Hohenerxleben l Dass der Schlosspark Hohenerxleben für den Adel einst ein kultivierter Erholungsort wie etwa der Wörlitzer Park gewesen sein soll, ist heute kaum mehr vorstellbar. Dennoch kann eine Landschaftsarchitektin aus alten Schriften das Bild, wie es früher einmal war, vor dem geistigen Auge wieder auferstehen lassen. Und so soll der Park in ferner Zukunft auch wieder einmal aussehen.

Ein Plausch auf der Sitzbank über dem Schlossfelsen, ein Spaziergang durch lichte Alleen oder eine Brise Rosenduft beim Lustwandeln durch den Garten... Man muss sich ins Jahr 1900 zurückdenken, will man verstehen wie der Schlosspark in seinen strahlendsten Zeiten, im vollendeten Zustand, aussah. Dagmar Welz, die diesen Zustand aus historischen Schriften wie dem Tagebuch der Auguste von Krosigk (über 400 Jahre bis 1945 war der Park im Besitz der Adelsfamilie von Krosigk) nachvollzogen hat, stellte ihre Ergebnisse kürzlich in Hohenerxleben vor.

Der Park, der von der Familie von Krosigk im 17. Jahrhundert als barocker Schlossgarten angelegt und ab Mitte des 18. Jahrhundert weiterentwickelt wurde, glich einem herrschaftlichen Lustgarten. Seine 17 Hektar erstreckten sich schon damals vom Schloss bis zur Eisenbahnbrücke. Man spazierte oder fuhr mit dem Fahrrad nicht einfach nur hindurch, man verweilte dort viele Stunden. Dazu hatten die hohen Herren und Damen einzelne Punkte anlegen lassen, kleine Treffpunkte oder Verweilpunkte darstellen sollten.

Verandablick

Beeindruckend ist bereits ein historisches Foto von der heutigen Rasenfläche am Parkeingang, gleich neben dem Schloss. Von der Veranda aus schaute die Adelsfamilie auf ein erstes aufwendig gestaltetes Areal. Ein Fliederboskett, eine streng geschnittene Hecke also, antike Säulen und ein sternförmiges Bett mit Blumen zogen die Blicke auf sich. An der heutigen Biegung zum Park soll es eine kleine Sitzgruppe gegeben haben, wo die Menschen sitzen und auf die Bode schauen konnten. In der Zeit herrschte am Ufer übrigens viel Betrieb, kleine Boote brachten Gäste aus nah und fern. Am Hang unter dem Schloss soll Augustine von Krosigk einen Kräutergarten gehabt haben.

Bilder

Von diesem Plätzchen aus sollen Fliederhecken den Weg in Richtung Park geführt haben. Er verlief damals nicht wie heute ganz links am Abhang, sondern schlängelte sich quer durch die Erlebniswelt aus Blütenzauber und Schnittkunst in Richtung Koppel. Der Blick auf die Bode nach unten war frei.

Freie Sicht auf den Fluss soll es in Zukunft auch wieder geben, ein Geländer wird am Radweg für Sicherheit sorgen, der Weg soll aber wie aktuell verlaufen. Aus dem Gestrüpp am Abhang wird alles entfernt, was nicht mindestens hundert Jahre alt ist. Auch viele der über 400 erfassten Bäume im Park werden weichen müssen.

Pflanzen als Geschenk

Immergrüne Nadelhölzer wie sie heute am Anfang der Koppel stehen, gehören zu dem historischen Pflanzenarsenal. Sie haben immer wichtige Punkte im Park markiert. Achtet man bewusst auf diese Koniferen, würde man ebenso Hinweise auf Orangerie und andere Hauptpunkte im Park bekommen, fand die Architektin heraus. Oft wurden diese Koniferen, aber auch andere Pflanzen wie Rosen, der Familie von Krosigk als Geschenk bei bestimmten Anlässen überreicht.

Ist man unten im Park angelangt, dort, wo die kleine Bank an der Bode steht, schaut man auf einen Hügel, links neben der Koppel. Wahrscheinlich wurden dort Überreste einer einstigen Zuckerfabrik aufgeschüttet, der dann als Aussichtsplattform genutzt wurde. Von dort aus wurde der Blick der Spazierenden wiederum auf das Denkmal von Krosigk und dann auf die frei sichtbare Bode gelenkt. Das Denkmal soll übrigens bei die Sanierung des Parks restauriert und abgestrahlt werden.

Auf dem Abhang, der von den Stallgebäuden nach unten führt, sollen früher ein Pavillon und ein Spielplatz für Kinder gestanden haben, die dort herumgetollt sind.

Eichen und Alleen

Ging man früher nun weiter in den Park hinein, sah alles ganz anders aus als heute. Wenige große Eichen zeichneten die Allee. Sie standen auf naturbelassenen Wiesen, wo Insekten und Schmetterlinge herumschwirrten, und wurden von Nutztieren beweidet. Alles machte einen viel lichteren und weiteren Eindruck.

Wahrscheinlich hat es noch eine zweite parallel verlaufende Eichenalleen neben der heutigen, direkt am Bodeufer , gegeben. 1753 hatte die Familie von Krosigk die ersten Eichen gepflanzt. Das aber nicht nur zum Lustwandeln, sondern weil die gewachsenen Bäume später verkauft und damit die Forstwirtschaft, die im Gutshof ihren Sitz hatte, betrieben wurde. Grenzsteine auf den Allee zeugen noch heute von der damaligen Grenze zwischen Anhalt und Preußen, die hier verlief.

Die Eichen pflanzte man damals im großen Abstand zueinander, damit sie gerade wachsen und genug Licht hatten. Die kleineren Eichen, die vor einigen Jahren mal von Hohenerxlebenern gesetzt wurden, sind übrigens jämmerlich eingegangen, eben weil das Dickicht aus Schneebeeren und wilden Büschen ihnen Boden und Licht nimmt. Auch die Bepflanzungen der Nebenwege zu DDR-Zeiten, etwa die Birken an der Koppel vor der Eisenbahnbrücke, sind später nicht gelungen. Die Bäume sind nicht besonders groß geworden, weil es ihnen an Ressourcen fehlt. Auch die Kirschen an der Koppel sind heute krumm und schief.

Alle jungen Bäumen und das Dickicht sollen nun gerodet werden, so dass die wenigen ganz alten Bäumen wieder ihren Raum bekommen.

Die Auflagen zu den anstehenden Parkarbeiten sagen übrigens auch, dass sogar die großen Baumstümpfe der Eichen am Wegesrand durch neue Pflanzen ersetzt werden müssen.

Teich

Wandert man die Allee weiter, geht es irgendwann links hinein zum Teich. Was jetzt noch Dickicht rechts und links des Weges ist, soll später ebenfalls wieder viel lichter werden. Sicher ein- bis zweimal im Jahr muss dieser Wildwuchs im Park gerodet werden, will man stets den ursprünglichen Zustand halten.

Am Ufer des künstlich angelegten Teiches müssen sich einst vereinzelte Sträucher gruppiert haben. Nach diesem Vorbild soll der viele Holunder entfernt und einheimische Blütengehölzer neu in Gruppen gesetzt werden. Dort sollen Insekten und andere schattenliebende Tierarten eine Heimat finden sollen. Auch einige Gruppen von Totholz sollen erhalten werden, für Käfer und Co..

Einst verweilte der Adel hier am Teich auf Sitzbänken, plauderte, machte vielleicht ein Picknick. Der Teich selbst soll bald ausgebaggert und das Grabensystem wieder aktiviert werden.

Orangerie

Wieder zurück auf der Allee führt später ein Weg nach oben, bis an die Mauer des Gutshofs. Eine kleine Freifläche, an der heute Bänke stehen, deutet hier einen weiteren Punkt an, an dem man sich länger aufhielt. Gegenüber ging es zur Orangerie. Nach dem historischen Foto muss dies ein wunderschönes Haus gewesen sein, in dem sogar in einem Festsaal gefeiert wurde. Steine des Fundaments wurden bei den kürzlichen Ausgrabungen noch gefunden und sind heute auf dem Boden zu sehen.

Wieder zurück auf dem oberen Weg an der Mauer geht es dann wieder rechts rein zur einstigen Aussichtsplattform.

Eine Treppe aus Stein, auch heute noch zu erahnen, führte hinab. Der Aussichtspunkt wird heute mit der Kunst des Kinderkurses am Schloss mit Fernrohren angedeutet. Schaut man hindurch, kann man die Bode erahnen. Früher eröffnete sich hier der freie Blick auf Bode.

Informationen

* Die Informationen stammen von Dagmar Welz, Landschaftsarchitektin aus Schönebeck, die mit dem Konzept zur Parksanierung beauftragt war.

* Noch in diesem Winter sollen die Arbeiten, die über zweieinhalb Jahre dauern sollen, im Park beginnen - zuerst die Rodung des Dickichts. Langfristiges Ziel ist es, den Park so weit wie möglich an das hier beschriebene ursprüngliche Bild anzupassen. Geld ist aber erst einmal nur für die Bereiche direkt an der Bode sowie die Querwege, die von der Hauptallee nach oben führen, vorhanden - die Stadt kann hier auf ein Fördermittelprogramm zugreifen, das nur für Hochwasserschäden vorgesehen ist. Die Orangerie und der obere Weg sind außen vor. Hier könnte der Ausbau auf anderen Wegen erfolgen, vielleicht durch einen Förderverein und großzügige Spenden. An die Wege und den Teich soll es wohl 2018 gehen, dann an den Ausbau des Radwegs R1.