Güsten l Alles steht am rechten Fleck, alles ist sortiert im kleinen und länglichen Raum. Nein, wie ein Fremdkörper wirkt Angela Krenckel-Herrmann nicht mehr. Seit September ist die 50-Jährige die neue Schulleiterin der Grundschule Güsten. Neu ist: Sie ist ordentlich bestellt. Das heißt, dass die Zeit der kommissarischen Schulleiter vorbei ist. Endlich. „Wir sind wieder rund“, sagt Krenckel-Herrmann. „Das stärkt den Zusammenhalt.“ Auch im Kollegium. So kann langfristig geplant werden.

Doch wer ist die blonde Frau eigentlich? Angela Krenckel-Herrmann ist verheiratet, hat vier Kinder zwischen 17 und 30 (zwei Mädchen, zwei Jungs), ist seit dem Sommer 2017 Oma und wohnt in Aschersleben. Dort war sie bis zuletzt Lehrerin im gemeinsamen Unterricht. Ihre Stammschule war eine Förderschule. „Ich wollte mich beruflich verändern, hatte mich ganz bewusst auf die Stelle beworben. Die Schule hat sehr viel Potenzial“, sagt sie.

Mit offenen Armen empfangen

Was ihr an an der Grundschule in Güsten gefällt: „Die Schule ist musisch und kulturell ausgerichtet. Mir hat es unheimlich gefallen, wie die Schule sich präsentiert. Alle können da stolz auf sich sein.“ Sie denkt da an die Theatergruppen, die aktiven Chöre oder die Arbeitsvorstellungen der Erst- und Zweitklässler in der Turnhalle vor großer Kulisse. Daran wird sie natürlich nicht rütteln. „Wir müssen uns auf unsere Stärken berufen und das Selbstwertgefühl stärken“, sagt sie. Das „uns“ kommt dabei selbstverständlich über die Lippen. Sie versteht sich als fester Teil des Teams. Den Aha-Effekt hatte Krenckel-Herrmann in den Oktoberferien. „Da habe ich gemerkt, dass ich angekommen bin. Ich wurde mit ganz offenen Armen empfangen. Ich habe nichts bereut.“

Gemeinsam mit den Lehrern kann Krenckel-Herrmann nun auf lange Sicht Dinge anstoßen. 107 Schüler gibt es in sechs Klassen. Acht Lehrerinnen und eine pädagogische Mitarbeiterin sind beschäftigt. „Aber die Schülerzahlen werden ansteigen“, so die Schulleiterin. Was aktuell kein Problem ist. Unbesetzte Stellen gibt es nicht. Die erhöhte Zügigkeit kann aufgefangen werden. Wenn Lehrer erkranken, muss die Schulleiterin aushelfen. So wie derzeit. Mehr Klassen könnten personell zum Problem werden.

Trotzdem versteht sie es auch als Aufgabe, die Schule bei der freien Schulwahl attraktiver nach außen zu präsentieren. Im März wird es eine Konferenz im Kollegium geben. Auch Krenckel-Herrmann hat Ideen. „Ich möchte Projekttage initiieren, bei denen es um gesunde Ernährung geht. Wir brauchen auch eine Schulsozialarbeiterin.“

Eltern mitnehmen

Selbstverständlich sucht sie aber immer und ständig den Kontakt mit Lehrern und Kitas. Sie baut weiter auf enge Zusammenarbeit, geht selbst in die Kitas, stellt die Schule vor. Schnupper-Nachmittage an der Schule sind ebenso bewährt. „Die Eltern müssen mitgenommen werden“, so Krenckel-Herrmann.

Aber auch neben der Außendarstellung warten große Aufgaben. In den Winterferien wird die Schule für eineinhalb Jahre in ihr Ausweichquartier im alten Kita-Gebäude einziehen. Die Grundschule wird umgebaut. Es soll ein verglaster Übergang zwischen den beiden Gebäuden entstehen, damit die Kinder zum Beispiel nicht mehr zur Toilette über den Hof müssen. „Das wird eine große Herausforderung“, so Krenckel-Herrmann. Aber auch hier lässt sich die Aschersleberin nicht verrückt machen. „Mein Glas ist immer halbvoll“, sagt sie. Dabei schwingt eine große Portion Vorfreude mit.