Atzendorf l Der besondere Schatz ist gut verstaut. Rot eingebunden, recht unscheinbar zwischen anderen Zeitungen und Büchern, befindet sich im Haus von Rainer Schöne in Atzendorf ein wirkliches Highlight. Stolz fährt der 74-Jährige mit seinen Fingern über den Einband, blättert vorsichtig durch und zeigt dann auf das Datum. 1858 steht da. Druckfehler? Nein, wirklich nicht. Rainer Schöne, einer der bekanntesten Taubenzüchter der Region, hat tatsächlich Zeitungen aus den 1850er Jahren. Die Tauben- und Hühnerzeitung ist die älteste Zeitung Deutschlands für Geflügel.

Ein Relikt, das der Rentner gern präsentiert. „Solche Zeitungen bekommt man für kein Geld“, sagt er. Handel ist hier das Zauberwort. „Man muss eine Gegenleistung bringen.“ Und so ist Rainer Schöne Stück für Stück zu vielen kostbaren Schätzen gekommen. An die Zeitungen aus den 1850er Jahren ist er über das Deutsche Taubenmuseum in Nürnberg gekommen. Dafür hat er zum Beispiel Teller aus Holz mit aufgesetzter Schrift hergegeben. Besonders die aus der DDR sind beliebt.

Dazu besitzt Schöne Exemplare von „Die Taubenzucht. Zucht und Erhaltung“ von 1891 oder der „Geflügelwelt“ von 1912. Eine Fachzeitschrift, die zweimal im Monat erschien. Dazu weitere Relikte aus alter Zeit. Man ist fast geneigt zu sagen, es gibt nichts, was es nicht gibt in dem kleinen Raum im Dachgeschoss, der ein Sammelsurium der Besonderheiten ist. „Lose Zeitungen haben vielleicht einige, aber keine gesammelten Bände und nicht aus mehreren Jahren“, sagt Rainer Schöne. Stolz schwingt da mit im Unterton.

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Sammlung einige Tausend Euro wert

Doch gegenüber vom Schrank mit den Zeitungen hängen auch Teller, in einem weiteren Schrank befinden sich Pokale, daneben liegen fein säuberlich sortiert Medaillen. Eine Inventur hat Rainer Schöne nie gemacht, aber es sind wohl mehrere hundert Exemplare. Und der Wert? „Sicher einige Tausend Euro“, so Schöne. Aber er will es ja nicht verkaufen.

Geflügelzüchter ist Rainer Schöne seit 1960. Am 1. August 1960 war er in die Atzendorfer RGZV 1925 eingetreten. Sieben Mal war er Vereinsmeister, dazu ist er seit 1979 Zuchtwart, war zwischendurch Vorsitzender des Kreisverbandes Staßfurt (1987 bis 1995), dazu im Vorstand des Bezirksverbandes Magdeburg (1990 bis 2003). Auch im Landesverband ist er seit Gründung aktiv. Dazu ist er seit 1982 Berichterstatter über führende Schauen.

Noch immer hat er neben seinem Haus einen Verschlag mit etwa 30 Tauben. Einst waren es viel mehr. Doch Rainer Schöne ist auch ruhiger geworden. „Man muss ja ein Hobby haben“, sagt er. „Als Bengel habe ich Tauben gesehen und fand das spannend.“ So fing er bereits als Jugendlicher damit an, sich als Geflügelzüchter zu engagieren. Die Sammelleidenschaft kam parallel. Am wertvollsten sind die alten Zeitungen. Rainer Schöne besitzt aber auch zum Beispiel einen Reichs-Siegerpokal aus den 1930er Jahren. Wegen des zeitpolitischen Hintergrunds und dem Hakenkreuz ist dieser in entsprechendem Kreis begehrt und soll mit bis zu 800 Euro gehandelt werden.

30 Jahre lang Preisrichter

Dazu hat er durch seine Ausstellungen und den Tausch Zinnkrüge gesammelt, die einzeln gesehen schon 70 Euro wert sind. An der Wand befindet sich eine Urkunde aus dem Jahr 1906. „Zur Feier der 25-jährigen Wirksamkeit“, steht da drauf. Im Erdgeschoss hängt ein Preis-Diplom aus dem Jahr 1912.

Ja, irgendwie ist das kleine Haus auch ein lebendiges Museum. Was ja kein Wunder ist. Schließlich war Rainer Schöne auch 30 Jahre lang Preisrichter. Farbentauben hat der Atzendorfer allein über die Jahre über 10.000 Stück gerichtet.

40 Jahre lang war er Mitglied im Sonderverein Sächsische Farbentauben. Sächsische Schwalben, Indianer-Tauben oder Nürnberger Schwalben verhalfen ihm zu zahlreichen Auszeichnungen. So bekam Rainer Schöne schon zu DDR-Zeiten Goldene, Silberne und Bronzene Ehrennadeln oder Ehrenmedaillen. Mit Nürnberger Schwalben, Thüringer Schwalben oder Indianer-Tauben war er zudem in den 2000er Jahren insgesamt acht Mal Landesmeister. Der Sammler ist ein Züchter. Und der Züchter ein Sammler. Beides bedingt sich natürlich.