzen und die Herzen öffnen. Das zeigte das Engagement schon im vergangenen Jahr. Da nahmen die Organisatoren auch Kontakt mit der Staßfurter Urania auf. „Da habe ich in Sprachkursen Werbung gemacht“, sagt Pusch. Am Ende gab es auch 25 bis 30 Anmeldungen durch Migranten. „Das ging querbeet.“

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Auch 2019 sucht Sandra Pusch das Gespräch mit dem Bildungsträger. Bunt gemischt ist gut. Und wenn die Bürger Staßfurts ihre Stadt besser kennenlernen, dann ist es besser.

Denn das Verhältnis der Staßfurter zu ihrer Stadt ist mindestens ausbaufähig. „Wenn man Staßfurter nach ihrer Stadt fragt, dann kommt nur...“, Sandra Pusch zuckt die Achseln, verzieht das Gesicht und die Mundwinkel nach unten. Wer sich nicht beteiligt an der Stadt, in der er lebt, hat auch das Recht verwirkt, zu meckern.

Alle sind Friedensfahrer

Und gerade so eine Friedensfahrt, die per Definition schon zu DDR-Zeiten als Völkerverständigung gedient hat, soll dafür sorgen, Berührungsängste abzubauen und aufeinander zuzugehen. „Wir alle sind Friedensfahrer, der soziale Aspekt ist sehr wichtig“, sagt Sandra Pusch. „Wir haben alle Wünsche, Träume und Ängste. Wir wollen miteinander reden.“ Gesellschaftliche Teilhabe ist dabei ein weiteres Stichwort. Diese soll mit dem Projekt aufgebaut werden.

Drei Treffen gab es im Organisationsteam. Das erste Mitte Juli. Mit im Boot sind das Radsportmuseum „Course de la Paix“ aus Kleinmühlingen, die EMS und die Stiftung der ehemaligen Kreissparkasse Bernburg als finanzielle Wegbereiter, dazu der Salzlandkreis, das Projekt „Stabil“ und natürlich die Stadt Staßfurt. Diese war auch Hinweisgeber für die Festlegung der Strecke. Denn diese wird nie gleich bleiben. Sollte die Radtour auch 2019 ein Erfolgsprojekt sein, wird diese 2020 an anderer Stelle ausgetragen. An einer Stelle, an der – so die Hoffnung – wieder neue Staßfurter angesprochen werden.

In diesem Jahr wartet am Löderburger See ein Zwischenstopp. Dort werden die Teilnehmer mit Getränken und Essen versorgt. Dann geht es zurück nach Staßfurt.

Noch mehr Integration in 2020

Für 2020 gibt es dann auch schon weitere Pläne. „Wir wollen dann noch mehr auf Integration setzen“, sagt Sandra Pusch. Sie könnte es sich zum Beispiel vorstellen, dass auch körperlich beeinträchtigte Menschen in diese Radtour integriert werden. Um vielleicht blinde Teilnehmer an den Start schicken zu können, braucht es aber eben noch mehr zeitliche Vorbereitung.

Anmelden können sich alle Staßfurter und auch Nichtstaßfurter unter www.friedensfahrt-stassfurt.de. Die Anmeldung kostet fünf Euro pro Person. Kinder bis zwölf Jahre fahren kostenlos mit.