Hoher Leerstand

Auf den Dörfern hat die Wohnungsgesellschaft Förderstedt mit hohem Leerstand zu kämpfen. Insgesamt stehen 124 Wohnungen leer.So sind die aktuellen Zahlen:

Förderstedt: 126 Wohnungen, 37 stehen leer

Hohenerxleben: 73 Wohnungen, 22 stehen leer

Löbnitz: 16 Wohnungen, zwei stehen leer

Brumby: 43 Wohnungen, 16 stehen leer

Atzendorf: 67 Wohnungen, 19 stehen leer

Glöthe: 53 Wohnungen, 28 stehen leer. (ej)

Hohenerxleben l Die Farben der einst bunten Balkone sind schon lange verblasst. Daneben und darunter dominiert tristes Braun in einer Umgebung in Hohenerxleben, die eigentlich architektonisch auf Vordermann gebracht ist. Na klar: Dieser seit vielen Jahren leer stehende Block in der Straße der Freundschaft im kleinen Bodedörfchen ist kein schöner Anblick. Die Hohenerxlebener stört das. Auch die Wohnungsgesellschaft Förderstedt, der der Block gehört, stört das. Niemand mag diesen Schandfleck.

Wenn es nach dem Willen der Wohnungsgesellschaft geht, hätte diese den Block schon lange abgerissen. Das ist die einzig realistische Option von drei Möglichkeiten. Denkbar sind Sanierung, Verkauf oder Abriss. Problem bei der Sanierung: zu teuer. Dazu sind Mietwohnungen gerade für junge Familien unattraktiv. „Die einzige Motivation für junge Familien auf das Dorf zu ziehen, ist, ein Eigenheim zu kaufen. Zur Miete will niemand auf das Dorf“, erklärt Ralf Klar, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Förderstedt.

Konkurrent könnte entstehen

Verkauf ist in den Staßfurter Ortschaften ein probates Mittel, um leere Blöcke los zu werden. Das konkrete Problem bei dem Block in Hohenerxleben: Mit zwölf verkauften Wohnungen könnte die Wohnungsgesellschaft Förderstedt sich einen Konkurrenten heranziehen. „Nach einer Sanierung durch einen privaten Investor könnte es einen Verdrängungsmarkt geben. Ein privater Investor kann schneller investieren. Unsere Mieter könnten in die neuen Wohnungen umziehen. Es wäre also taktisch und wirtschaftlich unklug, den Block zu verkaufen“, sagt Klar.

Bleibt nur der Abriss. Hier offenbart sich ein generelles Problem. Das Förderprogramm Stadtumbau Ost fördert zwar 45 Kommunen in Sachsen-Anhalt, darunter auch Staßfurt. „Für die Dörfer gibt es aber keine Förderung“, sagt Klar. „Das geht nur in Ausnahmefällen.“ Ein Abriss ohne Fördermittel ist für die Wohnungsgesellschaft finanziell nicht realisierbar. „Man überlegt sich das dreimal, einen leer stehenden Block ohne Fördermittel abzureißen“, erklärt Klar.

In dieser verzwickten Lage für den größeren Block in Hohenerxleben hat Ralf Klar bereits 2017 beim Landesministerium für Landesentwicklung und Verkehr in Magdeburg nachgehorcht. „Ich habe einfach versucht, das Problem anzusprechen. Auch Dörfer brauchen ein Entwicklungskonzept“, sagt Klar.

Der Abriss des Hauses in Hohenerxleben, das in den 1950er Jahren erbaut wurde, würde 85.000 Euro kosten. Nur mit einer entsprechenden Förderung in fünfstelliger Höhe kann die Wohnungsgesellschaft Förderstedt den Abriss voranbringen. Über die Stadt hat der kommunale Wohnungsbetreiber trotz eher aussichtsloser Lage einen Antrag gestellt.

Für Ralf Klar war das auch ein wenig eine Prinzipsache. Er hätte den Hohenerxlebener Fall gerne als Präzedenzfall für ein mögliches Pilotprojekt betrachtet. „Die Wohnungs- und Baugesellschaft mbH Staßfurt hat Ende vorigen Jahres bei der Stadt knapp 50.000 Euro aus dem Programm Stadtumbau 2019 für den Abriss von zwölf Wohnungen in Hohenerxleben beantragt“, bestätigt Peter Mennicke, Pressesprecher beim Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr. „Diesen Antrag hat die Stadt Staßfurt auch an das Landesverwaltungsamt (Antrags- und Bewilligungsbehörde) weiter geleitet.“ Konkret will Ralf Klar 43.000 Euro von 85.000 Euro gefördert haben. „Das liegt seit zwei Jahren brach“, sagt er.

Leerstehendes Haus kostet Geld

Entsprechende positive Signale bleiben seitdem aus. „Hohenerxleben ist von der Stadt Staßfurt nicht als Fördergebiet ausgewiesen worden. Somit ist diese Maßnahme im Rahmen der Städtebauförderung nicht zuwendungs-(also förder-)fähig und konnte bei der Programmaufstellung 2019 nicht berücksichtigt werden“, erklärt Mennicke.

Es muss also auch weiter Geld für ein Gebäude in die Hand genommen werden, das leer steht. Ralf Klar erklärt das so: „Jedes leer stehende Haus kostet uns unnötig Geld. 500 bis 600 Euro kostet jede leerstehende Wohnung pro Jahr. Das Haus muss versichert sein, Grundsteuer muss bezahlt werden. Die Wohnungen müssen frostfrei gehalten werden. Auch der Strom muss noch drin sein.“ Bei der Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt (Wobau), die in der Kernstadt Wohnungen vertreibt, fallen laut Ralf Klar, der in Personalunion auch Geschäftsführer der Wobau ist, hohe Kosten an. „Wir haben 700 leer stehende Wohnungen in Staßfurt. Da entstehen Kosten von 450.000 Euro im Jahr“, sagt er.

Zurück zu Hohenerxleben. „Hier ist das Wohnumfeld eine Katastrophe durch den leeren Block. Das ist ein potenzieller Tummelplatz für spielende Kinder.“ Klar wünscht sich gleichwertige Lebensverhältnisse für alle Orte. Das hat sich auch die Bundesregierung auf die Fahnen geschrieben. „In der Realität sind wir aber weit davon weg“, meint Klar.

Wie der Abriss in Hohenerxleben doch noch gelingen kann? „Sofern die Stadt einen entsprechenden neuen Antrag beim Landesverwaltungsamt für 2020 einreicht und alle richtlinienrelevanten Kriterien erfüllt sind, kann hier-über eine Förderentscheidung getroffen werden“, teilt Peter Mennicke mit. Das Licht der Hoffnung brennt also. Auch wenn ein Pilotprojekt zum Abriss von Häusern auf dem Dorf weit entfernt ist.