Etgersleben l Kennen Sie Etgersleben? Der Ort in der Gemeinde Börde-Hakel etwa 30 Kilometer südlich von Magdeburg im Salzlandkreis hat weniger als 1000 Einwohner. SPD-Politiker Manfred Püchel wurde dort geboren. Der war mal Sachsen-Anhalts Innenminister. Die evangelische Kirche St. Michael wird im Internet als bedeutendste Sehenswürdigkeit des Ortes beschrieben. Aber Etgersleben hat noch mehr zu bieten.

In dörflicher Idylle sind nun zwei Persönlichkeiten bekannt geworden, die nicht nur der Dorfseele einen gewissen Charme verleihen: Axel Zörner und Michael Sroka. Besser bekannt sind die beiden mittlerweile allerdings als „Axel & Micha". Nicht in Büchern, nicht in Zeitschriften – nein, im Fernsehen.

21 Jahre in der Werkstatt

Dass Medienleute erst voriges Jahr auf die 51- und 52-Jährigen aufmerksam wurden, ist eigentlich ziemlich verwunderlich. Wie es dazu kam? „Guck uns an, dann stellt sich die Frage nicht", antwortet Micha. Axel ergänzt: „Die Frage wäre ja eigentlich: Warum sind die euch nicht viel früher auf die Schliche gekommen?!" Am Kaffeetisch, einer kleinen Tischplatte inmitten des Garageneingangs zwischen Axels Simson S51 und diversen Schrauber-Utensilien, wird laut gelacht. Zeit für "ne' Bohne" bleibt immer irgendwie.

Ostmobile von "Axel & Micha"

Etgersleben (dt) l Die Etgerslebener Schrauber "Axel & Micha" haben ein besonderes Faible für alte Ostmobile und besondere Fahrzeuge.

  • Auch Axel Zörners ganzer Stolz: Der LO als Saniwagen. Um das Gefährt geht es auch in einer der aktuellen Folgen. Foto: Dan Tebel

    Auch Axel Zörners ganzer Stolz: Der LO als Saniwagen. Um das Gefährt geht es auch in ei...

  • Was es mit diesem Wagen auf sich hat, ist auch bei

    Was es mit diesem Wagen auf sich hat, ist auch bei "Axel & Micha" zu erfahren. Foto: Dan Tebel

  • Dieser alte Opel ist ein echter Hingucker. Foto: Dan Tebel

    Dieser alte Opel ist ein echter Hingucker. Foto: Dan Tebel

  • Axel Zörners ganzer Stolz - seine Simson S51. Foto: Dan Tebel

    Axel Zörners ganzer Stolz - seine Simson S51. Foto: Dan Tebel

  • Was es mit diesem alten Robur-LO auf sich hat, erfahren die Zuschauer in der zweiten Staffel

    Was es mit diesem alten Robur-LO auf sich hat, erfahren die Zuschauer in der zweiten Staffel "Axe...

  • Richtig Platz - Einen anderen LO der Marke Robur von Axel Zörner kann zum mobilen Wohnwagen umbauen. Platz zum Schlafen und zum Werkeln gibt es genug. Foto: Dan Tebel

    Richtig Platz - Einen anderen LO der Marke Robur von Axel Zörner kann zum mobilen Wohnwagen ...

Seit 21 Jahren kümmert sich Axel „Akki" Zörner in seiner kleinen Werkstatt um Kunden, die mit ihren motorisierten Kisten jeglicher Art Probleme haben. Die Schrauberbude ist übersichtlich, dafür birgt das dazugehörige Grundstück viel Platz. Da ein Kotflügel, hier ein Getriebe, dahinter ein paar Autos. Ein paar Erinnerungen an die Ludolfs aus dem Westerwald werden wach. Und hinter der Werkstatt geht das Areal noch weiter. „Vier Hektar Wald sind da noch", sagt Micha. „Drei Dörfer", ergänzt Axel und lacht wieder laut.

Immer einen drauf. Wenn die beiden anfangen zu reden, müssen sie sich zwangsläufig überbieten, als wäre es ein ungeschriebenes Gesetz. Wie am Stammtisch in der Lieblings-Kneipe. Und mindestens genau so sympathisch und unterhaltsam. Selbst bekommen sie das gar nicht mit, sagen sie. Als „feines Zusammenspiel" bezeichnet Axel Zörner die Freundschaft, die mittlerweile seit 17 Jahren besteht. Das ist tatsächlich zusammengewachsen, was zusammengehört. Michael, der Werkzeugbauer, und Axel, der Karosserie- und Fahrzeugbauer. Ihre Leidenschaft zum Schrauben und für die DDR leben sie oft gemeinsam aus. Ostmobile-Treffen in Magdeburg, Pütnitz in Mecklenburg-Vorpommern, Mahlwinkel in der Altmark und Benneckenstein im Harz sind Pflichttermine. Mit Gleichgesinnten quatschen, das ist ihre Welt.

Wie alles begann

„Quatschen" ist aber auch in der Unterhaltungsbranche gefragt. Bevor die beiden Ostalgiker überhaupt zu ihrer eigenen Seriendoku bei RTL-Nitro fanden, flimmerten sie durch das regionale Fernsehen. Alles begann bei Schrauber-Kollege und Freund Mike Silabetzschki, der die „Ostalgie-Kantine" in Oschersleben betreibt. „Dort suchte der MDR für einen kleinen Beitrag nach Stimmen und Gesichtern und niemand wollte sich für einen kurzen Beitrag filmen lassen", erklärt Werkstatt-Chef Zörner mit Unverständnis. Und seitdem läuft es: „18 Prozent, ist mal schon eine Ansage", ordnet Axel Zörner die Einschaltquoten der ersten vier MDR-Folgen ein.

2019 bekamen die sympathischen Jungs dann ihr erstes eigenes Format auf RTL Nitro. Eine ganze Staffel, zehn Folgen pure Schrauber-Nostalgie aus Etgersleben. Und so erfolgreich, dass schnell eine zweite Staffel nachgeschoben wurde.

An die Kamera, die zeitweise viele Schritte der beiden begleitet, hätten sie sich schnell gewöhnt. Eigentlich musste das Produktionsteam, das teilweise mehrmals pro Woche in der Gemeinde Börde-Hakel vorbeischaut, sich eher an die beiden gewöhnen, meinen sie. Sie seien eben authentisch, sagen etwas und stünden dazu. Und wenn sie keine Lust haben, machen sie es nicht. Um es in Axels Worten zu formulieren: „Wir machen halt‘ nen Haufen bunte Knete. Wir machen was, was auch mal keinen Sinn hat – aber es ist geil und darum machen wir es".

Neues Mekka für Nostalgiker

Viel zu tun hätten sie nun durch die mediale Aufmerksamkeit: „Du bist da eigentlich das ganze Jahr dabei", sagt Micha. Seit Ende September 2019 wird für die aktuelle Staffel gedreht. Autos reparieren sie natürlich immer noch, auch wenn die Zeit dafür nicht nur aufgrund der Drehtage knapp geworden ist. Denn Etgersleben ist zum kleinen Mekka für Nostalgiker geworden. Drei bis fünf Leute kämen pro Tag vorbei, ein „Fan-Tourismus" hat sich um die beiden entwickelt. Schön, aber auch anstrengend, sind sich beide sicher. Hunderte Kilometer fahren die Leute, um ein Foto mit den Schraubern zu machen oder sich technischen Rat zu holen. „Und daher quatscht du mit jedem auch eine halbe Stunde", sagt Micha. Sogar ein Fanclub bahne sich an. „Natürlich nur mit Frauen",  zieht Axel hinterher.

Aber woher kommt diese Leidenschaft zur Ost-Zeit? Die beiden haben gar nicht so viel von der DDR mitbekommen. Als sie Ende 20 waren, zerfiel die Deutsche Demokratische Republik. Allerdings waren es bis dahin die intensivsten Jugendjahre. Trauert man der DDR nach? „Es war nicht alles schön, es war nicht alles richtig, aber es gibt auch Sachen, die wirklich schöner und besser waren als heute", versucht sich Axel Zörner an einer Antwort. Auch in Sachen Autos. „Alte Autos, wenn sie vernünftig gepflegt werden, sind nicht schlechter als Autos von heute", erklärt Axel. Auch wenn die beiden sich auch unter Abstrichen in ein E-Mobil setzen würden: „Bis heute hast du seit der Wende fünf oder sechs Autos verschlissen. Und der Trabbi? Der läuft immer noch", fasst Micha zusammen. Er selbst nennt zwei dieser DDR-Kultautos sein Eigen. Und jetzt kann er damit auch auf vernünftigen Straßen fahren. Die gab es damals nämlich selten, sind sich die beiden einig.

Axel & Micha sind wohl auch zukünftig ein bisschen im Alten hängen geblieben. Familienvater Michael Sroka würde gerne mal einen Tschaika – eine alte russische Staatskarosse - fahren. Werkstatt-Chef Axel – selbst Besitzer mehrerer LO der Marke Robur - steht da eher auf einen „Kraz", einem großen Militär-Laster. Vielleicht fahren die beiden ja in einer der kommenden Folgen bei RTL-Nitro mit diesen selbsternannten Traumwagen.

Ausflug nach Mallorca

Freuen können sich die Zuschauer in den neuen Folgen aber erstmal auf den Ausflug der beiden nach Mallorca, eine amüsante Folge zum Technikverein nach Pütnitz und eine heldenhafte Busfahrt. Und wenn die Staffel auch gut ankommt, erhoffen sich die beiden sogar noch (mindestens) eine weitere Staffel. Ideen und Konzepte für viele neue Folgen hätten sie genug, sagen sie.

Die neuen Folgen gibt es immer sonntags 14.20 Uhr auf RTL Nitro zu sehen. Übers Internet kann man den beiden aber auch jederzeit bei TVNow zuschauen.