Staßfurt l Die Lampen sind aus, die Boxen still, das sonst am Wochenende mit Jacken vollgehangene Foyer verwaist. Der Kartenverkauf läuft nicht mehr vor Ort, die Bühne ist leer seit Wochen. Beim Salzlandtheater in Staßfurt gibt es gerade wegen Corona eine unverschuldete Spielpause. Aber ja, es gibt es noch, das Salzlandtheater. Und hinter den Kulissen glüht das Telefon, blinken die Mails im Home Office auf, wird geschwitzt, umsortiert und neu gestaltet. „Aber ja – es gibt uns noch. Wenn wir auch sehr viel leiser sind als gewohnt. Die Mitglieder des Vereins und die Mitarbeiter des Hauses sind, über das normal zu erwartende Engagement hinaus, sehr bemüht, das Haus, welches in Teilen über 400 Jahre alt ist, zu erhalten“, teilt das Theater mit.

Der Veranstaltungskalender ist komplett über den Haufen geworfen. Der Auftritt des Comedians Jan van Weyde ist abgesagt, alle anderen Veranstaltungen wurden verschoben. So sind zum Beispiel die Frühlingskonzerte des Staßfurter Jugendblasorchesters, die am vergangenen Wochenende hätten stattfinden sollen, am 13. und 14. Juni neu angesetzt. Andere Veranstaltungen wurden in den Juli verlegt. Obwohl es nicht immer leicht war, mit den Künstlern einen Nachholtermin zu vereinbaren, gelang das doch in den allermeisten Fällen.

Dem treuen Freund der Kultur fällt auf: Die Spielpause im Sommer wird genutzt, um Veranstaltungen nachzuholen. „Wir sind unheimlich daran interessiert, den Künstlern zu helfen“, sagt Theaterleiter Stephan Czuratis. Absagen wären also keine schöne Option. „Für Künstler ist das eine schwere Zeit. Der Flurschaden ist groß. Daher wollen wir zusammenhalten.“ Und Künstlern hilft, wenn ihr Auftritt nicht komplett ins Wasser fällt. Eine Gage zu einem späteren Zeitpunkt ist besser als gar keine Gage.

Soforthilfe beantragt

Das Salzlandtheater selbst muss aber natürlich auch schauen, wie es über die Runden kommt. „Wir halten noch eine Weile durch“, sagt Czuratis. „Aber natürlich agieren wir wie ein Unternehmen in der freien Wirtschaft.“ Mehr als die Hälfte der Einnahmen erzielt das Theater aus Veranstaltungen, die ja nun wegfallen.

Drei Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Weil aber zum Beispiel Betriebskosten oder Versicherungen weiter bezahlt werden müssen, hat Czuratis bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt wegen der sogenannten Corona-Soforthilfe nachgefragt. Für drei Monate hat das Theater eine kleine fünfstellige Summe beantragt. „Wir warten noch auf einen Bescheid, sind aber zuversichtlich, dass dieser positiv ist“, sagt Czuratis. Er hofft, dass das Salzlandtheater mit einem blauen Auge in der schweren Zeit überlebt. „Allerdings kann ich auch nicht jedes Szenario bis zum Ende denken“, so Czuratis. Was wird zum Beispiel, wenn die derzeitig geltenden Beschränkungen bis in den Mai, Juni oder Juli gelten? Wenn also auch Veranstaltungen in dieser Zeit ausfallen? „Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. Aber irgendwann würde es schwierig werden. Dann sehe ich ganz düstere Wolken am Horizont.“

Stand jetzt plant Czuratis, die Veranstaltungen bis Ende Juli über die sprichwörtliche Bühne gebracht zu haben. Klappt das nicht, fällt die Sommerpause komplett aus. Was schwierig ist. „Wir brauchen eine Pause, weil zum Beispiel mal die Bühne gestrichen werden muss“, sagt Czuratis. Die organisatorischen Probleme würden immer größer werden, weil am 18. September ja schon die neue Spielzeit beginnt. „Und der Spielplan dafür steht schon zu 95 Prozent“, so Czuratis. Alte Termine dann noch unterzubringen ist so gut wie unmöglich.

Tickets bleiben gültig

In der jetzigen Zwangspause wird die Zeit genutzt, um Wartungsarbeiten, die sonst im Sommer erledigt werden, vorzuziehen. „Das sind 1000 Kleinigkeiten“, meint Czuratis. Scheinwerfer werden überprüft, Linsen geputzt oder Feuerlöscher gewartet. Und gerade der Theaterleiter hat trotz oder gerade wegen Corona viel zu tun. Kunden müssen informiert, neue Verträge aufgesetzt werden. „Das ist eine Herausforderung für uns“, so Czuratis.

Immerhin: Bereits gekaufte Tickets behalten auch ihre Gültigkeit, wenn die Termine neu angesetzt werden. Der Ticketverkauf ist auf null gesetzt, aber „nahezu niemand“, wie Czuratis sagt, hat die Karten umgetauscht. „Viele behalten die Karten und freuen sich auf die Ausweichtermine“, sagt Czuratis. Dazu können bereits erworbene Karten gegen Gutscheine getauscht werden. Kulturfreunde halten eben zusammen. In guten und erst recht in schlechten Zeiten.