Tarthun l Die Volksstimme-Serie „Was ist geworden aus?“ dreht sich heute um die Schachtanlage in Tarthun. Im Altkreis Aschersleben-Staßfurt gab es Pläne, daraus ein Schaubergwerk zu machen. Diese wurden aber aus Kostengründen ad acta gelegt.

„Tarthuns Schachtanlage hält Dornröschenschlaf“, lautete die Volksstimme-Schlagzeile vom 18. Juni 2012. Auch die Landkreisverwaltung in Bernburg kann und will diese Anlage nicht zu neuem Leben erwecken.

„Es wurde in der Tat vor etwa 20 Jahren ein Projekt dazu im Landkreis Aschersleben-Staßfurt verfolgt. Die Idee der Nutzung als Besucher-Bergwerk war interessant. Für die Umsetzung gab es allerdings keine weiteren, wichtigen Voraussetzungen. Zu diesem Ergebnis führte die Arbeit schon damals“, teilte die stellvertretende Pressesprecherin Marianne Bothe auf Anfrage der Staßfurter Volksstimme mit.

Ideen aus der Region seien es immer wert, Beachtung zu finden. „Am Ende braucht es aber ein belastbares Konzept und den Nachweis für Nachhaltigkeit. Hohe Ansprüche, um Fördermittelgeber zu überzeugen“, gab Bothe zu bedenken und fügte hinzu: „Der Landkreis selbst hat vorgegebene Aufgaben und einen bekannt engen Finanzrahmen. Seine Handlungsfähigkeit und die seiner Kommunen stehen derzeit an erster Stelle.“

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Hohlraum

Die Idee, den 1929 geschlossenen Schacht in Tarthun zu nutzen, war 1998 geboren worden. Ziel war es damals, die einzigartige Schönheit in den zwei Schächten mit einem Hohlraum von 750.000 Kubikmetern und in einer Tiefe von fast 500 Metern der Nachwelt zu erhalten.

In einer Machbarkeitsstudie, die aus Mitteln des Landes, der Gemeinde Tarthun und Lotto-Toto-Mitteln finanziert worden war, wurde die Möglichkeit dafür bestätigt. Denkbar für die spätere Nutzung sei ein Verein, eine Stiftung oder eine GmbH, war in der Untersuchung festgestellt worden. Im Frühjahr 2001 wurde für die vorbereitenden Arbeiten im Staßfurter Initiativkreis ein ABM-Projekt gestartet. Bis Juni 2001 erarbeiteten die drei Mitarbeiter dazu eine über 100-seitige Chronik.

Die damalige Verwaltungsgemeinschaft „Bördeaue“ hatte das Vorhaben für die Landesinitiative „Locale“ vorgeschlagen. Es war aber nicht in die engere Wahl gekommen. Und auch im Regio-Programm hatte es keine Berücksichtigung gefunden. Die Suche des Landkreises nach finanziellen Mitteln bei möglichen Sponsoren oder Landesbehörden endete ebenfalls erfolglos. Deshalb musste die Idee im Oktober 2001 zu den Akten gelegt werden.

Vieles geplant

Bürgermeister Peter Fries (CDU) hingegen will dieses Projekt nicht aufgeben. „Die Nutzungsmöglichkeiten der Anlage, bei der es sich um eine der beiden einzigen noch existierenden luftgefüllten Steinsalzschächte Deutschlands handelt, wären relativ vielfältig. Damals war geplant gewesen, dass man dort unten in Zusammenarbeit mit der Bergakademie Freiberg (Sachsen) Hörsäle für praxisnahe Vorlesungen einrichtet. Das war keine schlechte Sache. Aber es hat mal wieder am Geld gemangelt. Das kann man weiter verfolgen.

Der nächste Zweig, den ich weiter verfolgt hätte, wäre die Nutzung der Anlage für medizinische Zwecke, speziell für Menschen, die Erkrankungen an den Atemwegen haben. Dafür herrschen dort unten optimale Bedingungen“, sagte das Ortsoberhaupt.

Er habe dafür schon Kontakte geknüpft. Dazu müsse man aus seiner Sicht mehrere Investoren mit ins Boot holen, denn es habe sich herausgestellt, dass sich die Kosten für die Fahrstühle, die dort eingebaut werden müssen, in mehrstelliger Millionenhöhe bewegen würden. Eine andere Variante wäre aus Fries Sicht die Einlagerung von Akten zum Beispiel durch das Bundesarchiv in 250 oder 450 Meter Tiefe.

Fries: „Ich war schon aktiv und habe Ideen, die bisher nicht auf Ablehnung gestoßen sind. Vom Landkreis brauche ich da keine Hilfe erwarten. Der hat selber kein Geld. Was für mich nicht in Frage kommt, ist ein Atommülllager, mit dem wir strahlende Augen bekommen. Das ist aber wohl auch aufgrund der geringen Tiefe in Tarthun nicht möglich.“