Egeln l Dieses Modell läuft seit diesem Schuljahr im Raum Aschersleben - die bisherigen Erfahrungen sind nach Angaben von KVG-Geschäftsführer Janko Wilke positiv, schrieb die Mitteldeutsche Zeitung. Ab 15. August soll es auch im Bereich Schönebeck und mit Beginn des Schuljahres 2020/2021 auch in den Altkreisen Bernburg und Staßfurt eingeführt werden. Davon verspricht sich die KVG Einsparungen. Neben geringeren Wartezeiten für die Schüler vor Unterrichtsbeginn und nach Schulende soll damit das Angebot auch für andere Fahrgäste attraktiver gemacht werden. Ziel sei es, den Unterrichtsbeginn in ein größeres Zeitfenster von 7 bis 8 Uhr zu legen.

Der Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr (UWGE) sprach angesichts der vielen Schulschließungen in den vergangenen Jahren von einem „selbstgemachten Leid des Salzlandkreises“. „Dafür können wir die Eltern und die Kinder nicht bluten lassen“, sagte er. Allein durch die Aufgabe des Gymnasiums Egeln müssten nun täglich 400 Schüler mehr befördert werden.

Verschiebung der Zeiten

So einfach könne der Salzlandkreis eine Verschiebung der Schulanfangszeiten nicht vorgeben, sagte Stöhr. Laut Schulgesetz müssten auch die Schulträger zustimmen. „Wir werden uns nicht dem Öffentlichen Personennahverkehr unterordnen, sonst läuft hier was verkehrt“, betonte Stöhr. „Über eine Verschiebung des Unterrichtsstarts um fünf Minuten könnte man reden, aber nicht um eine halbe Stunde nach vorn oder nach hinten“, fügte er hinzu.

Aus seiner Sicht könnte die Umsetzung des KVG-Modells dazu führen, dass berufstätige Eltern ihre Kinder für eine Hortbetreuung anmelden müssen. „Wir sollten auch an diejenigen denken, die zur Arbeit müssen“, sagte Stöhr.

180.000 Euro Einsparung möglich

Bördeaue-Bürgermeister Peter Fries (CDU) pflichtete ihm bei. „Das geht nicht. Das ist unpassend“, sagte er zu den KVG-Plänen. Er sieht bei einer Änderung Probleme auf die vielen örtlichen Vereine zukommen. Bei einem späteren Unterrichtsschluss werde es unmöglich, Übungs- oder Trainingszeiten zu absolvieren. „Damit wird das kommunale Zusammenleben und das in den Familien negativ beeinflusst“, ist Fries überzeugt.

Der SPD-Fraktionschef des Verbandsgemeinderates, Manfred Püchel, sagte: „Die Idee stammt von mir. Sie stieß anfangs in der Verwaltung auf Schwierigkeiten.“ Hintergrund seien die Finanzprobleme des Kreises. Derzeit brauche man sehr viele Busse zur gleichen Zeit. „Eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns würde allein in Aschersleben in einem Jahr zu Einsparungen von rund 180.000 Euro führen“, sagte Püchel, der die Schließung des Gymnasiums bedauert. „Gerade für die Grundschüler wäre es besser, wenn der Unterricht später beginnt“, so Püchel unter Hinweis auf Studien.

Die Verweigerungshaltung von Stöhr und Fries kann er nicht nachvollziehen. „Sie sind es doch, die ständig die Höhe der Kreisumlage kritisieren“, sagte Püchel.