Hecklingen l Die Liste ist lang: Vorschläge, was alles unter den Hammer kommen kann, sind in einem Katalog mit weiteren Sparmaßnahmen drin. Eine unabhängige Beraterfirma hatte der Stadt Hecklingen einen Fahrplan aus den Schulden - derzeit klafft ein 17 Millionen schweres Loch im Haushalt - aufgestellt. Und dieses umfangreiche Papier ist jetzt öffentlich Thema.

Vieles zielt darauf ab, dass die Stadt über den Verkauf von Immobilien nachdenken soll. Der Gutachter hat dazu theoretische Berechnungen durchgeführt und im Ergebnis Zahlen aufgelistet, wie viel der Verkauf von Gebäuden, Ackerland und Wald bringen kann.

Jährliche Einsparungen

Als Maßnahme im Haushaltskonsolidierungsgutachten ist unter Punkt 25 die „Schließung, Veräußerung und Übereignung von drei Kulturstätten der Stadt“ die Rede. Würde die Stadt sich von den Gebäuden trennen, so die theoretische Berechnung, würde das auf dem Papier einmalig 25.050 Euro einbringen und danach jährlich 68.727 Euro einsparen.

Die Praxis sieht aber anders aus. Das Volkshaus in Cochstedt steht seit Jahren leer. Die Stadt musste es schließen lassen, weil sie sich nötige Reparaturen des Saals, der vorher Spielstätte des Karnevals war, nicht mehr leisten konnte. Mittlerweile verfällt das Gebäude immer mehr. Öffentlich wurden bereits Bedenken geäußert, dass es überhaupt möglich ist, einen Käufer zu finden.

Fraktionsübergreifende Ablehung

Fraktionsübergreifend abgelehnt wird von vorn herein der weitere Vorschlag, die anderen zwei oft genutzten Kulturstätten der Stadt, nämlich den „Stern“ in Hecklingen und das Dorfgemeinschaftshaus in Groß Börnecke zu schließen. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen statt. „Hier spielt sich das kulturelle Leben der Orte ab“, begründet auch Hecklingens Bürgermeister Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen/WGH), dass dieser Verkafsvorschlag auch für ihn nicht zur Debatte steht. Anders sieht es mit dem Rathaus in Cochstedt aus.

Hecklingen wird vorgerechnet, dass der Verkauf des Cochstedter Rathauses, in dem sich der städtische Jugendclub und das Büro des Ortsbürgermeisters befindet, einmalig 101.000 Euro einbringen könnte. Danach könnten jährlich 23.319 Euro eingespart werden. Bürgermeister Uwe Epperlein teilte Stadträten mit, dass es einen Kaufinteressenten für das Gebäude gibt. Auf Nachfrage sagte er dazu, dass im jetzigen Stadium der Verhandlungen noch nicht konkreter werden könne. Die Einigung beider Vertragspartner sei aber schon weit voran geschritten. Darauf angesprochen, was im Fall des Verkaufs mit dem Jugendclub wird, konnte der Bürgermeister ebenfalls noch nichts genaues sagen. Er schloss aber die Option nicht aus, dass die Einrichtung auch künftig nach der Veräußerung in den Räumen bleiben kann. Das sei aber derzeit alles noch „Kaffeesatzleserei“, so Epperlein.

Verkauf der Turnhallen

Diskutiert wird dieser Tage auch der Verkauf der Turnhallen in Schneidlingen und Cochstedt. Die Sportstätte in Schneidlingen wird auf dem Papier mit 160.732 Euro und Cochstedt auf 284.363 Euro geschätzt. Doch diese Hochrechnung sehen Stadträte mit Blick auf den maroden Zustand kritisch. Problem ist, dass die Turnhallen gebraucht werden, weil hier Vereine aber auch Feuerwehren trainieren. Die Stadt kann sich die Modernisierung dieser in die Jahre gekommenen Gebäude aber nicht leisten, weil darin kein Sportunterricht staatlicher Schulen stattfindet. Das stößt auf Kritik. „Eigentum verpflichtet“, meint Cochstedts Ortsbürgermeister Wolfgang Weißbart (Fraktion Die Linke). Und auch Ortsbürgermeisterin Ingrid Engelmann (CDU-FDP-Fraktion) weiß, dass die Halle in Schneidlingen für den Ort unverzichtbar ist. „Hier gehen Bürger und Vereine rein und jeder der die Tür aufschließt, ist entsetzt“, sagte sie. Auch der Bürgermeister weiß um den schlechten Zustand, erklärte aber, dass der Stadt die Hände gebunden sind. Epperlein zieht als einziger den Verkauf der Schneidlinger Halle in Betracht. Alle Fraktionen des Stadtrates waren dagegen, als dazu beraten wurde. Dass die Cochstedter Sportstätte nicht weg gehen soll, sagen bisher alle, auch der Rathauschef.

Weiterhin hat der Stadtrat der Verwaltung mit auf den Weg gegeben, prüfen zu lassen, welche anderen Immobilien der Stadt Geld bringen, die noch nicht im Gutachten stehen. Das soll im Rathaus geprüft werden. „Das könnten etwa Wohnungen sein, die wir als Kommune haben. Das muss ermittelt werden“, nannte Epperlein auf Anfrage ein Beispiel.

40 Hektar Wald

Zur Diskussion steht außerdem der Verkauf von Wald. Hierbei handelt es sich nach Angaben der Stadt um zirka 40 Hektar Waldflächen, die der Stadt gehören. Das soll Berechnungen nach rund 450.028 Euro einbringen, wenn Hecklingen verkauft. Alle Fraktionen und auch der Bürgermeister haben sich dafür ausgesprochen. Dabei geht‘s etwa um den Wald im Gänsefurther Busch, den Tannengrund oder den im Volksmund bekannten erste bis dritten Busch. Die Gebiete werden viel von Radfahrern und Spaziergängern genutzt. Würden Wege im Fall des Verkaufs für die Öffentlichkeit dann nicht mehr zugänglich sein? Darauf antwortete Epperlein, dass vertraglich geregelt werden müsse, dass der Zugang bestehen bleibt.

Allgemein zum jetzt veröffentlichen Gutachten (siehe Beitrag links) sagte er noch, dass es sich „in der Summe um theoretische Hochrechnungen handelt.“ Wenn man alle 38 Maßnahmen zusammen zähle, komme man am Ende zu dem Ergebnis, dass die Stadt „auskonsolidiert ist.“ Aber das sei an vielen Stellen „graue Theorie und habe mit dem tatsächlichen Leben vor Ort wenig zu tun.“