Staßfurt/Aschersleben/Güsten l Ende Oktober vermeldet das Gesundheitsamt des Salzlandkreises eine positiv auf Corona getestete Schülerin an der Pestalozzi-Schule Staßfurt. „Das Gesundheitsamt hat die Kontaktpersonen der Schülerin sofort unter Quarantäne gestellt“, berichtet Schulleiter Volker Link. Eltern wurden telefonisch informiert, die Schule vom Gesundheitsamt des Salzlandkreises betreut. „Es wurde auch ermittelt, mit welchen Kindern die betroffene Schülerin im Bus saß“, so Linke. Die Förderschüler werden mit speziellen Kleinbussen zuhause abgeholt.

"Eine gwisse Unruhe"

„Wer so einen Fall an seiner Einrichtung hat, verspürt natürlich eine gewisse Unruhe“, sagt Schulleiter Link. „Dennoch ist alles ruhig abgelaufen.“ Das Kollegium setzt auf Ruhe und Besonnenheit. „Wir waren und sind auf alles vorbereitet.“ Mit dem neuen Hygieneplan für Schulen in Sachsen-Anhalt habe man nun etwas, „an dem wir uns entlanghangeln können“.

Bereits zum Zeitpunkt der ersten Infektion hatte der Schulleiter neben Einbahnstraßenregel im Gebäude, gestaffelten Pausen und Kohortenbildung die Maskenpflicht an der ganzen Schule etabliert, noch bevor das Ministerium diese für ganz Sachsen-Anhalt anordnete.

Amt ordnet Quarantäne an

Generell greifen Behörden im Fall von Infektionen an Schulen sofort ein: „Wenn ein Kind oder ein Lehrer positiv auf den Corona-Virus getestet werden, prüft unser Gesundheitsamt, welche Kohorten vorsorglich in häusliche Quarantäne geschickt werden müssen“, heißt es vom Salzlandkreis. Enge Kontaktpersonen der Kategorie I werden aufgefordert, ihren Gesundheitszustand zuhause weiter zu beobachten und bei Verschlechterung zu informieren beziehungsweise dies hausärztlich abklären zu lassen. Das Gesundheitsamt veranlasse dann weitere Tests.

Wenige Tage später ergab sich an der Pestalozzi-Schule ein weiterer positiver Corona-Fall, dieses Mal eine Mitarbeiterin, berichtet der Schulleiter. Es folgten wieder Quarantäne- und Testanordnungen für weitere Lehrer und Schüler. Letztere lernten zuhause „per E-Mail, über die Lern-Plattform, postalisch, manchmal im Gespräch mit dem Lehrer bei Abstand über den Gartenzaun“, so Link.

Ende dieser Woche werden nach negativen Testergebnissen zwei Klassen und fünf Lehrer an die Pestalozzi-Schule zurückkehren. Der Schulleiter sagt, dass das Corona-Geschehen an seiner Schule, die den ganzen Salzlandkreis als Einzugsgebiet hat, aus dem „Hotspot“ Bernburg kam.

Güsten hat Glück im Unglück

Auch an der freien Sekundarschule Güsten gab es einen positiven Fall, der Ende Oktober gemeldet wurde: „Wir hatten das Glück, dass die infizierte Kollegin keine Symptome hatte“, berichtet Schulleiterin Tanja Schaaf. Die Lehrerin hatte unwissentlich Kontakt zu einem Infizierten und war noch mit Schülern bei einem Wandertag. „Am nächsten Tag bekam sie dann die Info, dass sie zum Kreis der Kontaktpersonen gehören könnte und wurde sofort nach Hause geschickt.“ Ein folgender Test war positiv.

Das Gesundheitsamt musste die Schüler jedoch nicht nach Hause schicken: „Der Wandertag verlief mit Masken und Abstand so, dass dies als unbedenklich eingestuft werden konnte“, sagt Schaaf. Der Kollegin ging es gut. Sie erteilte zwei Wochen lang Unterricht von zuhause aus. An der Schule wurden ihre Tafelbilder und Erklärungen „live“ eingespielt.

Auch die Güstener Sekundarschule hatte früher als das Bildungsministerium Maskenpflicht angeordnet. Neu sei laut Schaaf heute nur, dass keine Fachräume mehr genutzt werden. „Wir müssen die Jugendlichen zwar ab und zu daran erinnern, dass sie sich nicht mehr umarmen dürfen. Aber sie ziehen gut mit.“

Erwachsene stecken Kinder an

Das Gesundheitsamt des Salzlandkreis hat zum Corona-Geschehen an Schulen festgestellt: „Nach den Erfahrungen unserer Amtsärztin Heike Leonhardt wird der Corona-Virus hauptsächlich über Erwachsene in Einrichtungen wie Kitas oder Schulen eingetragen, zumeist unwissentlich.“ Die Räumlichkeiten und die große Anzahl an Menschen beförderten hier die Übertragung. Gleichwohl habe das Virus den Salzlandkreis bereits flächendeckend erreicht, Bildungseinrichtungen seien nicht mehr betroffen als andere Bereiche.

Für den Standort Aschersleben muss die amtierende Schulleiterin Liane Wiele der Berufsbildenden Schule WEMA Aschersleben-Staßfurt „leider von positiven Fällen“ berichten. Sechs infizierte Jugendliche, zwei Klassen und vier Lehrer in Quarantäne. „Weil Lehrer aus dem Metallbereich in Quarantäne sind, haben wir Klassen in ihre Ausbildungsbetriebe schicken müssen. Die Firmen sind sehr kooperativ.“

Berufsschule lobt "junge Leute"

Auch bei der WEMA steht Ruhe und Besonnenheit ganz oben. „Die Situation ist für niemanden schön. Mit Verstand und Vernunft lässt sich jedoch vieles regeln“, so Wiele. „Wir haben ganz tolle junge Leute hier. Niemand stellt sich in den Vordergrund. Alle ziehen an einem Strang. Das Gesundheitsamt hat immer ein offenes Ohr.“ Mit Konzepten aus dem Frühjahr sei man gewappnet.

Der Salzlandkreis macht keine weiteren Vorgaben als der Rahmenplan des Landes Sachsen-Anhalt, was Schulen und Corona betrifft. Landrat Markus Bauer (SPD) kann nur seinen Appell wiederholen, dass „vor allem aber natürlich Eltern in diesen Tagen besonders sensibel auf die Gesundheit ihrer Kinder schauen und im Zweifel ärztlichen Rat einholen“.