Groß Börnecke l Wirbel in Groß Börnecke: Die Jecken haben den Auftakt der närrischen Zeit in dieser Woche mit einem „Wachrüttler“ eingeläutet. Nachdem sie zur gewohnten Schlüsselübergabe vorgerechnet hatten, dass ihnen die beschlossene Anhebung der Miete für die Kultursäle in der Stadt Hecklingen schwer zu schaffen macht und nicht sicher ist, ob alle geplanten Veranstaltungen auch im kommenden Jahr machbar sind, sorgt das Thema weiter für Diskussionen.

Säle werden teuer

Denn an der Entscheidung des Stadtrates gibt es nichts zu rütteln. Die Saalmieten in Hecklingen („Stern“) und Groß Börnecke (Dorfgemeinschaftshaus) werden ab Januar anders geregelt. Große Neuerung ist, dass Vereine das gleiche zahlen wie private Nutzer. Bisher waren die Ehrenamtlichen bevorzugt worden. Sie zahlten im Jahr einen pauschalen Preis pro Verein über 240 Euro. (Siehe Infokasten).

Das fällt ab Januar weg. Es wird je nach Nutzung abkassiert. All das kommt für den Kultur- und Heimatverein zu plötzlich. Mit seiner Abteilung Karneval, den Chören, Chronisten und über 100 Mitgliedern ist er einer der stärksten Vereine im Ort.

Marina Feldheim ist die Vorsitzende. „Wir müssen jetzt zusammen eine Lösung suchen“, sagte sie. Das Thema sei auch im Ortschaftsrat besprochen worden, aber da sei von einer anderen Miet-Höhe die Rede gewesen, meinte sie. Keiner habe damit gerechnet, dass das durchkomme. Jetzt sei es nicht zu ändern. Der Verein müsse sich selbst erst einmal mit allem abfinden und einen Weg ausloten, anders zu haushalten, um nicht auf den Mehrkosten sitzen zu bleiben.

Karneval bringt keinen Gewinn

Wo aber soll das Geld herkommen? Der Karneval ist das große Zugpferd der Heimatfreunde. Fest steht, Einnahmen, die bisher rein kamen, decken mit den Mehrkosten keinesfalls den Aufwand. Bisher war der Karneval kein Verlustgeschäft, einen Gewinn hat er aber auch nicht erwirtschaftet. Wenn Geld übrig war, wurden davon neue Kostüme gekauft. Ab 2020 kommen neue Kosten in Höhe von 1280 Euro dazu.

In der Vereinskasse klafft dann ein großes Minus. Noch ist nicht klar, wie es kurzfristig ausgeglichen werden kann, um die Veranstaltungen für Fe-bruar abzusichern. Prunksitzungen an zwei Wochenenden sind geplant, außerdem sollten an einem dritten Wochenende die Senioren und die Kinder eingeladen werden.

„Wir werden wahrscheinlich nicht drum herum kommen, die Eintrittspreise zu erhöhen“, muss die Vorsitzende der Abteilung Chronik des Kultur- und Heimatvereins Yvonne Kramer-Herbst sagen, dass dem Verein nichts anderes übrig bleibt, als so zu handeln. Bisher kostet die Karte elf Euro, Senioren zahlten fünf Euro. „Wir überlegen, die Preise gering anzuheben.“ Wie viel das ausmache, müsse noch besprochen werden.

Wer finanziert den Spaß?

Unklar ist im Moment weiter, woher andere Einnahmen kommen sollen. Denn bis auf den Verkauf der Karten kommt fast nichts rein. Sponsoren hätten in früheren Jahren ab und an was gegeben, auch größere Summen, aber langfristige Partner soll es nicht geben. Jetzt müsse man verstärkt auf die Suche gehen, Firmen und Gewerbetreibende ansprechen, sagt die Abteilungsleiterin. „Wir sind glücklich, wenn wir einige finden würden, aber das ist nicht so einfach. Ein paar mal haben wir schon was erhalten, aber wir haben nicht immer das Glück“, sagte Yvonne Kramer-Herbst.

Ortsbürgermeisterin Ethel-Maria Muschalle-Höllbach (WGH) kritisiert, dass die Gastronomie während der Veranstaltungen des Karnevals dem Verein kein Geld einbringt. Ein Caterer, der mitwirke, beteilige den Verein nicht am Gewinn, sagte sie.

„Wir sind froh, dass wir vor einigen Jahren überhaupt jemanden gefunden haben, der uns hier hilft. Wir waren sehr dankbar. Es war ja niemand mehr da“, spielt Yvonne Kramer-Herbst darauf an, dass der städtische Saal plötzlich keinen privaten Pächter mehr hatte. Da sei eine Lösung gefragt gewesen. Immerhin müsse auch die Bedienung gestellt werden. Der Verein selbst könne das alles mit dem Essen gar nicht allein schaffen. Hinzu komme, dass die Wirtin die Hälfte der Gema-Gebühren für den Verein zahlt.

Ob sie künftig etwa eine Pauschale an den Verein zahlen soll und ob sie dazu auch bereit ist, bleibt ungewiss. „Wir müssen uns das alles überlegen“, so Yvonne Kramer-Herbst. Derweil bleibt ihr und den Jecken nur die Hoffnung, dass das Publikum dem Verein trotz der erschwerten Umstände die Treue hält. „Ohne Gäste geht es nicht, wir brauchen sie.“

Die Anhebung kommt in einer Zeit, in der die Proben für den Karneval auf Hochtouren laufen. Das Programm steht. Die Tanzgruppen sind am üben. „Vor allem die Kinder freuen sich immer. Die ganz Kleinen konnten es kaum abwarten, dass die Proben wieder anfangen“, erzählt Yvonne Kramer-Herbst.

Wie soll es weitergehen?

In Groß Börnecke wird diskutiert. Stadtrat Hans-Peter Hacke (WGH) weiß um die Sorgen der Stadt. Während der Auftaktveranstaltung zum 11.11. in dieser Woche erklärte er den Jecken, dass die Räte seiner Ansicht nach in den sauren Apfel beißen mussten, der Anhebung zu zustimmen. Man habe den Schritt gehen müssen, um ein Signal zu setzen, dass die Stadt bereit ist, solche Schritte zu gehen. Denn der städtische Saal sei für die Kommune ein Verlustgeschäft. Zu wenig Veranstaltungen würden hier das ganze Jahr über stattfinden. Kosten und Aufwand würden für die Kleinstadt in keinem Verhältnis stehen. „Wir müssen uns jetzt im Kultur- und Sozialausschuss Gedanken machen“, sagte Hacke. Es gehe auch darum, wie man energetisch mit geringem Aufwand etwas unternehmen könne, die Betriebskosten zu reduzieren.

Auch Randolph Schwabe-Bolze (CDU) hat sich gemeldet. „Es ist sicherlich nicht schön, die hohe Belastung für den Verein und auch ein ziemlicher Schock, was ich nachvollziehen kann“, meint er. Aber den Stadträten sei es nicht leicht gefallen, so zu entscheiden.

Der Vorsitzende des Kultur- und Sozialausschuss ist selbst Karnevalist und DJ und möchte jetzt noch einmal mit der Stadt das Gespräch suchen, „ob es nicht eine Ausnahme für 2020 geben kann.“ Das alles sei recht kurzfristig für den Verein. „Ich werde dies auch zur nächsten Stadtratssitzung nochmal anbringen“, sagt der Fraktionsvorsitzende.