Staßfurt/Förderstedt l Die Verlosungsaktion im sozialen Netzwerk kam ganz offensichtlich gut an. Die Stadt Staßfurt hatte bei Facebook dazu aufgerufen, das schönste Radtour-Foto zu posten. Als Preis winkten die Ausleihe von zwei E-Bikes für ein Wochenende. Es folgten 78 Kommentare mit vielen Fotos, zwischen denen sich aber auch gleich zwei Mal eine Frage schmuggelte: „Wann kommt endlich der Radweg von Förderstedt nach Staßfurt?“

Von den direkt umliegenden Ortschaften sind Löderburg, Neundorf und Hohenerxleben bereits mit Radwegen an Staßfurt angeschlossen. Der Radweg nach Förderstedt fehlt. Und somit auch die direkte Anbindung per Rad nach Atzendorf, Üllnitz, Glöthe und Brumby. Die zusammen genommenen genau 4673 Einwohner in den Ortschaften Förderstedt, Atzendorf, Üllnitz, Glöthe und Brumby (Stichtag 31. Dezember 2019) haben damit keine Verbindung mit dem Rad nach Staßfurt, obwohl sie fast ein Fünftel aller Einwohner in Staßfurt ausmachen.

Der Wunsch nach einer Radwegverbindung von Staßfurt nach Förderstedt besteht schon Jahrzehnte. Förderstedts verstorbener ehemaliger Bürgermeister Bodo Messerschmidt setzte sich schon in den 1990er und 2000er Jahren dafür ein. „2012 hat dann auch die Bürgerinitiative ‚Radweg Förderstedt – Staßfurt‘ ihren Anfang genommen“, sagt Gerhard Schnock von der Bürgerinitiative. 2014 sei eine Unterschriftensammlung mit 900 Unterschriften an Verkehrsminister Thomas Webel übergeben worden. Der Radweg rutschte in der Prioritätenliste nach oben, wurde nach 2014 konkreter. Im langwierigen Behördenplanungsdschungel heißt das, dass der Radweg ab Frühjahr 2022 gebaut werden könnte.

Wie ist der Stand? Die Stadt Staßfurt antwortet: „Die Planung für den Neubau des Radweges Staßfurt-Förderstedt ist abgeschlossen und wird in den zuständigen Stellen der Landesstraßenbaubehörde (LSBB) geprüft“, teilt sie mit. „Parallel dazu bereitet die Stadt Staßfurt in Abstimmung mit der LSBB die Bauerlaubnisverträge mit den Grundstückseigentümern vor. Falls diese von allen Grundstückseigentümern unterschrieben werden, kann das Vorhaben ohne Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden.“ Planung und Durchführung der Baumaßnahme liegt dabei in der Zuständigkeit des Landes.

Radweg soll östlich entlangführen

Mitte 2019 wurde festgelegt, dass der Radweg 2,5 Meter breit sein und östlich der L72 entlangführen soll. Darüber hinaus kann Michael Schanz – Regionalbereichsleiter West der Landesstraßenbaubehörde – mitteilen, dass der Radweg zwischen 10,05 auf freier Strecke und sechs Metern im Bereich des Betriebsgeländes am Steinbruch von der Straße abgesetzt verlaufen soll. In der Ortslage Förderstedt hinter einem Hochbord, am Steinbruch zum Beispiel als gemeinsamer Geh- und Radweg hinter einem Hochbord.

Die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) geht davon aus, dass die Entwurfsplanung im Herbst 2020 abgeschlossen werden kann. „Die Entwurfsplanung wird auf der Grundlage der Ergebnisse der Vorplanung erarbeitet und stellt die parzellenscharfe Planung der Vorzugsvariante in einem größeren Maßstab dar“, erklärt Michael Schanz. „Dabei sind alle gegebenen öffentlichen (zum Beispiel Naturschutz, Raumordnung, Denkmalschutz, Verkehrssicherheit) und privaten (zum Beispiel Grunderwerb) Belange zu beachten.“ Bei den Vorplanungen gab es dabei von den einbezogenen Fachbehörden keine Einwände. Das ist positiv.

19 Grundstückseigentümer kontaktiert

Bei der Änderung von Grundstückseigentum sitzt auch die Stadt Staßfurt mit im Planungsboot. Laut LSBB habe die Stadt am 31. Juli Bauerlaubnisverträge an 19 Betroffene versandt. Hier wird es spannend. Die LSBB hofft nämlich, dass die Grundstückseigentümer damit einverstanden sind, ein Stück ihres Grundstücks abzugeben, damit der Radweg gebaut werden kann. Stellen sich Eigentümer quer, zieht sich die Planung in die Länge.

„Sollte eine einvernehmliche Lösung zur Umsetzung des notwendigen Grunderwerbs nicht erreicht werden, ist ein formelles Baurechtsverfahren beim Landesverwaltungsamt notwendig“, so Michael Schanz. „Dies hätte erhebliche zeitliche Verzögerungen zur Folge (mindestens zwei Jahre, eher mehr). Die finanziellen Folgen für die Planungsleistungen sind überschaubar, es drohen jedoch in diesem Fall steigende Baupreise.“

Der weitere zeitliche Verlauf der Planung hängt vom Erfolg der Baurechtschaffung ab. „Sollte das gelingen, scheint es unter Beachtung der noch offenen Schritte Abschluss Entwurfsplanung, Bearbeitung Genehmigungsplanung mit Baurechtschaffung, Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe sowie im Abgleich mit den personellen und finanziellen Möglichkeiten des Regionalbereiches West sowie unter Vermeidung einer ‚Winterbaustelle‘ realistisch, eine Ausschreibung zum Ende 2021 mit Baudurchführung ab Frühjahr 2022 anzustreben“, sagt Michael Schanz.

Dabei hieß es noch vor einem Jahr, dass Baustart im Frühjahr 2021 sein könnte. Derzeit wird mit Baukosten von 1,278 Millionen Euro gerechnet. Finanziert wird der Bau ausschließlich aus Landesmitteln. Fördermittel gibt es keine.

Freuen würde das auch die Bürgerinitiative, wenn sich die wenigen Radfahrer nicht mehr todesmutig auf die L72 drängen müssten, um die nur etwa 2,5 Kilometer zwischen Kernstadt und Förderstedt mit dem Rad zurückzulegen. „Die Verkehrsdichte wird immer größer“, sagt Gerhard Schnock von der Bürgerinitiative, der einen Wunsch hat: „Wir würden es begrüßen, in die weiteren Planungsrunden mit einbezogen zu werden.“