Rathmannsdorf l Ja, es ist nunmal ein fast 150-jähriges Haus, die schmucke St.-Pauli-Kirche. Und Hausbesitzer wissen: Meist kann man vorn wieder anfangen, wenn man hinten fertig ist. „Es ist eine ewige Baustelle“, diese teilweise schmerzliche Erfahrung hat auch Kirchenratsvorsitzender Stefan Hädermann gemacht, seit dem er 1999 in den Gemeindekirchenrat gewählt wurde.

Dabei hat die Gemeinde erstmal allen Grund, froh zu sein. Die Finanzierung der aktuell unumgänglichen Orgel-Reparatur ist nämlich so gut wie gesichert (Salzland-Kurier berichtete).

Zweckgebundene Spenden

„7484,78 Euro sind aus der zweckgebundenen Spendenaktion zusammengekommen“, ist Pfarrer Kornelius Werner freudig überrascht, „dass so viel gespendet wurde und auch in so kurzer Zeit.“

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Den Spendenaufruf hatte die Kirchengemeinde erst bei ihrem diesjährigen Sommerfest gestartet. „Das Ergebnis ist so großartig, damit hatten wir nie gerechnet. Wir sagen schon hier allen Spenderinnen und Spendern herzlichen Dank und wünschen Gottes Segen“, verkündeten die Paulianer bereits nach wenigen Wochen in ihrem neuen Internet-Auftritt, als der Spendenstand knapp 4000 Euro erreicht hatte. Auch danach wuchs die Zahl ständig weiter.

Geld für Gemeinnützigkeit

„Einen herzlichen Dank“, richtet Pfarrer Werner nun an alle, denen die Zukunft der Orgel am Herzen liegt und die dafür auch etwas gegeben haben. Zuletzt steuerte auch die Salzlandsparkasse mit 2000 Euro einen erheblichen Betrag aus der Prämienspar-Zweckertrag zum Spendenergebnis bei. Ein Fünftel der Lotterie-Einsätze kommt nämlich nicht nur den glücklichen Teilnehmern zu Gute, sondern auch gemeinnützigen Zwecken.

„Nun hoffen wir auf die Berücksichtigung unseres Antrags bei der Landeskirche“, erklärt der Seelsorger, wie es jetzt weitergeht. Die Landeskirche Anhalt hat ein Budget, wonach jeder Spenden-Euro verdoppelt wird. „Ich denke, dass das klappt“, so Kornelius Werner, „Das wären dann rund 15 000 Euro. Der Gemeindekrichenrat hat dazu 3500 Euro aus Eigenmitteln beschlossen.“ Bliebe noch eine Lücke von etwa 5000 Euro, die der Pfarer versucht, über einen Orgelfond der Landeskirche zu schließen.

Kostenvoranschlag bei 23.500 Euro

Der vorläufige Kostenvoranschlag liegt bei 23.500 Euro. Der Gemeindekirchenrat von St. Pauli hat sich unterdessen dafür entschieden, dass eine Bernburger Firma den Zuschlag für die Reparatur der Rühlmann-Orgel erhalten soll. Die Orgelpfleger kennen die Rathmannsdorfer Königin der Instrumente bereits, haben sie vor einigen Jahren schonmal gereinigt. Pfarrer Werner ist mit seinem Wunsch sicher nicht allein, dass die Orgel frisch in altem Klang zum nächsten Osterfest erklingt.

Als wäre das Orgel-Projekt nicht schon schwer genug, hat sich nun zwischenzeitlich eine neue Baustelle aufgetan. Gutachter haben festgestellt, dass die Grabkapelle am Eingang des Kirchengeländes abgerissen werden muss. Für eine Rettung der rund 300 Jahre alten Gruft des einstigen Pfarrers Daniel Müller ist es längst zu spät. Das ruinöse Bauwerk musste bereits gesichert werden, nachdem sich breite Risse um das poröse Sandstein-Gesims ziehen. Selbst das einbezogene Landesamt für Denkmalpflege sieht keine Chance mehr und hat die Genehmigung für einen Abriss gegeben.

Große Kosten erwartet

Die Gemeinde rechnet nun auch hierbei mit großen Kosten, die sie nicht allein stemmen kann. Von etwa 12 000 Euro ist die Rede momentan.

Betrachtet man aber, was die Paulianer allein in den vergangenen 14 Jahren mit einer neuen Glocke, der Elektrifizierung des Geläuts und der malerischen Gestaltung des Kirchenraums gepackt haben, bleibt kein Zweifel, dass sie auch Orgel- und Gruft-Vorhaben zu Ende bringen werden.